Honduras-Delegation 2010

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Eine Delegationsreise zur Lage der Menschenrechte und der Demokratiebewegung nach dem Putsch
Aktualisiert: vor 21 Stunden 38 Minuten

Verzögerungstaktik und anhaltende Straflosigkeit im Mordfall Berta Cáceres in Honduras

Do., 25. Mai. 17, 14:29 Uhr
 Daniela Dreißig in amerika21Berta Zúniga Cáceres, die Tochter der ermordeten Aktivistin und der Anwalt Victor Fernández bei der Presserunde vor der Staatsanwaltschaft in Honduras am 17.Mai Foto: COPINHTegucigalpa. Angehörige der ermordeten Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres, Mitglieder des Zivilen Rates der indigenen und Basisorganisationen von Honduras (COPINH) und deren Anwaltsteam haben am 17. Mai eine Stellungnahme über die anhaltende Straflosigkeit im Justizsystem des Landes veröffentlicht. Darüber hinaus fanden Arbeitstreffen mit der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) sowie zwei europäischen Entwicklungsbanken statt.

Seit dem Mord an Cáceres am 2. März 2016 haben die Familie, COPINH und ihre Anwälte, die als Nebenkläger auftreten, wiederholt um Kopien der kriminaltechnischen Untersuchungen und weiterer Beweismittel ersucht. Die erste anberaumte Anhörung am 19. April 2017, bei der nationale und internationale Organisationen sowie Vertreter des diplomatischen Korps anwesend waren, wurde suspendiert, da die Unterlagen nicht übergeben wurden. Dies geschah erst am vergangenen Montag.
Laut der Stellungnahme sind Informationen an die ermittelnden Behörden gegeben und Aktionen beantragt worden, die Ermittlungen auch gegen die Auftraggeber des Mordes nach sich ziehen würden. Dies schließe nationale und internationale Banken und das honduranische Unternehmen DESA ein, das Nutznießer der Konzession und Betreiber des Wasserkraftwerkes Agua Zarca ist. Weiter heißt es, man sei alarmiert "über die enorme Macht dieser ökonomisch-kriminellen Gruppen, welche die Ermordung von Berta Cáceres angeordnet haben. Es scheint nun, dass es keine fähige Kraft gibt, die diesen Pakt der institutionellen Straflosigkeit bricht, die die Auftraggeber des Verbrechens decken."
Die nächste Anhörung wurde für den 7. Juni angesetzt. Europaabgeordnete und internationale Organisationen lancieren dazu aktuell ein Video, in dem sie Gerechtigkeit für Berta Cáceres fordern.

Der Präsident der CIDH berief am 18. Mai ein Arbeitstreffen in Tegucigalpa ein, um sich über die Fortschritte und Hindernisse bei der Gewährung der speziellen Schutzmaßnahmen zu informieren, die der Familie von Cáceres zugesprochen wurden. Die Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft, die in dem Fall ermitteln, seien zu diesem Treffen nicht erschienen.

Am vergangenen Freitag trafen sich Vertreter des Zivilen Rates und der niederländischen (FMO) sowie der finnischen (FINNFUND) Entwicklungsbank, die seit dem Mord vorübergehend ihre Finanzierungen einstellten. FMO, die 15 Millionen US-Dollar in Agua Zarca investiert hat, verkündete einen "verantwortungsvollen Ausstieg". Gegenüber Amerika21 sagten COPINH-Vertreter, ihnen sei mitgeteilt worden, dass die beiden Banken auf eine Reaktion der Zentralamerikanischen Entwicklungsbank warteten, und wenn diese ausstiege, würden sie nachziehen. Die Banken argumentierten, dass sie den von ihnen finanzierten Mediator, Juan Dumas, einschalten würden. Sie behaupteten, dass die Gewalt innerhalb der Gemeinden das Problem sei und sie unter einem "verantwortungsvollen Ausstieg" die Versöhnung der Gemeinden verstünden. Das aggressive Vorgehen von DESA sei gar nicht einbezogen worden.

Agua Zarca wurde ohne vorherige freie und informative Befragungen der betroffenen indigenen Gemeinden begonnen. Dies verletzt das Recht von indigenen Völkern, das in der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation fest geschrieben ist, die auch Honduras ratifiziert hat.

movimientoamplio copinh fmo

Das Europäische Parlament unterstützt die Petitionen von COPINH

Di., 23. Mai. 17, 11:20 Uhr

Am 7. Juni 2017 findet die vorherige Anhörung von fünf der acht Beschuldigten im Fall der Ermordung Berta Cáceres in Honduras statt. Anläßlich des Termins möchten wir darauf hinweisen, dass die Europaabgeordneten und Organisationen der europäischen und honduranischen Zivilgesellschaft die Petitionen ihrer Tochter Bertha Zúniga Cáceres (COPINH) auf der Suche nach Gerechtigkeit, untertützen.

Genug mit der Straflosigkeit. Gerechtigkeit für Berta!

Sa., 20. Mai. 17, 20:09 Uhr


Wann endet Missbrauch und Straflosigkeit der Generalstaatsanwaltschaft und der Justiz im Fall Berta Cáceres? So viel Macht haben die Auftraggeber des Verbrechens, dass sie offen das Justizsystem unterwerfen ohne dass etwas passiert?
Öffentliche Stellungnahme am 17.05.2017 Foto: COPINH






Das juristische Team der Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit (MADJ), Vertreter der Kinder und Mutter von Berta Cáceres, und der Zivile Rat der indigenen und Basisorganisationen Honduras (COPINH) informiert die nationale und internationale Öffentlichkeit und wiederholt ihre Forderung:
1.     Seit dem Verbrechen an Berta Cáceres und Gustavo Castro am 02. März 2016 sind wir Teil des untersuchenden und juristischen Prozesses als private Kläger. Das Anwaltsteam in Repräsentation der Opfer bat wiederholt und eifrig, Zugang zu den Untersuchungen des Verbrechens zu erhalten. Wir haben Informationen beigetragen und Aktionen beantragt, die gegen: die Auftraggeber [des Mordes], die beteiligten Unternehmen und die nationalen und internationalen Banken finanzieren, die das Wasserkraftprojekt, das in Verbindung mit den Drohungen, Einschüchterungen und dem Mord an Berta Cáceres steht, hierbei besonders das Unternehmen DESA, das Nutznießer der Konzession des Flusses Gualcarque ist.
2.    Die Generalstaatsanwaltschaft und die Gerichte der Republik verweigern bis zum heutigen Tag absichtlich und illegal den Zugang zu den grundlegenden Informationen über die Untersuchungen des Verbrechens. Seit die erste Anhörung am 6. Mai 2016 stattfand, und auf den nachfolgenden verschiedenen Terminen, beantragten wir, dass die Informationen, die sich auf die Gutachten der Güsse [z.B. Schuhabdrucke] und der Überwachung der Telefone, der Personen stützen, die mit dem Verbrechen in Verbindung stehen. Das Gericht, dem die Angelegenheit bekannt ist ordnete die Übergabe der Informationen an, jedoch wurde bis zum heutigen Tag die Information verweigert.
3.    Wir haben bei der Generalstaatsanwaltschaft u.a. beantragt, dass uns die Ergebnisse der durchgeführten Analysen der vorgefundenen Beweismittel der Hausdurchsuchungen und Durchsuchungen der Büros des Unternehmens DESA und der Wohnungen der Beschuldigten ausgehändigt werden. Wir haben auch die Generalstaatsanwaltschaft gebeten uns zu erklären, warum verschiedene Dokumente nicht beschlagnahmt wurden und andere Informationen, die innerhalb der Büros des besagten Unternehmens, das in Verbindung mit der Konzession des Flusses Gualcarque steht. Ebenso baten wir sie, uns zu erklären warum sie unser Recht auf Teilnahme bei den Durchsuchungen und die Rolle, die uns zusteht in dem Vorgehen einschränkt, obwohl wir uns in der Sache gemeldet haben. Bis zum heutigen Tag haben wir keine Antwort erhalten.
4.    Die einleitende Anhörung am 19. April 2017, bei der mehrere Beobachter von Menschenrechtsorganisationen und Repräsentanten des in Honduras akkreditieren diplomatischen Korps teilnahmen, wurde suspendiert, weil das selbige Gericht und auch die Generalstaatsanwaltschaft anerkannten, dass sie die Pflicht die Informationen an die Opfer zu übergeben, nicht eingehalten haben, so dass das Anwaltsteam die Anklage gegen die Beschuldigten unterstützen könne. Das Gericht stellte in Aussicht, dass am 28. April 2017 ihnen die Information ausgehändigt würde und dass am 24. Mai 2017 die vorherige Anhörung weiter geführt würde. Wir waren eifrig und boten ihnen die Kosten für den Zugang der Informationen an zu zahlen (Fotokopien, Überstellung der Instrumente und Ausstattung), trotz allem haben weder das Gericht, noch die Generalstaatsanwaltschaft bis zum heutigen Tag dies erfüllt. Es scheint, dass sie ihre Pflicht die Informationen zu übergeben nicht einhalten werden, weswegen wir diese Verzögerungstaktik, die noch mehr Straflosigkeit verursacht, öffentlich verurteilen.

5.     In diesem Zusammenhang des Missbrauchs und der institutionellen Straflosigkeit erfüllen wir unsere Pflicht zu informieren, dass wir gegenüber dieses Missbrauchs dieser Institution machtlos und erneut Opfer sind. Wir sind darüber hinaus noch weiter alarmiert über die enorme Macht, die diese ökonomisch-kriminellen Gruppen besitzen, die die Ermordung Berta Cáceres angeordnet haben. Es scheint nun, dass es keine fähige Kraft gibt, die diesen Pakt der institutionellen Straflosigkeit bricht, die die Auftraggeber des Verbrechens decken.

6.     Dessen ungeachtet bestätigen wir unser Engagement alle Instanzen auszuschöpfen, so dass die Verantwortlichen dieses Verbrechens nicht straflos bleiben. Wir verpflichten uns auch Gerechtigkeit gegen die Funktionäre zu fordern, die heute auf verschiedene Weise, durch Aktion oder Unterlassung danach streben die Straflosigkeit der kriminellen Struktur, die Berta Cáceres beauftragte zu ermorden.

Die nationale und internationale Gemeinschaft ersuchen wir um aktive Solidarität in der Forderung nach Gerechtigkeit gegenüber diesem Verbrechen.
Genug mit der Straflosigkeit. Gerechtigkeit für Berta!


Mai 2017

Basta de impunidad. Justicia para Berta ya!

Mi., 17. Mai. 17, 19:54 Uhr
¿Hasta cuándo terminará el abuso e impunidad del Ministerio Público y el Poder Judicial en la Causa Berta Cáceres? ¿Tanto poder tienen los autores intelectuales de este crimen que someten abiertamente al sistema de justicia sin que no pase nada?
El equipo legal del MADJ representante judicial de las hijas, hijo y madre de Berta Cáceres,  y el COPINH   El equipo legal del Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (MADJ),  representante judicial de las hijas, hijo y madre de Berta Cáceres,  y el  Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras (COPINH) a la opinión pública nacional e internacional informa y reitera su denuncia en torno a: 
1.          Desde que se ejecutó el crimen contra Berta Cáceres y Gustavo Castro, el 02 de marzo de 2016, somos parte en el proceso investigativo y judicial bajo la figura del acusador privado. El equipo de abogados que ostenta la representación de la víctimas ha pedido, reiterada y celosamente, acceso a la investigación sobre el crimen, hemos aportado información y se ha solicitado que se ejerzan acciones contra: autores intelectuales, empresas promotoras y la banca nacional e internacional que financia proyectos hidroeléctricos que han sido relacionados con amenazas, hostigamientos y el asesinato de Berta Cáceres, especialmente la empresa DESA que es beneficiaria de la concesión del Río Gualcarque.2.          El Ministerio Público y los tribunales de la república deliberada e ilegalmente, hasta la fecha, siguen negando el acceso a información básica sobre la investigación del crimen. Desde la primera audiencia inicial, desarrollada el 06 de mayo de 2016, y en las consecutivas de distintas fechas, solicitamos se pusiera a nuestra disposición la información en la que se sustenta el dictamen sobre vaciados e intervención a los teléfonos de las personas relacionadas con el crimen. El Tribunal que conoce la causa ordenó que se entregara la información, sin embargo, hasta la fecha, la información ha sido negada. 3.          Hemos solicitado al Ministerio Público, entre otras cosas, nos entregue los resultados de los análisis efectuados a las evidencias encontradas en los allanamientos y registros practicados a las oficinas de la empresa DESA y a la vivienda de varios de los imputados. También le pedimos al MP nos explicara por qué no se decomisaron varios documentos y mucha otra información que se encontraba dentro de las oficinas de la referida empresa relacionada con la concesión del río Gualcarque, de igual  nos explicaran por qué limitaron nuestro derecho a participar en los allanamientos  y ejercer rol que nos corresponde en esos actos, pese a que nos habíamos personado en la causa. Hasta la fecha, tampoco tenemos respuesta alguna.4.          La audiencia preliminar iniciada el 19 abril de 2017, la cual tuvo como observadores a varias organizaciones de derechos humanos y representantes del cuerpo diplomático acreditado en Honduras, fue suspendida porque el mismo tribunal que conoce la causa y el Ministerio Público reconocieron que habían incumplido con el deber de entregar información a las víctimas, para que a través de su equipo de abogados sostuvieran la acusación en contra de los imputados. El mismo juzgado dispuso que el 28 de abril de 2017 se entregaría la información y que el 24 de mayo continuaría la audiencia preliminar. Hemos sido diligentes en ofrecer pagar los costos para el acceso a esta información (fotocopias, traslado de instrumentos y equipo) , sin embargo, hasta la fecha, ni el Tribuna, l ni el Ministerio Público han cumplido y parecen determinados a no cumplir con su deber de entregar la información, por lo cual denunciamos estas tácticas dilatorias que generan más impunidad.5.          En este contexto de abuso y de impunidad institucional, cumplimos con nuestro deber de informar que nos reconocemos impotentes ante los abusos de esta institucionalidad, revictimizados y cada vez más alarmados del enorme poder que tienen los grupos económicos-criminales que ordenaron el asesinato  de Berta Cáceres.  Pareciera que, por ahora, no hay ninguna fuerza capaz de romper con el pacto de impunidad institucional que cobija a los autores intelectuales de este crimen.6.          No obstante, ratificamos nuestro compromiso de agotar todas las instancias para que los responsables de este crimen no queden impunes. También nos comprometemos a demandar justicia en contra de los funcionarios que hoy, de distintas maneras, por acción y por omisión, pretenden garantizar impunidad a la estructura criminal que mandó a asesinar a Berta Cáceres.A la comunidad nacional e internacional, solicitamos activa solidaridad en la demanda de justicia frente a este crimen. 
Basta de impunidad. Justicia para Berta ya.
Mayo de 2017

Straflosigkeit bei Journalistenmorden in Honduras

Fr., 12. Mai. 17, 21:36 Uhr
von Daniela Dreißig in amerika21
Unabhängige Medienschaffende sind zudem mit Drohungen, Entführungen von Angehörigen und restriktiven Gesetzen konfrontiert. Informationsrecht eingeschränkt

Tegucigalpa. Der Nationale Beauftragte für Menschenrechte in Honduras hat unlängst einen Bericht vorgelegt aus dem hervorgeht, dass 91 Prozent der 69 registrierten Morde an Journalistinnen und Journalisten seit 2001 bisher straflos geblieben sind.

Er bezieht sich ausschließlich auf die ermordeten Medienschaffenden, auf die Bedingungen, unter denen sie in Honduras arbeiten müssen, geht er jedoch nicht ein: Gewalttaten wie Mordversuche, Entführungen von Angehörigen, Todesdrohungen oder restriktive Gesetzgebungen sind in dem Bericht vom 2. Mai nicht erwähnt. Diese führten zu einer automatischen Selbstzensur der Journalisten, so Félix Molina, auf den im Mai 2016 zwei Attentate verübt wurden. Er überlebte verletzt und wohnt heute in einem anderen Land. Gegenüber amerika21 erklärte Molina, dass die ermordeten Journalisten unter anderem über Korruption, organisierte Kriminalität, Landkonflikte, den Schutz der indigenen Territorien vor Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und über den Machtmissbrauch durch Polizei und Militär berichten. Auch in seinem Fall seien die Attentate Folge seiner kontinuierlichen Berichterstattung nach der Ermordung der indigenen Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. So habe er auf die Mörder und Auftraggeber hingewiesen. Weder die Staatsanwaltschaft noch andere ermittelnde Behörden hätten auf sein Ersuchen zu den Ermittlungen in seinem Fall Auskunft gegeben, noch Kontakt mit ihm aufgenommen.

Die unabhängige Journalistin Dina Meza im Gespräch
mit Medienvertretern Quelle: PBI Honduras Dina Meza, eine unabhängige Journalistin, die wiederholt Todesdrohungen erhält, äußert im Gespräch mit amerika21: "Präsident Hernández möchte, dass alle Journalisten sich an seinem offiziellen Diskurs orientieren." Dies bedeute eine Berichterstattung über eine gesunkene Mordrate, ein effektives Vorgehen gegen das organisierte Verbrechen und dass der Präsident vor allem den Armen helfe. Die Journalisten, die sich nicht daran hielten, würden als "schlecht" deklariert, sie würden das Land in Brand setzen, seien gegen Entwicklung und verhinderten ausländische Investitionen. "All dies schafft ein Klima der Stigmatisierung, in dem Hass gegen uns geschürt wird." Ein weiteres Problem sei die Verwehrung von Informationen des öffentlichen Interesses. Im Jahr 2015 wurden 18 staatliche Stellen angewiesen, keine Auskünfte mehr an Journalisten zu erteilen. Diesen Entschluss habe der Präsident mit dem Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsrat getroffen, die Gesetze über Transparenz und Zugang zu öffentlichen Informationen wurden damit enorm einschränkt, so Meza.

Mit der Reform des Strafgesetzbuches ist ein weiterer Artikel aufgenommen worden, der die Ausübung journalistischer Arbeit erschwert und dieser Berufsgruppe mit Bestrafungen droht. Im Februar 2017 wurde unter anderem der Artikel 335 verabschiedet, der diejenigen unter Strafe stellt, "die öffentlich oder in den Medien den Straftatbestand des Terrorismus verteidigen oder dazu aufrufen." Die Interamerikanische Menschenrechtskommission, deren Berichterstatter für Pressefreiheit und das UN-Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte in Honduras haben in einem gemeinsamen Kommuniqué ihre Sorge über die Zweideutigkeit dieses Artikels und die unzureichende Definition des Begriffes Terrorismus ausgedrückt. Diese lasse einen großen Interpretationsspielraum, führe zu unangemessener Strafverfolgung und könne soziale Bewegungen und die Arbeit von Menschenrechtsverteidigern unter Strafe stellen.

Die deutsche Bundesregierung dürfte diese Reform auch interessieren: Im Rahmen der Überprüfung der Menschenrechte in Honduras vor dem Menschenrechtsrat in Genf im Mai 2015 hatte sie darauf verwiesen und ihre "Besorgnis" über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen, speziell des Rechtes auf Leben und die weitverbreitete Straflosigkeit ausgedrückt.

La Voz del Gualcarque, 1 Jahr und 2 Monate seit dem Mord an Berta Cáceres

Di., 2. Mai. 17, 22:06 Uhr


 Documental-Web LA VOZ DEL GUALCARQUE  http://ocotefilms.wixsite.com/lavozdelgualcarque
Heute am 2. Mai 2017 sind ein Jahr und zwei Monate vergangen seit dem Berta Cáceres, Verteidigerin der Rechte der Indigenen, der Lenca in Honduras ermordet wurde.
OCOTE FILMS und die Menschenrechtskette Honduras (CADEHO) gedenken an ihr Vermächtnis und veröffentlichen den Blog zum Dokumentarfilm „La Voz del Gualcarque“, ein Bericht, der einen von vielen Kämpfen zeigt, an denen Berta Cáceres, als Koordinatorin des Zivilen Rates der Basis- und indigenen Organisationen Honduras (COPINH) teilgenommen hat. Der Widerstand der Lenca-Gemeinden gegen den Bau des Wasserkraftwerkes Agua Zarca.
Ein Kampf, der ihr Leben kostete. Die Verantwortlichen, die den Mord verübt haben, stehen direkt mit dem Unternehmen Desarrollos Energéticos S.A. (DESA) in Verbindung, das Unternehmen, das das Wasserkraftwerk baut und dessen Geschäfte führt. Der ehemalige Sicherheitschef von DESA, ehemalige Militärangehörige und Auftragsmörder sind derzeit in Haft und werden des Mordes verdächtigt. Bis zum heutigen Tag sind die Auftraggeber des Mordes straffrei.
Wir hegen keine Hoffnung auf juristische Garantien von Seiten des honduranischen Staates. Wie COPINH und viele nationale und internationale Organisationen fordern wir eine unabhängige Untersuchung des Falles.
Gleichzeitig möchten wir an die Verantwortung der europäischen Entwicklungsbanken wie FINNFUND (Finnische Entwicklungsbank) FMO (Niederländische Entwicklungsbank) und das Unternehmen Siemens – Voith Hydro erinnern. Seitdem die Anzeigen wegen Illegalität und Illegitimität des Projektes bekannt wurden, wurden sie direkt über die systematischen Menschenrechtsverletzungen, die das Projekt verursacht informiert, über den Mord an Tomás García und verschiedenen Indigenen der angrenzenden Gemeinden. Der Bau des Projektes wird weiter geführt und die Gemeinden leiden weiterhin unter den Auswirkungen.
Seitdem Mord an der indigenen Koordinatorin und durch die enorme internationale Resonanz, haben die beteiligten europäischen Banken und Unternehmen diverse Kommuniqués verfasst, in denen sie sich von den Geschehnissen distanzierten bis hin zu Versprechen über einen „verantwortungsvollen Ausstieg aus dem Projekt“ (FMO März 2016).
Heute sind diese europäischen Institutionen immer noch dabei ohne eine überzeugende Reaktion zu zeigen. Was erwarten sie? – Vielleicht das mit der Zeit `Gras über die Sache wächst`? – und ihre Mitverantwortung in Vergessenheit gerät?
Seit 2010 widerstehen die in  COPINH organisierten Lenca-Gemeinden in Rio Blanco, trotz gravierender Repression, Einschüchterung, Diffamierung und Morde, dem Bau des Projektes Agua Zarca. Sie widerstehen mit gleicher Entschlossenheit ihr Land, ihre Territorien zu verteidigen so wie sie damals begannen.
Ein Jahr und zwei Monate seit der Ermordung von Berta.
CADEHO und OCOTE FILMS fordern Gerechtigkeit und die sofortige Schließung des Wasserkraftwerkes Agua Zarca!!!
Berta Vive!! Berta Lebt!!
La lucha sigue!! Der Kampf geht weiter!!


2. Mai 2017

EIN LIBERALER REFORMER UND EIN „FORTSCHRITTLICHER“ GENERAL - Wenig bekannte Aspekte der honduranischen Geschichte

Fr., 28. Apr. 17, 9:42 Uhr


Alison Acker ist eine „wütende Großmutter“ aus dem kanadischen Victoria. Als sie noch jünger war, hat sie 1988 ein Büchlein mit dem Titel „Honduras – das Entstehen einer Bananenrepublik“ veröffentlicht. Es ist auch nach fast 30 Jahren lesenswert, führt es uns doch von Kolumbus bis in die Neuzeit der zivilen Regierungen, die 1982 begann. Versteckt in dieser nicht enden wollenden Abfolge von Präsidenten von der Nationalen Partei (Partido Nacional de Honduras, PNH) oder der Liberalen Partei (Partido Liberal de Honduras, PLH), gab es in den 1970er Jahren einen liberalen Reformer und einen „fortschrittlichen“ General. Sie stehen im Mittelpunkt dieses Beitrages, eingerahmt von Ausschnitten aus der Vorgeschichte und der Zeit danach.
Von Eduard Fritsch, erschienen in ILA, Februar 2017, Ed. 402Honduras hätte eine bescheidene zentralamerikanische Erfolgsgeschichte werden können. Es hatte die richtige Lage für den Handel. Es hatte Ressourcen und verglichen mit seinen Nachbarn war es bis zu einem gewissen Grad demokratisch und ruhig. Stattdessen wurde es eine Nation von Bettlern, ein Fass ohne Boden für ausländische Hilfe, ein Land, das zu vermieten war.“ Mit diesen Worten beginnt Alison Acker ihre Geschichte. (1) Der Dramatiker Eugene O’Neill ging 1910 auf Goldsuche nach Honduras. Er bekam Malaria. Einer Biographie zufolge soll er nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten gesagt haben: „Nachdem ich überall in diesem Land war, glaube ich fest daran, dass Gott, nachdem er Honduras erschaffen hatte, eine Vorstellung von der Hölle bekam.“ Um diese Zeit hatte Minor Cooper Keith bereits die Bananen entdeckt. „Er konzentrierte sein Kapital und seine Märkte, und gründete mit zusätzlichen Mitteln von der Morgan-Bank die United Fruit Company (UFCO)“, aus der 1970 die United Brands Company und 1984 Chiquita Brands International wurde. Einen ersten honduranischen Präsidenten kürte UFCO bereits 1903, Manuel Bonilla von der PNH, der eine von seinem liberalen Vorgänger erlassene Bananensteuer wieder abschaffte. Ramón Amaya Amador, der selbst in den Plantagen der United Fruit gearbeitet hatte, beschreibt in seinem Roman ‚Prisión Verde‘ (Grünes Gefängnis, 1950), wie die Fruchtkonzerne an das Land für ihre Plantagen kamen: „Schau mal, sagte der Rechtsanwalt, wenn Du Dein Land an die Gesellschaft verkaufst, hast Du nicht nur einen persönlichen Gewinn, sondern Du dienst damit auch unserem Vaterland.“ Neben Minor Keith kamen noch andere Geschäftsleute mit Rockefeller-Potential aus dem Norden - zwei davon mit „Migrationshintergrund“. Die Vaccaro-Brüder hatten sizilianische Vorfahren, operierten ebenfalls in ganz Mittelamerika wurden alsStandard Fruit Company bekannt. Castle & Cooke stiegen ein, kreierten die Marke DOLE, die 1973 führend auf dem US-Markt wurde und 1978 auf den europäischen Markt kam. Samuel Zemurray, ein jüdisch-russischer Einwanderer, begann als Teenager in New Orleans, wo Standard Fruit Bananen aus Mittelamerika anlandete, mit einem eigenen Bananen-Geschäft. Im Jahr 1911 kaufte er in Honduras eine Eisenbahnkonzession unweit des Hafens von Tela. Eisenbahnen und Häfen waren unentbehrlich im Bananenhandel, mit entsprechenden Konzessionen der Liberalen oder Nationalen Präsidenten bekamen die Keith, Vaccaros und Zemurrays das Land dazu. 
Foto: HondurasDelegationSam „der Bananenmann“ Zemurray verstand es wie kein anderer, aus Honduras eine Bananenrepublik zu machen. „Sam Zemurray war ein Boss neuen Stils. Mit dem Einsatz von Bewässerung erzielte seine Cuyamel Company größere und bessere Bananen. Aber er brauchte seine eigenen Konzessionen, ein Problem, das er auf seine dreiste Art löste: einen Staatsstreich gegen den Liberalen Präsidenten Miguel Dávila.“ Zemurray kaufte sich Ex-Präsident Bonilla, stattete ihn mit einem alten Kanonenboot und einem Haufen Söldner aus und ließ ihn Dávila stürzen. Kurz vor dem Börsenkrach verkaufte er 1929 sein kleines Imperium, das er 1911 mit fünf Millionen US-Dollar angefangen hatte, für 29 Millionen an die UFCO. Im Jahr 1933 kam er zurück. Er tauchte im Verwaltungsrat der UFCO auf, deren Großaktionär er durch den Verkauf geworden war, und verließ die Versammlung als neuer Präsident des Konzerns, der in Mittelamerika allgegenwärtig werden sollte. In Honduras stand der Langzeitdiktator Tiburcio Carías Andino (von 1932 bis 1948) auf seiner Gehaltsliste. Er begann als Koch bei einer Liberalen Guerilla, wurde später Nationalist, stellte Milizen auf, und hatte die Faustregel „einkreisen, vernichten und beerdigen“. Zemurray unterstützte Somozas Nicaragua im Grenzstreit mit Honduras. Und als in Guatemala die Regierung von Jacobo Árbenz 1954 eine Agrarreform einleitete, ließ die CIA über UFCO-Plantagen in Honduras Söldner in Guatemala einmarschieren, um den Präsidenten zu stürzen.
Drei der unzähligen Präsidenten von Honduras haben wir bis hierher kennengelernt. Zwischen der Unabhängigkeit von Honduras als Republik im Jahr 1824 und 1933, als die Diktatur Carías begann, hatte das Land 117 Präsidenten, darunter Francisco Morazán, den Visionär der Vereinigten Provinzen Zentralamerikas. Die beiden Parteien, die bis heute Honduras prägen (die blauen Konservativen, die Nationale Partei, und die roten Liberalen) haben gleichermaßen eine Tradition von Vetternwirtschaft. Beide haben sich immer wieder gespalten und sind stramm antikommunistisch, weshalb man mit dem Kommunismus-Vorwurf einen sich fortschrittliche gebärdenden Präsidenten wie den Viehbaron Mel Zelaya leicht zu Fall bringen kann. Die PNH vertritt traditionell die Großgrundbesitzer und Campesinos, eine Mischung aus Tagelöhnern und Subsistenzbauern. ProtestanInnen und DemokratInnen mochten sie nicht. Die Liberalen hatten etwas gegen die katholische Kirche und vertreten den klassischen Wirtschaftsliberalismus. Nachdem Carías der „guten Nachbarschafts“-Politik der Vereinigten Staaten zu peinlich wurde, ließen sie ihn vom Militär entfernen. Es begann die Zeit der Militärdiktaturen, in der die Streitkräfte zu einer eigenständigen politischen Kraft wurden. „Ironischerweise war ein Militärherrscher manchmal aufgeklärter als ein ziviler Präsident, und ein Präsident, von dem sich niemand etwas versprach, wurde der fähigste. So ließ Manuel Gálvez, den Carías noch handverlesen hatte, 1949 politische Gefangene frei, lud Exilierte ein zurückzukommen, beendete die offene Repression gegen die Arbeiterbewegung und begann mit Infrastrukturmaßnahmen für eine moderne Wirtschaft.“ Im letzten Amtsjahr von Gálvez, zur Zeit der US-Intervention gegen Árbenz in Guatemala, kam es zum großen Bananenstreik. Es begann damit, dass die UFCO sich weigerte, am Ostersonntag Überstundenzuschläge zu bezahlen. Der Streik erfasste schnell die Häfen von Puerto Cortés und Tela und die Plantagen im Landesinneren. Am 5. Mai 1954 wurde bei der UFCO und bei Standard Fruit gestreikt. Am 13. Mai schlossen sich die Arbeiterinnen des Bergbauunternehmens Rosario Mining, der nationalen Bierbrauerei und von British American Tobacco an. Zusammen mit ihren UnterstützerInnen sollen 50 000 Menschen in Bewegung geraten sein. Aber bereits am 19. Mai brachen die ArbeiterInnen bei Standard Fruit ab, nachdem vier Mitglieder des zentralen Streikkomitees verhaftet worden waren. Am 6. Juli beschloss ein gelbes Komitee mit United das Streikende.
Dole und der Hafen in Bahia de Trujillo, Foto: HondurasDelegation






In der Parteipolitik waren 1957 mit der Wahl Ramón Villeda Morales die Liberalen an der Reihe. Er hatte an der Nationaluniversität Medizin studiert und dort eine Zeitung und einen Verband der Studierenden gegründet. Mit einem Stipendium machte er von 1937 bis 1939 ein Facharztstudium an der Humboldt-Universität in Berlin. Seine Praxis in Tegucigalpa wurde später stadtbekannt, und so konnte es nicht ausbleiben, dass er zum Präsidenten der Ärztekammer gewählt wurde. Aus der Liberalen Partei, in der er 1948 aktiv wurde, machte Villeda eine der fortschrittlichsten Parteien Mittelamerikas. Er gründete die Tageszeitung „El Pueblo“ (Das Volk) und gab seiner Partei ein Grundsatzprogramm. Seine Reden beendete er mit der Aufforderung „Allzeit nach vorne, kein Schritt zurück!“ Als er zum Kandidaten der PLH gewählt wurde, sollen ihm im August 1957 in San Pedro Sula, der zweitgrößten Stadt des Landes, laut der Tageszeitung „La Tribuna“ 100 000 Menschen zugejubelt haben. Ebenso bei Amtsantritt im Dezember. Unter Villedas Regierung wurde 1961 das Agrarreforminstitut INA gegründet, im Jahr darauf das Agrarreformgesetz verabschiedet, mit dem die Agrarstruktur grundlegend zugunsten bäuerlicher Betriebe verändert werden sollten. „Nach der kubanischen Revolution drängte die Kennedy-Regierung auf Reformen, insbesondere eine Agrarreform, um weitere Revolutionen zu verhindern. Villeda Morales fand sein eigenes Konzept einer Reform, passgenau zu Kennedys Allianz für den Fortschritt, denn das Recht auf Eigentum sollte respektiert und der Kommunismus bekämpft werden. Aber die Bananenkonzerne und die Großgrundbesitzer hatten kein Verständnis für vorsichtige Reformen. Bei einem geheimen Treffen mit hochrangigen Offizieren, Managern der UFCO und dem US-Botschafter soll es darum gegangen sein, Villeda Morales davon abzuhalten, denselben Weg wie Árbenz in Guatemala einzuschlagen. Der Präsident beruhigte die Konzerne mit Landkonzessionen, während er gleichzeitig den Campesinos Land gab. Sie hielten es für ihr gutes Recht, Land zu besetzen, weil viele von den Bananenmultis vertrieben oder entlassen worden waren.“ Ein Jahr nach Beginn der Agrarreform stürzte Oberst Oswaldo López Arellano am 3. Oktober 1963 den wiedergewählten Präsidenten Ramón Villeda Morales. Oberst López Arellano war Karriere-Offizier. Nach dem Putsch gegen Villeda regierte er de facto, bis er sich 1965 mit gefälschten Wahlen zum verfassungsmäßigen Präsidenten machen ließ, um anschließend bis Juni 1971 sechs Jahre durchzuregieren. „Seine populistische Militärregierung machte Reformen, ohne mit der Rechten in offene Konfrontation zu treten. Mit seinen Agrarreformen reagierte López Arrelano auf die anschwellende Campesino-Bewegung, erlaubte es aber gleichzeitig den Großgrundbesitzern, ihre Güter innerhalb der Familie aufzuteilen, so dass sie einer Enteignung entgingen. Die Großgrundbesitzer formierten sich 1966 zur FENAGH, dem Verband der Viehbarone und Farmer, der anfing gegen salvadorianische Siedler zu hetzen“, bis es zum 100-Stunden-Krieg von 1969 kam: „Das INA fand es einfacher, salvadorianische Siedler zu vertreiben, als brachliegendes Land der Großgrundbesitzer zu enteignen. Im April 1969 stellte die Regierung den Salvadorianern ein Ultimatum von 30 Tagen, woraufhin 11 000 von ihnen das Land verließen.“
Im Juli bot ein Qualifikationsspiel zwischen Honduras und El Salvador der Diktatur des Oberst Fidel Sánchez Hernández in El Salvador den nichtigen Anlass, den in der Luft liegenden Krieg gegen das Nachbarland loszubrechen. Die Folgen waren katastrophal: 4 000 bis 6 000 zivile Tote, 60 000 bis 130 000 SalvadorianerInnen wurden aus Honduras vertrieben, der Gemeinsame Mittelamerikanische Markt brach zusammen, in beiden Ländern wurde die politische Rolle der Streitkräfte gestärkt. In Honduras „gelang es López Arellano nicht, den hartleibigen Teil des Militärs zu besänftigen. Im Zusammenhang mit einem Bestechungsversuch der United Brands, der als 'Bananagate' in die Geschichte der Bananenrepublik einging, wurde López Arellano Korruption vorgeworfen und er musste zurücktreten. Gewonnen haben am Ende wieder die Bananenkonzerne, denn der neue Präsident, General Juan Alberto Melgar Castro von der Nationalpartei, stoppte 1975 die Forderung nach einer Bananen-Exportsteuer von einem US-Dollar für jeden Karton von ca. 23 kg.“ Im selben Jahr taucht General Melgar Castros Namen in einem anderen Zusammenhang auf. „Die Campesinos waren bemerkenswert diszipliniert geworden. Vor einer Landbesetzung erkundeten sie den legal Status des Grundstückes und avisierten das INA.“ Die Großgrundbesitzer waren nicht so geduldig. Bei einem Angriff der FENAGH wurden 14 AktivistInnen der Nationalen Campesino-Union UNC, darunter zwei Priester und zwei Zeuginnen des Verbrechens, auf dem Landgut Los Horcones des reichen Holzhändlers José Manuel Zelaya im Departement Olancho, dem wilden Osten von Honduras, ermordet. Sein ältester Sohn, José Manuel ‚Mel‘ Zelaya Rosales, war zur Zeit des Massakers 23 Jahre alt. Ein halbes Jahr später heiratete er Xiomara Castro, die Tochter des Präsidenten. Die beteiligten Armeeoffiziere wurden zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, Vater Zelaya nach vier Jahren von Melgar Castro begnadigt. Der ließ für kurze Zeit die Landverteilung beschleunigen. Knapp 25 000 Hektar von Großgrundbesitzern und über 11 000 der UFCO wurden enteignet, dann fiel die Agrarreform wieder ins Schneckentempo zurück.
In El Salvador und Guatemala herrschte Krieg und in Nicaragua regierten die SandinistInnen. Die Reagan-Regierung fand es an der Zeit, Honduras umzubauen. Sie machte sich daran, formale Wahlen als einzige Voraussetzung für Demokratie zu verkaufen. So wurde der Liberale Roberto Suazo Córdova im Januar 1982 Präsident. Eine gute Wahl: In seiner gesamten Amtszeit wurden um die 16 000 Hektar an Landlose verteilt, während es Oberst López Arellano auf über 700 000 Hektar gebracht hatte. Eine aus honduranisch-militärischer Sicht ebenfalls gute Wahl traf der Generalstab, als er 1982 Oberst Gustavo Álvarez Martínez zu seinem Chef machte: „Im Jahr 1977 rief Standard Fruit das 4. Infanteriebataillon aus La Ceiba, um die Büros der Isletas-Genossenschaft zu stürmen. Las Isletas war von 900 GenossInnen auf Land gegründet worden, das von Standardenteignet worden war.“ Als sie nicht mehr über Standard verkaufen wollten, arrangierte der Konzern eine außerordentliche Vollversammlung, um eine neue Leitung wählen zu lassen, und schickte besagte Infanteristen unter dem Kommando von Oberst Álvarez, der auf StandardsGehaltsliste stand. Er ließ die gesamte Führung für zwei Jahre ins Gefängnis stecken. Die neue Führung machte einen langfristigen Exportvertrag mit Standard zu Preisen, die weit unter dem Angebot der Union Bananen exportierender Länder (UPEB) lagen. Im Jahr 1981 war die Kooperative am Ende und das INA übernahm das Land. Im Jahr 1979 war Álvarez bereits Chef der dem Verteidigungsministerium unterstellten Öffentlichen Sicherheitskräfte (FUSEP) und 1980 dann Chef der Geheimpolizei DNI geworden – die Morde, das Verschwindenlassen und die Folter begannen. „Álvarez war davon überzeugt, einen heiligen Krieg zu führen. Er stellte fest: ‚Es gibt nur zwei Arten von Politiker – Kommunisten und andere. Alles, was ihr macht, um die marxistischen Regime zu zerstören, ist moralisch.´“ Álvarez´ Freundschaft mit dem Liberalen Kandidaten Suazo Córdova erwies sich zu beiderseitigem Nutzen. Suazo machte Oberst Álvarez zum Generalstabschef, zum Brigadegeneral und nach gewonnen Wahlen zum Verteidigungsminister. Zwei Monate, bevor er seine neuen Ämter übernahm, kam der Mann, der in Wirklichkeit die Geschicke von Honduras zu lenken hatte, an: US-Botschafter John Dimitri Negroponte. Für die nächsten beiden Jahre übernahmen Negroponte und Álvarez die Geschäfte in Honduras, das alsbald über 30 Millionen US-Dollar Militärhilfe bekam. Massive US-Manöver begannen, und die Landkarte von Honduras wurde neu gezeichnet, indem die US-Nationalgarde Straßen und Landepisten für die US-Intervention baute.
Im Mai 1983 landeten US-Truppen in Puerto Castillo, um das regionale Trainingszentrum CREM für die salvadorianischen Kameraden zu bauen. Das Fass lief über, als Álvarez das Oberkommando der Streitkräfte von 45 auf 21 Mitglieder verringerte. Die Kleinigkeit von einer Million US-Dollar für Waffenkäufe, die in der Kasse fehlten, war auch noch im Spiel. Negroponte hörte als erster von den Putsch-Plänen und hatte keine Einwände. Am 31.März 1984 wurde Álvarez in San Pedro gefangen genommen und mit einem bereitstehenden Jet nach Costa Rica gebracht.“ (Offenbar beliebt als Ablageplatz für unliebsam gewordene Persönlichkeiten. A.d.Ü.) Vor seiner Abschiebung hatte Álvarez aber noch genügend Zeit, um AktivistInnen der Gewerkschafts-, Bauern- und Menschenrechtsbewegungen und Linke verhaften und für „Subversive“ das militärische Todesschwadron „Bataillon 3-16“ aufbauen zu lassen.Álvarez' Nachfolger, Luftwaffengeneral Walter López Reyes, sagte 1978 im Ruhestand dem Nachrichtensender CBS: „Es war für uns zu gefährlich, der Sache auf den Grund zu gehen, denn wer herausgefunden hätte, wer all diese Leute umbrachte, hätte selbst ermordet werden können.“ Der explizit rechte Unternehmerverein „Vereinigung für den Fortschritt in Honduras“ (APROH), dessen Präsident General Álvarez ebenfalls gewesen war, empfahl angesichts der galoppierenden Wirtschaftskrise, in die Honduras geraten war, aus Honduras ein zweites Taiwan oder Hongkong zu machen. Acker kommt gegen Schluss ihrer Geschichte zu dem Fazit: „Die Kriegssituation machte die Investoren nervös. Sie befürchteten, dass aus Honduras kein Hongkong wird, sondern eher ein neues Vietnam.“ Und: „Im Mai 1987 besetzten an die 100 000 Bauern und Bäuerinnen annähernd 15 000 Hektar Land im Nordwesten von Honduras – die vielleicht größte Welle von Landbesetzungen in der Geschichte des Landes. Das INA war gezwungen, die Landforderungen zu bearbeiten, aber die Sicherheitspolizei der FUSEP verhafteten nach dem von General Álvarez vorangetriebenen Antiterrorismus-Gesetz 450 der BesetzerInnen. Mindestens drei Bauern starben in den Auseinandersetzungen mit der Polizei und den Killern der FENAGH.“ Ex-General Gustavo Álvarez Martínez war zu diesem Zeitpunkt als Sektenprediger in Miami. 1988 kehrte er nach Honduras zurück, wo ihn im Januar 1989 ein Kommando der „Volksbewegung für die Befreiung Cinchoneros“, eine von der honduranischen Kommunistischen Partei abgespaltene Guerilla, erschoss.
Da sich die honduranischen Streitkräfte unter der Ägide Washingtons konsequent zum Staat im Staat entwickelten, in dem einem zivilen Präsidenten oder wahlweise einem ebensolchen Parlamentspräsidenten das letzte Wort gelassen wird (wie zuletzt geschehen beim Sturz von Mel Zelaya), ist die Wahrscheinlichkeit, dass aus ihren Reihen ein neuer López Arellano kommt, gering. Der reformistische Anlauf eines Villeda Morales ist hingegen noch zweimal in der späteren Geschichte wiederholt worden: einmal von einem studentenbewegten Juristen, der unter anderem Mitglied des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag war, Carlos Roberto Reina Indiáquez (Liberaler Präsident von 1994 bis 1998). Und einmal von dem Viehbaron José Manuel „Mel“ Zelaya Rosales, der 1976 sein Ingenieurstudium abbrach, weil er die Familien-Ranch übernehmen musste, als sein Vater wegen des Massakers von Los Horcones ins Gefängnis kam. Sohn Mel wurde bekanntlich 2006 Präsident der Republik. Ende 2017 stehen in Honduras wieder Präsidentschafts-, Parlaments- und Gemeinderatswahlen an. Der derzeitige Präsident Juan Orlando Hernández, aber auch Mel liebäugeln bereits mit einer zweiten Amtszeit. Angesichts dieses Amtszeit-Fetischismus hat Ende 2016 eine Gaby auf Facebook gewarnt: „Streitkräfte, das Volk vertraut auf Sie, die darauf warten, den Präsidenten aus seinem Palast zu holen, wenn er die Verfassung der Republik verletzt. Machen Sie dasselbe, was Sie mit dem Herrn Manuel Zelaya gemacht haben.“ Das kann ja heiter werden. 1) Im Folgenden stammen alle Zitate aus ihrem Buch. Alison Acker, Honduras: The making of a Banana Republic, Toronto, 1988

Verfassung zählt nicht

So., 16. Apr. 17, 15:20 Uhr

von Rita Trautmann, erschienen in E+Z, April 2017 
Wiederwahl ist in Honduras ein Unwort. Juan Orlando Hernández nimmt es trotzdem in den Mund. Seine Wiederwahl im November wäre verfassungswidrig – doch das stört den Präsidenten nicht. Die Demokratie in Honduras könnte dann endgültig begraben werden. 
Nach den düsteren Erfahrungen der Militärdiktaturen gab sich Honduras 1982 eine Verfassung, die die Wiederwahl des Staatspräsidenten unabänderlich verbot. Die übrige Verfassung wurde jedoch nicht an die neuen Gegebenheiten angepasst. Dementsprechend gibt es viel Reformbedarf. 
Als der linke Präsident Manuel Zelaya 2009 eine Volksbefragung machen wollte, ob bei der Präsidentschaftswahl 2009 gleichzeitig über die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung abgestimmt werden sollte, läuteten bei den Eliten die Alarmglocken. Sie unterstellten ihm, eine Wiederwahl anzustreben. Das diente als Vorwand, um den der Oligarchie unbequemen Präsidenten wegzuputschen. 
Seitdem regiert die Nationale Partei mit harter Hand und leistete sich 2012 einen weiteren Verfassungsbruch: Der Kongress setzte vier der fünf Verfassungsrichter ab, weil diese ein Urteil gegen eine Kongressentscheidung gefällt hatten. Die Verfassung zählt also wenig, und so verwundert es nicht, dass Juan Orlando Hernández das Tabu der Wiederwahl ganz offensiv angeht. Mit juristischen Spitzfindigkeiten hebelt die Regierungspartei den entsprechenden Verfassungsartikel 239 aus. 
Darf über Wiederwahl gesprochen werden? Macht sich ein Präsident strafbar, wenn er für die Wiederwahl eintritt? Und ist ein Verbot der Wiederwahl überhaupt verfassungskonform? Mit diesen Fragen mussten sich die Verfassungsrichter auseinandersetzen. Das Gericht urteilte im April 2015 ganz im Sinne der Machthaber, dass Artikel 239 die internationalen Menschenrechtsnormen verletze. Dieses Urteil ist paradox und unterhöhlt die Demokratie auf schlimmste Weise. 
Die Verfassung ist das oberste Gesetz eines demokratischen Staates, und seine Einhaltung unterliegt dem Verfassungsgericht. Das Verfassungsgericht stufte in dem Urteil einen Artikel der Verfassung als verfassungswidrig ein. Wenn die Instanz, die für die Einhaltung der Verfassung verantwortlich ist, diese selbst anzweifelt, auf wessen Urteil ist dann Verlass? Zudem geht es um die wichtigste Säule der Demokratie: die Unabhängigkeit von Judikative, Legislative und Exekutive. In Hernández‘ Amtszeit zeigte sich deutlicher denn je, dass Gewaltenteilung in Honduras nicht existiert. Gewinnt er die nächsten Wahlen, ist der Weg frei für eine Autokratie.
Das Drama um die Wiederwahl wirkt vor dem Hintergrund des Putsches von 2009 geradezu lächerlich. Dieser wurde damit gerechtfertigt, dass eine Wiederwahl Zelayas als Präsident verfassungswidrig sei. Nun zeigt sich, dass es nicht um die Wiederwahl per se geht, sondern darum, wer sie anstrebt. Im Gegensatz zu Zelaya hat Hernández die wahren Machthaber hinter sich. In seiner Zeit als Kongresspräsident hat er das Militär gestärkt und Gesetze verabschiedet, die die Oligarchie weiterhin bevorteilen. 
Ausgerechnet Hernández argumentiert nun, er brauche mehr Zeit, um nötige Veränderungen im Land voranzutreiben. Dabei fällt die Bilanz seiner Regierung verheerend aus. In einem Korruptionsskandal von bisher ungekanntem Ausmaß entzog seine Partei dem Sozialversicherungsinstitut für ihren Wahlkampf 350 Millionen Dollar. Das führte zu einer enormen Krise in staatlichen Krankenhäusern und verursachte durch Medikamentennotstand den Tod von mehr als 3 000 Menschen. 
Auch die Menschenrechtslage ist verheerend. Nirgends auf der Welt werden so viele Umweltaktivisten ermordet wie in Honduras. Auch Anwälte leben höchst gefährlich, und bei der Pressefreiheit liegt das Land auf Platz 137 von 180. Gewalt, fehlende Sicherheit und zunehmende Militarisierung behindern die demokratische Entwicklung. Der Kampf gegen Drogen wird auf Druck der USA geführt – führt aber enge Verbindungen von Regierung, Polizei und Militär mit dem Drogenhandel zutage. 
Die Rechtsmittel, um eine Wiederwahl Hernández‘ zu verhindern, sind ausgeschöpft. Einzig ein breiter Widerstand in Honduras oder die USA könnten ihn noch stoppen, doch Präsident Donald Trump scheint kein Interesse daran zu haben. Honduras braucht einen verbindlichen Rechtsstaat, Gewaltenteilung und ein funktionierendes Mehrparteiensystem. Damit könnte das Land nicht nur Demokratie erreichen, sondern auch Armut, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen überwinden.


Zwei Mordverdächtige waren Geheimdienstoffiziere. Training in berüchtigter Schule der US-Streitkräfte in Fort Benning

Di., 21. Mär. 17, 13:37 Uhr
Zwei Mordverdächtige waren Geheimdienstoffiziere. Training in berüchtigter Schule der US-Streitkräfte in Fort Benning


Von Fernando Vicente Prieto / Übersetzung: Nina Hilgenböcker erschienen in: amerika21 
Protest nach dem Mord von Berta Cáceres in Honduras
Quelle: cidh Lizenz: CC by 2.0 Ein Jahr nach dem Verbrechen an der honduranischen Aktivistin Berta Cáceres haben 1 Nachforschungern ergeben, dass zwei der für den Mord festgenommenen Personen Offiziere des Geheimdienstes waren. Sie wurden in der School of the Americas in Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia, ausgebildet.

Grundlage dieser Information sind Aufzeichnungen der honduranischen Streitkräfte und juristische Dokumente, zu denen die Journalistin Nina Lakhani Zugang hatte. Sie veröffentlichte am Dienstag, den 28. Februar einen Artikel in der britischen Tageszeitung The Guardian.

Diesen Quellen zufolge wurden der Major Mariano Díaz Chávez und der ehemalige Leutnant Douglas Giovanny Bustillo 1997 in der School of the Americas ausgebildet, die traurige Berühmtheit erlangte. Hier wurden jahrzehntelang lateinamerikanische Militärs im Gebiet des Panamakanals trainiert, seit 1984 ist sie im Fort Benning in Georgia stationiert und trägt heute den Namen Western Hemisphere Institute for Security Cooperation.

Darüber hinaus wurde Díaz 2005 in der Inter-American Air Forces Academy (IAAFA) ausgebildet. Die IAAFA war bis 1989 in Panama stationiert, später dann in der Homestead Air Reserve Base in Florida, bis diese durch den Hurrikan Andrés zerstört wurde, und schließlich seit Anfang 1993 in der Lackland Air Force Base in Texas2. Dort nahm Mariano Díaz im Jahr 2005 an einem Kurs zum Thema "Antiterrorismus" teil.

Beide Militärs werden beschuldigt, das Verbrechen organisiert zu haben und wurden im Mai 2016 gemeinsam mit Sergio Ramón Rodríguez und Edilson Antonio Duarte festgenommen. Letzterer wurde als derjenige identifiziert, der bei dem Attentat, das Berta Cáceres am 2. März jenes Jahres das Leben kostete, die Schüsse auf sie abfeuerte. Duarte, der schon seit einiger Zeit als Auftragsmörder tätig war, sagte aus, dass er von Sergio Rodríguez engagiert worden war, dem Geschäftsführer des geplanten Wasserkraftwerkes Agua Zarca, das vom Konzern Desarrollos Energéticos SA (DESA) gebaut wird. Präsident dieses Unternehmens ist Robert David Castillo Mejía, ein weiterer Ex-Offizier des Militärgeheimdienstes.

Berta Cáceres trieb in ihrer Rolle als Anührerin des Zivilen Rates der Indigenen und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) den Kampf gegen Agua Zarca voran und prangerte die Folgen an, die das Projekt für den Fluss Gualcarque und in den Gemeinschaften der Lenca in diesem Gebiet haben würde.

Leutnant Bustillo, der sich 2008 vom Militärdienst zurückgezogen hatte, war der Sicherheitschef von DESA und derjenige, der gemeinsam mit Díaz den Mord geplant hatte. Im Rahmen seiner Funktion in dem Unternehmen hetzte Bustillo wiederholt gegen Berta Cáceres, die bereits 2013 in einer Reportage die Bestechungsversuche und Drohungen öffentlich angeprangert hatte. "(Rodríguez) hat mir Bestechungsgelder angeboten, für mich und COPINH", berichtete. "Als das nicht funktionierte, folgten die ganzen Beschuldigungen, die schon allseits bekannt sind, und Todesdrohungen. Ich habe auch Nachrichten vom Sicherheitschef des Unternehmens (Bustillo) auf meinem Telefon, die sexuelle Belästigung beinhalten", hatte Berta im Interview mit dem Journalisten Dick Emmanuelson ausgeführt.

Die "Spezialeinheiten"Neben Díaz und Bustillo war auch Henry Javier Hernández an der Operation beteiligt, ein ehemaliger Scharfschütze, der unter dem Kommando von Díaz im 15. Bataillon gedient hatte. Das 15. Bataillon ist eine der beiden Spezialeinheiten der honduranischen Armee, die in den 1980er Jahren von den USA mit dem Ziel gegründet und geschult wurden, ihre Strategie der Aufstandsbekämpfung (Counterinsurgency) zu entwickeln.

Es war die Zeit, als Honduras die "Contras“ unterstützte, die in Nicaragua die Sandinistische Revolution bekämpften. Auch gegen die Regierungen in El Salvador und Guatemala, die den USA vollständig untergeordnet waren, entwickelten sich Prozesse des bewaffneten Kampfes. Drei Jahrzehnte später besteht die Struktur der Spezialeinheiten, die durch das United States Southern Command (Südliches Kommando der USA)3 geschult werden, nach wie vor fort. Als Vorwand werden jetzt die "umfangreichen Bedrohungen" angeführt, insbesondere der Kampf gegen den Terrorismus und die Drogen.

Das 15. Bataillon sowie das Trainingszentrum der Spezialeinheiten haben ihren Sitz in Bajo Aguan, eine der Regionen mit den meisten sozialen Konflikten in Honduras. Die ländlichen Gemeinschaften in dieser Region klagen die Repression durch das Militär an. Hier wurde der größte Teil der insgesamt 124 Anführer und Aktivisten sozialer Bewegungen ermordet, die gegen die Monokulturen der Ölpalme in den Händen transnationaler Konzerne in Verbindung mit lokalen Unternehmen gekämpft hatten. Diese Firmen üben praktisch die Befehlsgewalt über die Militärkorps aus, die die Anti-Terror-Doktrin gegen die Bevölkerung anwenden, welche Widerstand gegen Projekte leistet, die sich auf ihrem Territorium niederlassen wollen.

Nach seinem offiziellen Rücktritt im Jahr 2013 wurde Hernández zu einem Informanten des militärischen Geheimdienstes, bis er im Januar 2017 verhaftet wurde. Der Veröffentlichung in The Guardian zufolge zeigen telefonische Aufzeichnungen, die Bestandteil des gerichtlichen Verfahrens sind, dass sich Bustillo und Hernández bereits einige Tage vor dem Mord in dem Dorf La Esperanza aufgehalten hatten, wo Berta Cáceres lebte.
Die Information belegt auch, dass gegen den Major im Dienst, Mariano Díaz, zum Zeitpunkt seiner Verhaftung wegen Entführungen und Drogenhandel ermittelt wurde. Dennoch stand er kurz vor einer Beförderung.

"In unserem Land gibt es eine Diktatur"Olivia Zuñiga, die älteste Tochter von Berta Cáceres, ist der Auffassung, dass der honduranische Staat von einer "kriminellen Elite" regiert wird, "die auch aus Unternehmern besteht, die zugunsten des transnationalen Kapitals und nicht im Sinne der großen Mehrheiten unseres Volkes agiert." In einem Interview mit dem argentinischen Nachrichtenportal Notas wies sie darauf hin, dass dies ein Moment sei, "in dem sich die Diktatur in unserem Land mit Politiken des Terrors durchsetzt".

"Das Verbrechen an Berta Cáceres bestätigt all die Vermutungen darüber, dass viele Gefährtinnen und Gefährten von Todesschwadronen ermordet wurden, weil sie das Leben verteidigten. Wir haben es immer angeprangert und als soziale Bewegungen sind wir uns sicher gewesen: Wie in den 80er Jahren wird seit dem Staatsstreich in Honduras eine neue Operation Condor umgesetzt. Der Putsch im Jahr 2009 war entscheidend, um erneut all die paramilitärischen Gruppierungen, die Todesschwadronen zu reaktivieren."

"Obwohl sie eine auch international sehr bekannte Führungspersönlichkeit und weltweit anerkannt war, konnte dies die kriminellen Eliten nicht davon abhalten, sie durch Todesschwadronen und einen regelrechten Krieg gegen unsere Völker ermorden zu lassen, mit Elitetruppen, die in den USA, in Kolumbien und in Israel ausgebildet wurden“, fasste Zuñiga zusammen.

Fernando Vicente Prieto ist Journalist aus Argentinien, Korrespondent von Notas - Periodismo Popular in Caracas und Mitarbeiter in anderen Medien. Neben seiner Berichterstattung für Notas.org.ar, ist er Teil des Kommunikationsteams von ALBA movimientos und des Projektes Crónica de Comunas.
  • 1. Die 1946 gegründete School of the Americas stand wegen der Ausbildung rechts gerichteter Militärs und Paramilitärs auch in Foltertechniken und der massiven Unterstützung der Militärdiktaturen in Lateinamerika in der Kritik. Viele der Absolventen waren später maßgeblich an den schmutzigen Kriegen in ihren Ländern beteiligt. Im jahr 2000 wurde sie geschlossen, jedoch 2001 unter dem Namen Western Hemisphere Institute for Security Cooperation wieder eröffnet
  • 2. An der Inter-American Air Forces Academy auf der Lackland AFB werden über 160 Kurse in spanischer Sprache für Militärangehörige aus 19 Ländern Lateinamerikas durchgeführt
  • 3. Das United States Southern Command (SOUTHCOM) ist das für Lateinamerika und die Karibik zuständige Regionalkommandozentrum der US-Streitkräfte. Es ist verantwortlich für die Koordination und Führung aller militärischen Operationen der USA in der Region
Quelle: tsur

Umkämpftes Tropenparadies: Garifuna in Honduras

Di., 21. Mär. 17, 13:03 Uhr
Medellin David Hernández
Quelle: HondurasDelegation
Die afro-indigenen Garifuna leben in kleinen Gemeinden an der Karibikküste Zentralamerikas – seit Generationen. Doch der Druck auf sie wächst: In Honduras, dem Land in dem die meisten Garifuna leben, sollen sie Investoren weichen, die sich von ihrem Land und den Ressourcen ein lukratives Geschäft erhoffen. Doch die Garifuna wehren sich gegen die mächtigen Gegner und kämpfen für ihr Land – und ums Überleben. Ende 2016 war eine Delegation von Aktivist*innen in Honduras unterwegs, um sich die Situation vor Ort genauer anzusehen.



erschienen auf:
https://www.npla.de/podcast/umkaempftes-tropenparadies-garifuna-in-honduras/

ILA mit dem Schwerpunkt Honduras erschienen

Mi., 8. Mär. 17, 21:28 Uhr
"Mit seinen 112?000 Quadratkilometern kommt Honduras auf etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands, hat aber nur knapp neun Millionen EinwohnerInnen. Das zentralamerikanische Land sorgt seit vielen Jahren nur für Negativschlagzeilen.(...)

Auch die wirtschaftliche Situation ist angespannt: Angestellte der Nationalen Registrierungsbehörde, des Agrarinstituts INA und des Leonardo-Martínez-Krankenhauses streikten Ende Dezember, um endlich ihre ausstehenden Löhne zu bekommen.Die Menschen in Honduras überleben vor allem dank der Remesas, der Überweisungen der im Ausland lebenden Verwandten, die 2016 knapp vier Milliarden US-Dollar schickten. Das ist in der Zahlungsbilanz der zweitgrößte Posten nach den Einnahmen aus dem Kaffeeexport. Schätzungen zufolge leben aktuell über eine Million HonduranerInnen in den USA, davon über 90 Prozent ohne gültigen Aufenthaltsstatus.Im Jahr 2016 sind gut 22?000 von ihnen aus den USA abgeschoben worden und knapp 45?000 aus Mexiko – das sind, wohlgemerkt, Zahlen aus der Prä-Trump-Ära. Man mag sich gar nicht ausmalen, was sich alles noch zuspitzt, wenn der wahnsinnige Milliardär aus Washington nun Ernst macht mit seinen angekündigten Antimigrationsplänen – Mauerbau, Einreiseverbote, verstärkte Abschiebungen.(...)
Ein ziemlich bitteres Szenario. Aber es gibt auch andere Facetten: Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen, indigene oder afro-honduranische Organisationen, die für ihr Land und eine intakte Umwelt streiten. Bewegungen, die nach dem Putsch 2009 entstanden oder zumindest einen enormen Mobilisierungsschub erlebten und die nach wie vor für ein besseres Honduras und für ihre Rechte streiten, etwa die Organisationen der LGBTI-Community. Zuletzt haben die Proteste der Studierenden gegen Korruption und erschwerte Studienbedingungen für Aufmerksamkeit gesorgt. Man kann es auch wie der honduranische Gewerkschaftsaktivist Carlos H. Reyes betrachten: „Man darf nicht verzagen. Wir hatten in der Vergangenheit schon schlimmere Situationen, die wir letztlich auch überwunden haben.“ Das können wir so stehen lassen.
Der Schwerpunkt dieser ila ist übrigens dem unermüdlichen Engagement der HondurasDelegation zu verdanken: Die TeilnehmerInnen der letzten Delegationsreise Ende 2016 haben zu einem Großteil die Beiträge und Fotos zu diesem Schwerpunkt beigesteuert. Wir bedanken uns herzlich für die überaus fruchtbare Zusammenarbeit!"Der Schwerpunkt "Honduras" der ila 402 hat einen Umfang von 40 Seiten (das gesamte Heft 64 Seiten) und kann zum Preis von 6,00 Euro bei der ila (Heerstraße 205, 53111 Bonn, Tel 0228-658613, E-Mail vertrieb@ila-bonn.de, Internet: www.ila-web.de bestellt werden.

Veranstaltung in Köln - Film und Diskussion am 9. März

So., 5. Mär. 17, 20:44 Uhr
Film und Diskussion über Widerstand und Repression in Honduras, anlässlich des Todestages von Berta Cáceres

„La Voz del Gualcarque“ Do, 9. März 2017 - 19 Uhr
Im Allerweltshaus Köln, Körnerstr. 77-79, Köln-Ehrenfeld
Großer Saal

Zahl was du kannst, was es dir wert ist


Ein Jahr nach dem Mord an Berta Cáceres (03.03.2016), zeigen wir den Film „La Voz del Gualcarque", um an das Leben und Wirken von Berta zu erinnern. Der Mord an der international ausgezeichnete Umweltaktivistin und Feministin Berta Cáceres ist der bisherige Höhepunkt der Repressionen des Protestes gegen das geplante Wasserkraftwerk „Agua Zarca" in West- Honduras. Der Dokumentarfilm begleitet ein Jahr lang die Gemeinden, die sich gegen den Bau des Staudamms auf ihrem Territorium in Rio Blanco wehren, und mit vielfältigen Protesten versuchen, sich Recht zu verschaffen.

Dieser Konflikt ist einerseits Beispielhaft für die zahllosen Energie,- Bergbau-, und Tourismus Projekte, die seit dem Putsch von 2009 unter dem Motto „Honduras is Open for Business“ mit starker Beteiligung internationaler Investoren ins Leben gerufen wurden. Andererseits ist die Kriminalisierung des Protestes und die ausufernde Gewalt beispielhaft für die Lage all jener, die sich in dem zentralamerikanischen Land für Demokratie, die Verteidigung der Gemeingüter (v.a. Land und Wasser) und eine andere Gesellschaft einsetzen. Berta Cáceres ist die prominenteste unter den zahlreichen Opfer der systematischen Repression und der anhaltenden Straflosigkeit. Zu Lebzeiten und auch nach ihrem Tod ist Berta Inspirationsquelle für den ungebrochenen Widerstand -auch über die Landesgrenzen hinaus. Weltweit wird eine unabhängige Aufklärung des Mordes gefordert, bislang vergeblich. Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit mit den Filmemacher*innen über die Lage in Honduras, den kolonialen Charakter „grüner“ Energieprojekte, sowie Handlungsmöglichkeiten hierzulande zu diskutieren.

Mehr infos unter:
http://www.allerweltshaus.de


Zusätzliche Informationen

"Berta lebt! Die Stimme des Gualcarque"

Sa., 4. Mär. 17, 22:20 Uhr
En Rio Blanco en la orilla del río Gualcarque; Fuente: CADEHO
MITTWOCH - 08.03.2017 10:00 – 14:00 Uhr Brunch + Film: Brunch und Projektion des Dokumentarfilms über die indigene Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres, der Kampf für die Verteidigung der Aktivist*innen und für die Umwelt in Anwesenheit von Ocote-Film, die den Dokumentarfilm realisierten und Cadena de Derechos Humanos Honduras (CADEHO).
MIÉRCOLES - 8 de marzo 2017  10:00 – 14:00 h | Brunch + Film: “¡Berta vive! La vozdel Gualcarque”. Documental sobre Berta Cáceres y su lucha por el agua en Honduras con equipo Ocote-Film, que realizó el documental y Cadena de Derechos Humanos Honduras (CADEHO). Traer algo para compartir en el desayuno.
Xochicuicatl e.V.Winsstr. 58 10405 Berlín Teléfono: 030 - 278 63 29      www.xochicuicatl.de www.coro-xochi.net

Wenn „Entwicklung“ tödlich ist

Sa., 4. Mär. 17, 22:07 Uhr


Solidarität mit den Kämpfen um Land und Selbstbestimmung in Lateinamerika
Wir gedenken am 3. März 2017 der vor einem Jahr ermordeten honduranischen Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Einige von uns haben sie persönlich gekannt, viele hat sie mit ihrem Mut, ihrer klaren Analyse und ihrem Beharren auf eine gerechtere Welt inspiriert. „Berta ist nicht gestorben – sie hat sich verfielfacht“
Wir wollen nicht Berta alleine gedenken, sondern all denjenigen – viel zu vielen – die ebenfalls im Kampf um die Menschenrechte, für das Rechte auf eine saubere Umwelt, den Kampf gegen Vertreibung in ganz Lateinamerika ermordet wurden. 217 Menschenrechtsverteidiger*innen starben der Organisation Frontline Defenders zufolge allein im Jahr 2016 eines gewaltsamen Todes, 85 in Kolumbien, 58 in Brasilien, 33 in Honduras, 26 in Mexiko, 12 in Guatemala und jeweils eine*r in El Salvador, Peru und Venezuela. Auch das laufende Jahr hat mit einer erschreckenden Zahl von Morden begonnen, nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission waren es bis Anfang Februar 2017 14. Es findet ein Krieg gegen die ärmsten Bevölkerungsschichten statt, ein Krieg, in dem nur die Opfer zu sehen sind und die Täter, gedeckt von Regierungen, Militär und Wirtschaftseliten selten ermittelt oder gar bestraft werden. Wir fordern daher im Mordfall Berta Cáceres, aber auch in vielen weiteren Fällen vollständige Aufklärung und die Bestrafung der Täter, einschließlich der Auftraggeber der Morde. Die überwiegende Straflosigkeit trägt dazu bei, dass die Morde an Menschenrechtsverteidiger*innen immer weiter gehen.

Am stärksten betroffen sind diejenigen, die sich für Landrechte, indigene Rechte und Umweltschutz einsetzen. Häufig geht es um den Erhalt der Lebensgrundlagen indigener und bäuerlicher Gemeinden wie sauberes Wasser und Land für den Anbau von Nahrungsmitteln. Doch um diese Naturgüter wird ein immer härterer Kampf – mit ungleichen Mitteln – ausgefochten. Die Privatisierung von Territorien, die Konzessionierung für den Bergbau oder für die Gewinnung von Strom aus Wasserkraft führen in ganz Lateinamerika zur Vertreibung derjenigen, die seit Jahrhunderten von ihrem Land leben.
Hinter dem blutigen Kampf um die Territorien stehen auch global agierende Unternehmen und Finanzinstitutionen. Kredite für Projekte, in deren Namen Vertreibung stattfindet, kommen auch von Entwicklungsbanken wie der International Finance Corporation der Weltbank, der Zentralamerikanischen Bank für Wirtschaftsintegration , der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), der niederländischen Entwicklungsbank FMO, der Europäischen Investitionsbank sowie zahlreichen weiteren Banken. Europäische Unternehmen sind am Bau von Staudämmen auf indigenen Territorien beteiligt wie etwa Siemens, Voith Hydro, Alstom, Iberdrola, ABB, Areva und andere, internationale Bergbauunternehmen wie BHP Billiton und Glencore sind mitverantwortlich für die Vergiftung der Umwelt und deutsche Energieunternehmen importieren Kohle aus Minen, die mit zahlreichen Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen.
Wir fordern:- die Beendigung der Verfolgung und Kriminalisierung der Menschenrechtsverteidiger*innen - Ende der Straflosigkeit, Gerechtigkeit und Aufklärung der Morde an den Menschenrechtsverteidiger*innen- dass die Länder internationales Recht achten, wie den Artikel 169 der ILO, über die vorherige freie und informative Befragung der indigenen Gemeinschaften
Ein Jahr nach ihrer Aussaat: Berta lebt und COPINH kämpft weiter!
Berlin, 3. März 2017Cadena de Derechos Humanos Honduras (CADEHO)Honduras-Delegation (Alemania)Kolumbienkampagne Berlin

Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit Unidos por la paz Alemania (Kolumbien)

Nach einem Jahr ihrer Aussaat: Berta lebt, COPINH kämpft weiter

Do., 2. Mär. 17, 10:52 Uhr

Unsere Schwester, Compañera und Generalkoordinatorin Berta Cáceres zeigte uns, dass wir um unsere Rechte kämpfen müssen, und dass die Lencas in ihren Territorien jahrhundertelang unter Diskriminierung und Fremdherrschaft leiden mussten. Berta hat uns gezeigt, dass man Würde weder kaufen noch verkaufen kann; dass gerechte Kämpfe dem Leben einen Sinn geben; dass es wichtig ist, sein Leben für den Kampf und für den Aufbau einer neuen Gesellschaft zu widmen und auch, dass wir keine Angst haben dürfen, das zu verteidigen was unser ist.
Vor einem Jahr haben sie die Compañera Berta Cáceres ermordet, haben ihr das Leben genommen, weil sie es nicht ertragen konnten, dass eine Frau, eine Indigene, sich mit ihren Leuten mutig der Ausbeutung unserer Territorien widersetzt hat und dabei Erfolg hatte.Sie haben sie ermordet, weil in diesem Land dem Morden der Vorzug gegeben wird, anstatt miteinander zu sprechen und weil man der Annahme ist, dass durch den Mord auch die Ideen zum Schweigen gebracht werden.

Der Zivile Rat der Basis- und indigenen Organisationen Honduras COPINH fordert, dass der honduranische Staat Verantwortung für den Mord an Berta Cáceres übernimmt. Der Staat hat sie nicht geschützt, sondern hat sie wegen ihres Engagements für die Gemeinschaft verfolgt und kriminalisiert. COPINH fordert vom honduranischen Staat, dass er Verantwortung übernimmt für die Konzessionen auf den indigenen Territorien, die ohne Befragung vergeben wurden und die für die Gemeinden den Tod bedeuten.Das Parlament trägt Schuld an dem Mord an Berta Cáceres, weil es die Konzessionen für die Territorien der Lencas ohne deren Befragung an die privaten Firmen vergeben hat.Die Regierung unter Juan Orlando Hernándezträgt Verantwortung für den Mord an Berta Cáceres, weil sie [Berta] nicht beschützt hat, weil sie die Diktatur aufrecht hält, Straflosigkeit schützt und die Interessen derjenigen begünstigt, die zu Lasten der honduranischen Bevölkerung gehen.
Wir machen die kriminellen Strukturen innerhalb der honduranischen Streitkräfte dafür verantwortlich, dass sie der Nährboden für die Zunahme von Auftragsmorden sind. Die Verbindungen der verhafteten Mörder im Fall unserer Compañera machen dies deutlich.Die Streitkräfte sind verantwortlich für den Mord an Berta Cáceres, da sie Mörder und Todesschwadronen ausgebildet haben, die für [wenig Geld] das Leben der Menschen und Gemeinden beenden.
Vor allem fordern wir, dass gegen die Auftraggeber von Berta Cáceres' Mord untersucht wird, da sie noch immer strafffrei sind und mit Sicherheit weitere Morde an Mitgliedern der sozialen Organisationen planen.
DESA ist die mörderische Firma, die den Lencas mit Terror ihre Reichtümer entreißen will und diejenigen ermorden möchte, die sich dem entgegenstellen.Verantwortlich für den Mord sind auch die Zentralamerikanische Bank für Wirtschaftsintegration, die holländische Bank FMO, die finnische Fundation FINNFUND, die alle heimtückisch in den vermeintlichen Fortschritt und damit  in den Tod der indigenen Bevölkerung investieren.
Die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika sind ebenfalls Mörder, denn sie bewaffnen eine Bevölkerung, die sich gegenseitig umbringt.
Eine Mitverantwortung trägt die intolerante und rassistische Gesellschaft, die ihr eigenes kulturelles und geschichtliches Wesen diskriminiert.
Wir wissen um die prekäre Situation in Bezug auf die Anklagen gegen die Beschuldigten im Fall Berta Cáceres. Kein wirkliches Gerichtsverfahren könnte die Verhafteten verurteilen, insbesondere die Mittelsmänner zwischen der [Betreiber-] firma und den Auftragsmördern - all dies zielt auf Straflosigkeit ab.
Der Staat will keine internationale Expert*innenkommission, die Nachforschungen betreibt, denn er befürchtet, dass sie die Verantwortlichen aufdeckt.
Ein Jahr nach ihrem Mord, lehrt uns Berta weiterhin, dass man Ideen nicht töten kann und dass die Prozesse der Bevölkerung nicht aufzuhalten sind, dass sie weiterhin präsent ist und dass es unsere Pflicht ist, mit ihrem Vermächtnis des Widerstandes und dem Kampf gegen Ungerechtigkeit weiterzumachen.
COPINH bekennt sich zur Rebellion, zum Aufstand gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Tragödie, in die die honduranische und die indigene Bevölkerung getrieben wurde, und in welcher unsere Compañeros und Compañeras in Verteidigung ihres Lebens und für die Zukunft der Menschheit ermordet wurden. Wir alle erinnern uns an [diese Companerxs] und umarmen sie als Vorfahr*innen, die uns von der spirituellen Welt aus begleiten.
Gleichwohl fordern wir Gerechtigkeit, die Bestrafung der Verantwortlichen und vor allem die Beendigung der Praxis, Andersdenkende zu ermorden.
COPINH ist weder gegen ein Leben in Würde noch gegen eine gerechte Gesellschaft in Honduras. COPINH stellt sich gegen die Lüge der sogenannten Entwicklung, mit der sie so viele Tote und den Raub unserer Territorien rechtfertigen wollen. [COPINH zeigt auf], dass eine Firma, die einen Fluss und eine Gemeinde zerstört, nicht Armut beseitigt, sondern im Gegenteil: dadurch noch mehr Ungleichheit erzeugt wird. Gleichzeitig sind die Einzigen, die davon profitieren die Wenigen, die ihre Taschen auf Kosten der Bevölkerung füllen: sie wollen 500 Millionen gewinnen und davon 5.000 an die Gemeinden geben, wie im Fall des Wasserkraftprojektes Agua Zarca.
Es wird sich nie etwas in Honduras verbessern, solange sie nicht die Autonomie der indigenen Gemeinden, unsere Kosmovisionen und unsere Sicht auf die Welt respektieren und anerkennen. Ohne politische Bereitschaft zu Gesprächen und Debatten, ändern auch Reglementierungen über eine vorherige, fingierte Befragung genauso wenig wie [die Anwendung] von Anti-Terror-Gesetzen, die die Proteste kriminalisieren.COPINH wird weiter um Einbeziehung und Respekt auf der Suche nach einer gerechten Gesellschaft kämpfen, in der das Leben respektiert wird. 
Der Mord an Berta Cáceres ist ein Schlag, ein unschätzbarer Verlust für unsere Organisation und für die honduranische Bevölkerung. Aber es ist ein Sieg, dass wir weiter machen, die Ungerechtigkeit anzeigen und unseren Kampf für den Respekt gegenüber den Gemeinden, Territorien und der Identität der Lencas sichtbar machen. Ein Jahr nach dem Verlust unserer Generalkoordinatorin verpflichtet sich COPINH zu ihrem Vermächtnis und votiert für das Leben und zeigt Alternativen auf. Berta lebt und COPINH kämpft weiter.Wir fordern die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission im Fall von Berta Cáceres, die die Strukturen aller Beteiligten enthüllt, die ihren Mord geplant haben.Wir fordern den unverzüglichen Abzug der Firma DESA vom Fluss Gualcarque, sowie allen weiteren Projekten, die den Fluss zu schädigen versuchen. Die Eigentümer und Betreiber von DESA sollen für ihre Handlungen verurteilt werden. 
Wir fordern die Rücknahme aller Konzessionen auf den Lenca-Territorien, die ohne Befragung der Gemeinden vergeben wurden.
Wir rufen zur Beendigung der Verfolgung von COPINH und weiterer Organisationen auf, die die Territorien verteidigen. Die Angriffe gegen unsere Organisation gehen weiter und wir werden die honduranischen Behörden für jeden weiteren Mord und jede weitere Aggression verantwortlich machen.
Berta Cáceres lebt!Berta lebt, COPINH kämpft weiter!Berta ist nicht gestorben, sie hat sich vervielfacht!Fort mit den todbringenden Projekten aus unseren Territorien!Mit der Kraft unserer Vorfahren von Berta, Lempira, Mota, Iselaca und Etempica erheben wir unsere Stimmen voller Leben, Gerechtigkeit, Freiheit, Würde und Frieden!
Esperanza, Intibucá, 27. Februar 2017Pressekonferenz- Ein Jahr nach ihrer Aussaat

MENSCHENRECHTE ERKENNEN UND HANDELN - ¡Berta Vive!

Mi., 1. Mär. 17, 18:31 Uhr
Ein Jahr nach dem Mord an Berta Cáceres (03.03.2016), zeigen wir den Film „La Voz del Gualcarque", um an das Leben und Wirken von Berta zu erinnern. Der Mord an der international ausgezeichnete Umweltaktivistin und Feministin Berta Cáceres ist der bisherige Höhepunkt der Repressionen des Protestes gegen das geplante Wasserkraftwerk „Agua Zarca" in West- Honduras. Der Dokumentarfilm begleitet ein Jahr lang die Gemeinden, die sich gegen den Bau des Staudamms auf ihrem Territorium in Rio Blanco wehren, und mit vielfältigen Protesten versuchen, sich Recht zu verschaffen.

Dieser Konflikt ist einerseits Beispielhaft für die zahllosen Energie,- Bergbau-, und Tourismus Projekte, die seit dem Putsch von 2009 unter dem Motto „Honduras is Open for Business“ mit starker Beteiligung internationaler Investoren ins Leben gerufen wurden. Andererseits ist die Kriminalisierung des Protestes und die ausufernde Gewalt beispielhaft für die Lage all jener, die sich in dem zentralamerikanischen Land für Demokratie, die Verteidigung der Gemeingüter (v.a. Land und Wasser) und eine andere Gesellschaft einsetzen. Berta Cáceres ist die prominenteste unter den zahlreichen Opfer der systematischen Repression und der anhaltenden Straflosigkeit. Zu Lebzeiten und auch nach ihrem Tod ist Berta Inspirationsquelle für den ungebrochenen Widerstand -auch über die Landesgrenzen hinaus. Weltweit wird eine unabhängige Aufklärung des Mordes gefordert, bislang vergeblich. Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit mit den Filmemacher*innen über die Lage in Honduras, den kolonialen Charakter „grüner“ Energieprojekte, sowie Handlungsmöglichkeiten hierzulande zu diskutieren.



„La Voz del Gualcarque“ 

Film und Diskussion über Widerstand und Repression in Honduras, anlässlich des Todestages von Berta Cáceres
Wann? Donnerstag, 9. März 2017 - 19:30 UhrWo? Allerweltshaus, Großer Saal, Körnerstraße 77-79, Köln Ehrenfeld

Zahl was du kannst, was es dir wert ist

Kundgebung: Wenn "Entwicklung“ tödlich ist - Solidarität mit den Kämpfen um Land und Selbstbestimmung in Lateinamerika-

Mo., 27. Feb. 17, 22:46 Uhr

In der Nacht vom 2. zum 3. März 2016 wurde Berta Cáceres ermordet - Menschenrechtsverteidigerin der Lenca - ein Volk, das um die Erhaltung fundamentaler Rechte in Honduras kämpft. "Nach einem Jahr ihrer Aussaat. Berta lebt - COPINH kämpft weiter"


In Lateinamerika war das Jahr 2016 für Menschenrechtsverteidiger*innen dramatisch: über 200 wurden ermordet, und die Bedrohungen und Verfolgungen gegen sie halten an. Die Ursachen der Verfolgung und Kriminalisierung in den Ländern Lateinamerikas sind identisch: Extraktivismus, Privatisierungen, Landraub und ein anhaltender Kolonialismus.

Um darauf aufmerksam zu machen, laden wir Euch am 3. März um 16 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor ein: Wir wollen Berta Cáceres und den ermordeten Aktivist*innen gedenken. Wir solidarisieren uns mit den Menschen, die sich für Frauen-, Indigenen-, Menschen- und Umweltrechte einsetzen und deshalb verfolgt, bedroht, kriminalisiert und getötet werden. Wir fordern Gerechtigkeit und ein Ende der Straflosigkeit!

Wir laden Kollektive//Gruppen//Sympathisant*innen ein, gemeinsam zu demonstrieren.

Kontakt: cadeho@riseup.net CADEHO (Cadena de Derrechos Humanos Honduras)

Kundgebung
Freitag, 3. März 2017
16.00 Uhr vor dem Brandenburger Tor
Für Reden und Musik wird Technik vorhanden sein.

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"Cuando el „desarrollo“ se vuelve mortal" - Solidaridad con las luchas por la tierra y la autodeterminación en Latinoamérica-





En la noche del 2 a 3 de marzo 2016 fue asesinada Berta Cáceres, defensora de los derechos del pueblo Lenca por la tierra y su territorio en Honduras. "A un año de su siembra. Berta vive - COPINH sigue"

El año pasado ha sido una vez más un año dramático para lxs defensorxs de derechos humanos y ambientalistas. Mataron más de 200 activistas por todo el continente latinoamericano y la persecución y amenazas continúan.

Para denunciar esta situación les invitamos a convocar junto a nosotrxs una concentración en frente de la Puerta de Brandemburgo en Berlín el viernes 3 de marzo a las 4 p.m. , para conmemorar a Berta Cáceres y todxs lxs activistas que dejaron su vida por defender los derechos humanos en Latinoamérica.

Queremos mostrar nuestra solidaridad con todxs lxs que están luchando por los derechos humanos, derechos de las mujeres, pueblos originarios y el respeto al medio ambiente. Por este motivo están siendo amenazadxs, perseguidxs y criminalizadxs. Exigiendo también justicia, porque la mayoría de estos crímenes quedan en total impunidad.

Hacemos un llamado a colectivos/grupos de afinidad y/o lxs compañerxs solidarixs para manifestarnos juntxs. Y mostrar que en todos los países latinoamericanos están luchando por las misma causas: contra el saqueo extractivista, contra la privatización de los territorios y recursos naturales, por el derecho de los pueblos originarios.

Manifestación
Viernes 3 de marzo 2017

4 p.m. frente Brandenburger Tor
llevamos un soundsystem para música y breves ponencias

CADEHO (Cadena de Derechos Humanos por Honduras)

contacto: cadeho@riseup.net

Honduras – indigener Widerstand gegen Unterdrückung und Gewalt

Fr., 24. Feb. 17, 10:05 Uhr

Erfahrungsberichte zur indigenen Verteidigung von Territorium und Autonomie sowie zur Schulbildung. Menschenrechtslage verbessert?

16. März 2017 Vortrag und Diskussion mit Ursula Klesing-Rempel, Rita Trautmann, Dr. Ilse Schimpf-Herken und Daniel Kempken in der Reihe „Quo Vadis Lateinamerika“Ort: LAF Berlin Bismarckstr. 101, 5. Etage bei SEKIS"Berta no murió - se multiplicó"Der kritische Blick: Vor einem Jahr wurde Berta Cáceres, eine indigene Aktivistin und politische Visionärin, in Honduras ermordet. Seitdem hat sich die ohnehin schlechte Menschenrechtslage verschärft. Davon lassen sich indigene Bewegungen nicht einschüchtern, denn ihr Widerstand gegen die neoliberale Politik ist ein Kampf um ihre Existenz. Aber auch Lehrer*innen zeigen auf ihre Weise in der Schulbildung Alternativen gegen Gewalt und Unterdrückung. Das solidarische Netzwerk HondurasDelegation und das Paulo-Freire-Institut berichten von ihren Begegnungen mit den Menschen im Widerstand. 



Mit dem Putsch von 2009 ist Honduras wieder auf neoliberalen Kurs gebracht. Eine investorenfreundliche Politik öffnet seither dem Ausverkauf natürlicher Ressourcen die Tore. Besonders betroffen ist hiervon die indigene Bevölkerung, deren Kosmovision und kollektive Besitztitel nicht in eine auf Privatisierung basierende Wirtschaft passt. Landgrabbing und Ressourcenraubbau auf Kosten der indigenen und ländlichen Bevölkerung findet man überall in Lateinamerika. Honduras ist ein Beispiel, jedoch ein besonderes. Das über lange Zeit unbeachtete Land hat eine der höchsten Mordraten weltweit. Über Jahrzehnte hinweg existieren ein erschreckendes Maß an Straflosigkeit und extreme Korruption.

Am 17. Februar 2017 wurde erneut ein führendes Mitglied der indigenen Gemeinschaft der Tolupanes ermordet. amnesty international reiht in ihrem neuesten Report Honduras weiter in die Länder mit schweren Menschenrechtsverletzungen ein.

Wo stehen die sozialen und indigenen Bewegungen heute? Wofür setzen sie sich ein? Welche Rolle spielen Indigene in der honduranischen Gesellschaft? Die Referentinnen bereisten Honduras Ende 2016 und erlebten eine beeindruckende Zivilgesellschaft, mutige Aktivistinnen und engagierte Lehrerinnen. Am Beispiel der indigenen Tolupanes und Lenca zeigen sie, wie der Widerstand der indigenen Bevölkerung aussieht. Wie Schulbildung von unten anders gestaltet werden kann, wird an einem Beispiel aus dem Westen des Landes erzählt.

Rita Trautmann arbeitet seit vielen Jahren zu und in Honduras, ist Mitgründerin des Berliner Menschenrechtskollektivs CADEHO, ist engagiert in der HondurasDelegation und im Paulo Freire Institut Berlin. Ursula Klesing-Rempel  war sieben Jahre für den Deutschen Volkshochschul-Verband DVV International in Mexiko tätig und dabei auch für Projekte in Zentralamerika zuständig. Dr. Ilse Schimpf-Herken gründete das Paulo Freire Institut Berlin und ist in der internationalen Erwachsenenbildung aktiv. Daniel Kempken hat als langjähriger stellvertretender Botschafter und Zuständiger für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit einen anderen Blick auf das Land als die zuvor genannen Referentinnen. Er sieht Fortschritte in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und auch staatliches Bemühen, die Menschenrechtssituation zu verbessern. Für ihn ist ein verbesserter Dialog zwischen Staat und Zivilgesellschaft die zentrale Herausforderung.

Einlass ist zwischen 18 Uhr 45 und 19 Uhr 15. Der Eintritt ist frei, Spenden sind hoch willkommen!

„Wir geben unser Land nicht auf“

Fr., 24. Feb. 17, 9:45 Uhr


Reportage über den schwierigen Kampf der Garifuna, ihr Land zurückzugewinnen
Gemeinde Guadelupe, Quelle: HondurasDelegationMit Landbesetzungen und Selbstverwaltung wehren sich die Garifuna gegen den illegalenVerkauf ihres Territoriums. Ihre Gegner*innen versuchen, den Protest zu kriminalisieren, Drohungen und Räumungsversuche sollen den Widerstand brechen. Die HondurasDelegation hat sich die Situation vor Ort angesehen.

Unser Kleinbus schaukelt durch die Schlaglöcher einer Schotterpiste. Ab und zu bricht ein kurzer Regenschauer über uns herein. Je weiter wir uns von der Hauptstadt Tegucigalpa nach Norden Richtung Atlantikküste begeben, desto flacher wird es, umso tropischer werden die Temperaturen. Nach neun Stunden Fahrt sind wir froh, die erste Station unserer dreiwöchigen Reise zu erreichen: Trujillo, die ehemalige Hauptstadt zu frühkolonialen Zeiten. Wir, das sind sechs Menschen aus Honduras, Spanien und Deutschland, die sich in der Solidaritätsbewegung HondurasDelegation engagieren. Wir haben uns für diese Reise zusammengetan, um uns ein Bild von der aktuellen Menschenrechtslage in Honduras zu machen und in Deutschland darüber zu berichten. Seit dem Putsch 2009 ist es bereits die fünfte HondurasDelegation. Aus den Reisen entstanden zahlreiche Berichte, Filme und eine Fülle von Kontakten. Jede Delegation hatte andere Schwerpunkte, wir interessieren uns besonders für den Kampf der indigenen Bevölkerung um ihre Landrechte.
Malvin Morales, Quelle: HndDelIn Trujillo erwarten uns blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Das Meer liegt ruhig in der Bucht. Das Städtchen ist auf einer kleinen Anhöhe gelegen und neben einem Denkmal für Christoph Kolumbus, der hier 1502 erstmals den amerikanischen Kontinent betrat, haben wir einen guten Blick über die Bucht. Wir treffen Malvin Morales, Aktivist bei OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondureña), der Bewegung der afro-indigenen Garifuna. Malvin begrüßt uns herzlich und berichtet sofort von den Landkonflikten in der Bucht: „Wir haben als Garifuna seit 1901 kollektive Landtitel, die der damalige Präsident Manuel Bonilla ausstellte. Doch nach und nach hat man uns dieses Landes beraubt.“ Er zeigt auf die gegenüberliegende Landzunge: „Dort befand sich mein Dorf Puerto Castilla. Wir mussten der staatlichen Hafengesellschaft weichen und haben dabei einen guten Teil unseres Landes verloren. Nun wohnen wir südlich vom Hafen und sind wieder von einer Umsiedlung bedroht.“ Wir spähen gegen das Sonnenlicht herüber und können Umrisse der riesigen Container im Hafen erkennen. Von dort werden Bananen von den Plantagen in die USA verschifft.
Landrückgewinnung in Puerto Castilla, Quelle: HndDelDie Garifuna sind Nachfahren der karibischen Arawak-Indigenen und afrikanischer Versklavter, die Ende des 18. Jahrhunderts von englischen Kolonisator*innen nach Honduras deportiert wurden. Von dort aus besiedelten sie die Küste Zentralamerikas zwischen Belize und Nicaragua. Die meisten leben in 46 Gemeinden der honduranischen Karibikküste. Seit mehreren Jahren plant die honduranische Regierung in der Bucht von Trujillo eine sogenannte ZEDE (Zona de Empleo y Desarrollo Económico), auch bekannt als „Modellstadt“ oder Sonderwirtschaftszone (LN 466), die zusätzlich Investor*innen anlockt. „Alle Gemeinden sind von diesen Plänen gefährdet. Dazu kommen illegale Landverkäufe an Privatinvestoren“, fährt Malvin fort. „Auf der westlichen Seite der Bucht sind die Gemeinden Santa Fé, San Antonio und Guadelupe von Landraub durch einen kanadischen Investor betroffen“. Was all dies für die Garifuna-Gemeinden bedeutet, wird schnell klar. Sie werden vertrieben und verlieren ihre Lebensgrundlage, die vor allem auf Fischfang und kleinbäuerliche Landwirtschaft basiert. Die Regierung übt Druck auf die Garifuna aus: Während Malvin von den Regierungsplänen zur Schaffung der sogenannten Modellstadt in der Bucht von Trujillo berichtet, patrouillieren ständig Militärs an uns vorbei. Er lässt sich davon allerdings nicht beeindrucken.
Malvin hat sich OFRANEH angeschlossen, um die kollektiven Landrechte der Garifuna zu verteidigen und bereits geraubtes Land zurückzugewinnen. Bevor die Sonne höher steigt und es noch wärmer wird, machen wir uns mit ihm auf den Weg, um zwei der OFRANEH-Projekte zur Landrückgewinnung, sogenannte recuperaciones, zu besuchen. Wir fahren einen malerischen, aber unbefestigten Küstenweg entlang und treffen Carmen Alvarez, ebenfalls Aktivistin bei OFRANEH. Sie erzählt uns, wie die Garifuna-Gemeinden Teile ihres Landes verloren: „Unsere Landwirtschaft funktioniert so, dass wir nicht alles Land gleichzeitig bebauen, sondern immer einen Teil des Landes brachliegen lassen. Die Brachen  wurden nach und nach von anderen besetzt und, wenn wir dort im Folgejahr etwas anbauen wollten, war das Land bereits eingezäunt. Hinzu kommt, dass staatliche Behörden, besonders die Gemeindeverwaltung von Trujillo, korrupt sind. Sie verkaufen Land, das uns gehört, ohne uns zu fragen. Sie erkennen unseren kollektiven Landtitel von 1901 einfach nicht an. So konnte zum Beispiel Randy Jorgensen unser Land kaufen.“Jorgensen, ein als „Porno-König“ bekannter Kanadier, nutzt seine Nähe zu konservativen Politikern in Honduras, um sich im großen Stil Land für Tourismusprojekte anzueignen. „Er versprach den Gemeinden, dass sie vom Tourismus profitieren würden. Und der einzige, der verdient, ist Randy“, berichtet Carmen. Auf dem Weg zur recuperación des Dorfes Guadelupe kommen wir an mehreren neuen Luxus-Altersresidenzen für Rentner aus dem globalen Norden vorbei, die sich in seinem Besitz befinden. In direkter Nachbarschaft zu einer dieser Residenzen, die hinter Mauern und mit Sicherheitspersonal gut vor Blicken von außen abgeschirmt ist, liegt das Gelände des Projektes. Ein großes Banner mit der Aufschrift: „Unsere Kultur und unser Land sind nicht zum Verkauf! – OFRANEH“ kündigt es an. Wir werden bereits von einer Gruppe junger Menschen aus Guadelupe erwartet. Einige Frauen haben in einer provisorischen, mit Plastikplanen überdachten Küche Essen zubereitet. Auf dem Grundstück der recuperación stehen fünf fertige Häuser, an weiteren wird gebaut.
Von den rund 30 jungen Menschen, die sich an diesem OFRANEH-Projekt beteiligen, hatten viele den Traum vom großen Glück in den USA. Sie wurden deportiert oder kamen nie bis zur Grenze. Ohne Besitz und ohne Aussicht auf Arbeit kehrten sie zurück und schlossen sich den Landprojekten an. Einer von ihnen, Darwin Arriola, erzählt von seiner Motivation: „Ich kam bis Mexiko, hatte kein Geld mehr und wusste nicht mehr weiter. Ich hatte Hunger und Durst und hoffte darauf, dass mir jemand etwas geben würde, ich habe geweint. Es war ein furchtbar entwürdigender Moment. So etwas möchte ich nie mehr erleben. Ich bin froh wieder hier zu sein und möchte arbeiten, deshalb habe ich mich der recuperación angeschlossen.“ Die meisten Menschen in diesem Projekt haben zuvor nicht in der Landwirtschaft gearbeitet. Wir sind beeindruckt, wie viel Kraft und Arbeit sie in die Nutzbarmachung des Landes stecken. Ausführlich zeigen uns einige aus der Gruppe das Gelände: Hier eine kleine Pflanzung von Bananen, dort Maniok. Sie wissen, dass das Land ihnen die einzige Chance bietet, um zu überleben. Deshalb gehen sie die Risiken ein, die damit verbunden sind.
Medellin David Hernández, Quelle: HndDelMalvin erzählt uns, dass OFRANEH und die Aktivist*innen, die bei den recuperaciones dabei sind, kriminalisiert, verfolgt und eingeschüchtert werden. Alle Projekte in der Bucht haben bereits Räumungsversuche der Polizei erlebt, auch wenn es rechtlich dafür keine Grundlage gibt. Medelín David Hernández, eine der Aktivist*innen aus Guadelupe, wurde im November von der Polizei unrechtmäßig verhaftet und misshandelt. Dennoch lässt sie sich nicht einschüchtern: „Wir haben Gruppen gebildet und wechseln uns hier auf der recuperación ab, so dass eine Gruppe im Dorf ist und die andere hier arbeitet, so ist immer jemand auf diesem Grundstück. Es ist unser Land und wir werden es nicht aufgeben.“ Medelín David Hernández wurde wegen Landbesetzung angezeigt. Während sie erzählt, hält sie ihren kleinen Sohn an der Hand. Er ist für Medelín eine große Motivation, das Land zu verteidigen. Bei den Gesprächen mit den Aktivist*innen merken wir kaum, wie schnell die Zeit vergeht. Aber da der Weg von Guadelupe nach Trujillo nicht beleuchtet ist, müssen wir noch vor der Dämmerung aufbrechen.

Am folgenden Tag besuchen wir Puerto Castilla auf der Landzunge, die sich östlich von Trujillo um die Bucht erstreckt. Die nicht weit entfernten Bananenplantagen und der Hafen machen das Garifuna-Land attraktiv für Investitionen verschiedenster Art. Wir fahren durch das Dorf und wir ahnen, wie dringend für die Bewohner*innen die Rückgewinnung ihres Landes ist. Die Häuser stehen dicht gedrängt, es gibt keinen Platz für Hausgärten, manchmal nicht einmal Platz, um Wäsche hinter dem Haus aufzuhängen. Malvin, der selbst aus Puerto Castilla stammt, bestätigt dies: „Wir alle haben Kinder, aber wir haben nicht genug Häuser und wir haben nicht einmal mehr ein kleines Stück Land, um Maniok anzubauen. Was sollen wir unseren Kindern geben? Und das, obwohl wir die Landtitel für viel größere Flächen besitzen.“ *Es bleibt noch viel zu tun, bis diese Titel und das Recht der Garifuna auf Land wieder respektiert werden. 
von Rita Trautmann, in Lateinamerika Nachrichten, 512 - Februar 2017

Wieder indigener Aktivist in Honduras ermordet, Global Witness kritisiert Straflosigkeit

Mi., 22. Feb. 17, 8:18 Uhr
Führendes Gemeindemitglied der Tolupán getötet. Landkonflikte in indigenem Schutzgebiet. Achter Tatverdächtiger im Mordfall Berta Cáceres festgenommen 
 Daniela Dreißig, amerika21José de los Santos SevillaTegucigalpa. Am 17. Februar ist José de los Santos Sevilla, in seinem Haus in der Region erschossen worden. Sevilla war Lehrer und führendes Gemeindemitglied der indigenen Tolupán-Gemeinschaft, der circa 20.000 Menschen angehören. Die polizeilichen Ermittlungen konnten bisher weder Zusammenhänge noch Tatverdächtige ermitteln. Derzeit sei nur bekannt, dass fünf Schwerbewaffnete in den Morgenstunden in Sevillas Haus eindrangen und ihn in Gegenwart seiner Familie erschossen. Der Beauftragte der honduranischen Regierung für Menschenrechte, Roberto Herrera Cáceres, forderte nun spezielle Schutzmaßnahmen für die Bewohner zweier Gemeinden dieser Region. Nach Aussagen des Regierungsfunktionärs mussten wegen vorheriger bedrohlicher Vorfälle die Kinder dieser Gemeinden bereits der Schule fern bleiben. Die Tolupán-Gemeinden sehen sich mit territorialen Konflikten durch illegalen Holzeinschlag und Bergbautätigkeiten nationaler und transnationaler Unternehmen konfrontiert. Montania de la Flora liegt in einem geschützten Reservat, die Tolupanes besitzen Landtitel dort.
Montaña de la Flor im Department Francisco Morazan



Der Mord an Sevilla ereignet sich knapp ein Jahr nach der Ermordung der international renommierten Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres am 3.März 2016. Wie bei Sevilla drangen in der Nacht Bewaffnete in das Haus ein und erschossen Cáceres, die sich gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden gegen den Bau des Wasserkraftwerkes Agua Zarca stellte. Der mexikanische Umweltaktivist Gustavo Castro, der mit ihr im Haus war, wurde angeschossen. In diesem Fall sind bisher acht Tatverdächtige festgenommen worden, darunter Sergio Rodriguez, ein Angestellter der Betreiberfirma DESA sowie Mariano Díaz, ein aktiver Militärangehöriger und vier Ex-Militärs. Bei der letzten Festnahme am 8. Februar handelt es sich um den 22-jährigen Óscar Torres Velásquez, der auf Castro geschossen haben soll. Der Rat für indigene und Basisorganisationen in Honduras (COPINH), deren Koordinatorin Cáceres war, kritisiert weiterhin, dass gegen die eigentlichen Auftraggeber des Mordes nicht ermittelt werde. Die honduranischen Ermittlungsbehörden seien zu schwach und von der Regierung abhängig. Nach einem Bericht der Interamerikanischen Menschenrechtskommission bleiben etwa 80 Prozent der Tötungsdelikte in Honduras in vollkommener Straflosigkeit.

Die Menschenrechtslage in Honduras hat nach der Veröffentlichung des Global Witness-Berichtes "Honduras - der tödlichste Ort, um die Erde zu verteidigen" Ende Januar international Aufmerksamkeit erregt. Global Witness fordert vom honduranischen Staat in fünf aufgeführten Fällen von Menschenrechtsverletzungen eine lückenlose Aufklärung: "Die Präsidentin der Nationalen Partei [der aktuellen Regierungspartei] und deren Beziehung zu den illegalen Staudämmen", "Der Mord an Berta Cáceres und die dunklen Interessen um Agua Zarca", "Die Bergbautätigkeit des Unternehmers Lenir Pérez", "Massaker in den Tolupán-Gemeinden" und "Die Garífuna und die Kräfte, die die touristische Entwicklung in Honduras unterstützen". Bei der zweijährigen Recherchearbeit für den Bericht hätten sich klare Verbindungen zwischen den politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes gezeigt. 123 Umweltaktivisten seien seit 2010 ermordet worden.

Nach dieser Veröffentlichung wurde erneut eine Kampagne in den regierungsnahen Medien gegen COPINH und die indigene Organisation im Department La Paz (MILPAH) sowie gegen Global Witness losgetreten.