Honduras-Delegation 2010

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Eine Delegationsreise zur Lage der Menschenrechte und der Demokratiebewegung nach dem Putsch
Aktualisiert: vor 29 Minuten 34 Sekunden

Auch Hurrikan Iota zieht verheerend über Zentralamerika

Do., 19. Nov. 20, 9:24 Uhr

Hurrikan der Kategorie fünf. Schäden und Überflutungen wieder enorm. Honduras und Nicaragua stark getroffen. Über 20 Tote

Von amerika21

 

Wohnviertel in San Pedro Sula, Honduras, unter Wasser Quelle: Sean T. Hawkey

Tegucigalpa. Knapp zwei Wochen nach Hurrikan Eta wurde Zentralamerika in den letzten Tagen erneut getroffen, nun von Iota. Wieder kam es zu heftigen Zerstörungen, Überflutungen sowie Toten. Iota zog in den vergangenen Tagen entlang der Ostküste Zentralamerikas. Er traf vor allem Nicaragua und Honduras wieder sehr hart und zog vergangene Nacht über Guatemala und El Salvador, wo er sich dann deutlich abschwächte.

In der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa wurden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch durch die Behörden sämtliche Brücken und Straßen aufgrund der gestiegenen Flüsse gesperrt. Obwohl sich der Hurrikan Iota zu einem Tropensturm abgeschwächt hatte, bleibt die Situation durch die aufgeweichten Böden und angestiegenen Flüsse kritisch, da es zu Erdrutschen und weiteren Überschwemmungen kommen kann.

Im nördlichen Department Cortés ist die gleiche Bevölkerung von den Fluten betroffen wie schon vor zwei Wochen durch den Tropensturm Eta. Es wird berichtet, dass die Städte La Lima, Choloma und auch Teile der Industriestadt San Pedro Sula unter Wasser stünden. Auch der internationale Flughafen der Stadt steht erneut unter Wasser. Die staatliche Organisation für Katastrophenschutz Copeco berichtete, dass mehr als 71.000 Personen in Notunterkünften aufgenommen wurden. In den Herbergen leben seit dem Sturm Eta von vor zwei Wochen bereits viele Menschen auf engem Raum. Durch die Corona-Pandemie ist das Risiko sehr hoch mit dem Coronavirus infiziert zu werden.

In den sozialen Netzen ist zu sehen, wie Berge von Hilfsgütern und Lebensmitteln in der Stadt Choloma in behelfsmäßigen Zelten im Wasser stehen und nicht an die betroffene Bevölkerung verteilt wurden. Das Nachbarland El Salvador hatte diese Hilfen nach dem Sturm Eta in den Norden Honduras entsendet.


Durch die Fluten zerstörte Wohnviertel in der Nähe von La Lima im Department Cortés. Foto: Honduras Solidarity Network

Die honduranische Journalistin Dina Meza, äußerte gegenüber amerika21, dass die aktuelle Regierung keinen Plan habe, um der Armut und den Auswirkungen zu begegnen. Es wurde durch Tagebaue und Wasserkraftprojekte die ansässige Bevölkerung vertrieben. "Diese Leute haben keine andere Option, als an den Flussufern in Behausungen aus Brettern und Plastikplanen und ohne sanitäre Einrichtungen zu leben. Die Regierung hat bisher den Menschen, die die Katastrophen überlebt haben, die Häuser nicht wieder aufgebaut. Von Seiten der internationalen Organisationen scheint es an Sensibilität in Bezug auf eine Überwachung der Kredite und Hilfen zu fehlen. Diese Gelder dienen einzig dazu die Taschen der Korrupten noch weiter zu füllen."

Meza steht mit dieser Äußerung nicht allein da. Nichtregierungsorganisationen mahnen die internationale Gemeinschaft an, Hilfsgüter nicht über staatliche Stellen, sondern über Kirchen oder andere Hilfswerke für die Flutopfer bereit zu stellen. Die aktuelle Regierung, Beamt:innen und Abgeordnete sind in unzähligen Korruptionsskandale verwickelt.

In El Salvador und in Guatemala haben starke Regenfälle ebenfalls zu Überschwemmungen geführt. Nach offiziellen Berichten sind in Guatemala mehr als 100.000 Menschen betroffen, über 4.400 Menschen wurden evakuiert, Häuser und Brücken sind beschädigt.

Auch Nicaragua ist betroffen, dort traf der Hurrikan am Montag bei Puerto Cabezas an der Karibikküste auf Festland. Von da an nahm seine Windgeschwindigkeit, die in den Spitzen bis zu 260 km/h erreichte, allmählich ab. Bisher wurden aus Nicaragua mindestens sechs Tote gemeldet, die durch die angestiegenen Flüsse mitgerissen wurden, mehr als 63.000 Menschen wurden evakuiert.

Die Verbindungsstraße zwischen El Progreso und Santa Rita in Honduras wurde auf der Höhe des Ortes Arena Blanca zerstört Die Verbindungsstraße zwischen El Progreso und Santa Rita in Honduras wurde auf der Höhe des Ortes Arena Blanca zerstört Quelle: Martín Calix
Ebenfalls sind die kolumbianischen Inseln San Andrés und Providencia von dem Hurrikan getroffen. Laut Berichten führte er in San Andrés zur Zerstörung von 80 Prozent der Häuser. Von Providencia wird berichtet, dass 98 Prozent der Infrastruktur beschädigt sei, das Krankenhaus habe kein Dach mehr. Darüber hinaus sind alle Telekommunikationsnetze ausgefallen. Ein schneller Wiederaufbau der gesamten Infrastruktur wurde von der Regierung versprochen.

 

Honduras unter Wasser

Sa., 14. Nov. 20, 17:30 Uhr
Kritiker machen Regierung für die gegenwärtige Tragödie und die Menschenleben, die sie kosten wird, verantwortlich: "Die staatliche Untätigkeit ist der Hauptverbündete des Hurrikans Eta."                                                                    Von Übersetzung: amerika21

Überflutung in Villanueva im honduranischen Departament  Cortés Quelle: defensoresenlinea Am 29. und 30. Oktober hat das Nationale Hurrikanzentrum in Miami Nicaragua und die Länder des Nördlichen Dreiecks alarmiert, dass der Tropensturm Eta auf die Region zusteuert und möglicherweise als Hurrikan in der nördlichen Karibik Nicaraguas auf Festland träfe und dann nach Norden Richtung Honduras und Guatemala drehen würde.

Am Sonntag, dem 1. November, riefen die nicaraguanischen Behörden für die Autonome Region Nordkaribik (RACN) und das Bergbaudreieck Alarmstufe gelb aus. Sofort wurden Notfallpläne und Präventivmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung aktiviert, darüber hinaus wurden Hilfsgüter in die Region gesendet.

 

Am frühen Morgen des 2. November wurde Eta zu einem Hurrikan, der im Laufe des Tages zunahm und sich zu einem Hurrikan der Kategorie 4 ausweitete. Mehr als 30.000 Menschen wurden evakuiert, bevor er am Dienstagmorgen, dem 3. November, südlich von Bilwi, Puerto Cabezas in der Region Mosquitia bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Stundenkilometern auf das Festland traf.

Am nächsten Tag zog Eta durch nicaraguanisches Gebiet, dabei schwächte er sich zu einem Tropensturm ab. Er hinterließ eine Spur der Zerstörung, jedoch führte die rasche Reaktion der Behörden und die sofortige Aktivierung eines effizienten und wirksamen Katastrophenschutzsystems dazu, dass keine Todesfälle als direkte Folge des Hurrikans gemeldet wurden.

Noch am selben Tag erreichte Eta Honduras, wo er sich zu einem tropischen Tiefdruckgebiet weiter abschwächte. Obwohl verlangsamt, traf das Wetterphänomen in der staatlichen Tatenlosigkeit und Verdrängung auf einen "Verbündeten". Dies verursachte Verwüstungen im Norden des Landes und insbesondere zum Überfluten des Sula-Tals durch die Flüsse Ulúa und Chamelecón.

Laut des letzten Berichtes des honduranischen Katastrophenschutzes (Copeco) verursachte Eta den Tod von 63 Menschen, dazu werden acht Personen vermisst. 267.000 Familien (2,1 Millionen Personen) sind direkt und indirekt betroffen. Mehr als 88.000 Personen wurden evakuiert und mehr als 9.000 Familien untergebracht (50.000 Personen). Es gibt mehr als 100.000 Personen, die in 68 Gemeinden immer noch ohne Kontakt zur Außenwelt sind.

Was die Infrastruktur anbelangt, so sind mehr als 14.000 Häuser betroffen, von denen 52 völlig zerstört wurden, sowie 113 beschädigte Straßenabschnitte und 29 Brücken. Weitere 21 Brücken wurden zerstört.

Diese Zahlen erfassen nicht das wahre Ausmaß, und dies besonders im Hinblick auf die Zahl der Toten, die noch steigen könnte, wenn die Flüsse wieder zurück gegangen sind und es den Rettungsmannschaften gelingt, die Gebiete zu erreichen, die noch immer von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Am Dienstag, dem 10. November, teilte mir ein Gewerkschaftsführer aus dem agroindustriellen Sektor mit, dass sechs Tage nach Beginn der Überschwemmungen noch immer mindestens 120 Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Gebiet der Ölpalmenplantagen mit ihren Familien etwa 20 Kilometer von der Stadt El Progreso eingeschlossen sind.

"Ich versuche an Boote zu gelangen, um ihnen wenigstens Wasser und Lebensmittel zu schicken. Die Situation ist katastrophal", sagte er.

Nach Angaben der Gewerkschaft für Landarbeiter (CNTC) ließen der Regen und die über die Ufer tretenden Flüsse mehr als 8.000 Männer und Frauen aus 125 bäuerlichen Siedlungen vor dem Nichts stehen. Darüber hinaus wurden etwa 1.000 Häuser schwer beschädigt, mindestens 35 Quadratkilometer der Anbauflächen gingen verloren. 400 ältere Menschen und 4.300 Kinder sind davon betroffen, so das online-Nachrichtenportal von Defensores en Linea.

Eine abwesende Regierung

Eta verschlimmert die Situation, die durch die Coronavirus-Pandemie schon dramatisch war. In Honduras gibt es 101.000 Infektions- und mehr als 2.750 Todesfälle. 65 Prozent der Bevölkerung sind von Armut betroffen.

"Die Regierung konzentrierte sich auf die Förderung der hier sogenannten 'Morazan-Woche', die für die erste Novemberwoche geplant war. Eine ohnehin schon widersprüchliche Entscheidung, weil wir uns mitten in einer Pandemie befinden. Die Regierung reagierte auf den Druck der Tourismusbranche und des transnationalen Kapitals", erklärte Gilberto Ríos Munguía, politischer Analyst und Mitglied der Oppositionspartei Libertad y Refundación (Libre).

In der Nacht vom 2. November und dem frühen Morgen des 3. Novembers, als Eta als Sturm der Kategorie 4 auf nicaraguanisches Land traf, wurde Honduras von starken Regenfällen heimgesucht, die in mehreren Gemeinden im Norden des Landes zu Überschwemmungen führte.

Trotzdem wartete die Regierung bis Montagnachmittag, um die Feierwoche abzusagen ? ohne die Bevölkerung aufzufordern, auf ihren Urlaub zu verzichten, sondern "mit Verantwortung" damit umzugehen. Erst am 4. November, als Eta auf honduranischem Gebiet ankam und Hunderte von Häusern bereits unter Wasser standen, rief sie landesweit die Alarmstufe Rot aus.

"Honduras steht weltweit an dritter Stelle der Länder, die dem Klimawandel gegenüber am verwundbarsten ist. Wir haben bereits unter den Folgen des Hurrikans Mitch vor 22 Jahren, der Zerstörung und Tod hinterlassen hat, gelitten, aber es scheint, dass diese Leute nicht lernen. Es gab keine Warnung, keine präventiven Maßnahmen. Die Bevölkerung war zuversichtlich, weil niemand sie vor dem warnte, was passieren würde. Als sie reagierten, stand ihnen das Wasser bereits bis zum Hals", sagte Rios.

Die verzweifelten Menschen sahen zu, wie die Flüsse über die Ufer traten und Straßen und Wege überfluteten. Um sich selbst zu retten, mussten sie auf die Dächer ihrer Häuser oder auf Bäume klettern und auf jemanden warten, der sie rettet. Tausende von Menschen sind immer noch dort.

"Nur das Volk rettet das Volk"

"Angesichts der Nichtbeachtung durch die Regierung musste die Bevölkerung die Verantwortung dafür übernehmen, Hunderte, Tausende von Menschen zu aktivieren, zu mobilisieren und zu retten. Die materielle Hilfe, die ankommt, ist in erster Linie die Arbeit der helfenden Bevölkerung selbst und von solidarischen Organisationen. Inmitten der Turbulenzen handelte die Regierung völlig absurd, wollte diese Hilfen kontrollieren und über staatliche Stellen kanalisieren, Institutionen, die nicht das Vertrauen der Leute genießen", so Ríos weiter.

Für den politischen Analysten ist das, was in Honduras (und Guatemala) geschieht, auch das Ergebnis einer Intensivierung des neoliberalen Modells, das auf der Privatisierung öffentlicher Güter und Dienstleistungen, der Deregulierung und Prekarisierung des Arbeitsmarktes, sowie dem Verkauf und der Plünderung von Territorien und gemeinschaftlichen Gütern beruht.

Zwischen neoliberalen Regierungen und dem Volk besteht eine Trennung, eine tiefe Spaltung. Das mangelnde Interesse am Leben großer Teile der Bevölkerung ist das greifbarste Ergebnis dieses Modells.

"Im Gegensatz zu Ländern wie Kuba, Nicaragua oder Venezuela, in denen die Bevölkerung im Mittelpunkt der öffentlichen Politik steht und sie am Staat beteiligt ist, konzentriert sich die Regierung in Honduras und den anderen Ländern mit dem neoliberalem Wirtschaftsmodell auf die Maximierung des Profits einiger weniger, und dabei wird sich nicht um die Mehrheit gekümmert. Man darf keinen Gewinn aus der Hilfe für den Nächsten schlagen, und auch nicht im Umgang mit einer Pandemie, um Leben zu retten. Dieses Geschäft folgt der Tragödie und nutzt die Gelegenheit, um weiter öffentliche Kassen zu plündern. Wir warten immer noch auf die mobilen Krankenhäuser, die etwa 47 Millionen US-Dollar kosteten und nie angekommen sind", sagte Ríos.

Die honduranische Organisation Sozialforum für Auslandsverschuldung und Entwicklung (Fosdeh) schätzt, dass jährlich mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar durch Korruption in Honduras verloren gehen.

"Die gesamte Verantwortung für die gegenwärtige Tragödie und die Menschenleben, die sie kosten wird", fällt auf die Regierung von Juan Orlando Hernández und die "Gruppe großer, geldgieriger Unternehmer, die ihn unterstützen" zurück, steht in der Erklärung der Konvergenz gegen Kontinuität von Francisco Morazán, einer zivilgesellschaftlichen Plattform Honduras.

"Die Tragödie, in der sich heute die Menschen befinden, ist nicht das Ergebnis eines Naturphänomens, sondern einer vorsätzlichen und kriminellen Politik der Narkodiktatur, die ihre Pläne der Bereicherung aus der internationalen Zusammenarbeit begünstigt", heißt es darin weiter.

Was wird jetzt passieren?

Mit der Pandemie stiegen die Schulden auf fast 18,5 Milliarden US-Dollar, und dies wird das Land noch weiter verschulden. Darüber hinaus wird es zwischen zehn und 15 Prozent zu einem Sinken des Bruttoinlandproduktes kommen. Mehr als 50 Prozent des Staatsetats würde für die Zahlung der Auslandsschulden verwendet.

Es wird ein höheres Maß an wirtschaftlicher Polarisierung geben, was zu einer stärkeren politischen und sozialen Gegensätzlichkeit führen könnte, d.h. auch mehr Gewalt, mehr Migration und ein schnellerer Abbau des sozialen Miteinanders. Im vergangenen Jahr wurden 73 Massaker verzeichnet. In diesem Jahr haben wir trotz der pandemiebedingten Einschränkung bereits 37.

Leider gibt es eine gespaltene Opposition, die es bisher nicht geschafft hat, ein gemeinsames Vorgehen gegen die Diktatur und das nationalistische Regime zu beschließen. Ohne dies wird es kaum eine Gelegenheit für politische und soziale Veränderungen im Land geben.

Quelle: nicaraguaymasespanol

BUKO-Seminar: ZEDE – Inseln des Wohlstands im Chaos von Armut, Gewalt und organisiertem Verbrechen?

Fr., 13. Nov. 20, 20:43 Uhr
In der honduranischen Karibik entsteht derzeit die weltweit erste extraterritoriale Modellstadt – indigene Gemeinden kämpfen indes um ihre Landrechte und ihre Existenz

 

Quelle: OFRANEH

Samstag, 28. November 2020, 14 bis 18 Uhr - Online (Zoom-Konferenz)

 

Auf der honduranischen Karibikinsel Roatán entsteht derzeit die „Zone für Beschäftigung und Ökonomische Entwicklung“ (ZEDE) Próspera , die weltweit erste extraterritoriale Modellstadt für private Investoren mit eigener Gesetzgebung und eigener Rechtsprechung.

Einer der Ideengeber und Investoren für das Projekt ist der deutsche Unternehmer Titus Gebel, u.a. Gründer der Deutsche Rohstoff AG. Auf seiner Website freeprivatecities schreibt er, dass Freiheit auf demokratischem Weg nicht zu erreichen sei und preist freie Privatstädte als „neues Produkt auf dem ‚Markt des Zusammenlebens‘“ an.

Ein Tochterunternehmen der Technischen Universität München, die TUM International GmbH, entwickelt nach eigener Aussage die wirtschaftlichen Aktivitäten der ZEDE Próspera auf Roatán und will einen ebenfalls als ZEDE geplanten Industriestandort in der Küstenstadt La Ceiba verwalten. Weitere internationale Unternehmen wie das Architekturbüro Zaha Hadid aus London und die Unternehmensberater von Ernst & Young sind ebenfalls an der Entwicklung von Próspera beteiligt.

Honduras hat für die Errichtung privater Modellstädte seine Verfassung geändert. Die Pläne für die ZEDE Próspera werden ohne die vorherige Information und Beteiligung der lokalen Bevölkerung umgesetzt, die Enteignung und Vertreibung befürchtet. Auf Roatán ist das vor allem auch die seit Jahrhunderten dort lebende englischsprachige Schwarze Bevölkerung.

An der honduranischen Karibikküste steht derweil die Existenz der afroindigenen Garífuna-Gemeinden auf dem Spiel. Sie wehren sich seit Jahr gegen Landraub für Großprojekte, der durch die ZEDE auf die Spitze getrieben werden kann.

Das Seminar erläutert die bisher in der deutschen Öffentlichkeit kaum bekannten rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen der honduranischen ZEDE, informiert über die Situation auf Roatán, wo sich derzeit breiter Widerstand gegen die ZEDE Próspera formiert und blickt auf die Kämpfe der organisierten Garífuna-Gemeinden an der Karibikküste. Im Anschluss soll diskutiert werden, wie die Einrichtung von ZEDE und das Engagement einer renommierten deutschen Universität für dieses dezidiert libertäre Projekt zu bewerten sind.

Wir stellen den Teilnehmenden vorab Links zu Informationen (auf Deutsch, Englisch und Spanisch) zur Verfügung.


Die erste Hälfte des Seminars findet auf Englisch ohne Übersetzung statt, die zweite Hälfte und die Schlussdiskussion auf Spanisch mit simultaner Übersetzung ins Deutsche auf einem Extrakanal.
Referentinnen:

- Beth Geglia, Anthropologin, Washington DC

- Andrea Nuila, Juristin, Heidelberg

- Miriam Miranda, Generalkoordinatorin der Garífuna-Organisation OFRANEH (angefragt)

- Eine Vertreterin des Runden Tisches zur Verteidigung der Territorien der Bay Islands (Mesa por la Defensa de los Territorios de las Islas de la Bahía) 

Seminarleitung:  Jutta Blume, Journalistin und Autorin (HondurasDelegation, Berlin), Andrea Lammers, Referentin Honduras/Menschenrechte (Ökubüro, München)

Anmeldung mit Namen, Organisation/Funktion, sehr gerne einem Satz zum Interesse am Thema und E-mail-Adresse bis 23.November an: elsal@oeku-buero.de 

***

Veranstaltende: Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V. München und HondurasDelegation für die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) in Kooperation mit dem Kurt-Eisner-Verein für politische Bildung in Bayern e.V.

Mit finanzieller Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Dringender Spendenaufruf: Honduras nach dem Tropesturm Eta

Di., 10. Nov. 20, 18:02 Uhr

Liebe Freunde, Unterstützer*innen und Interessierte,

der Tropensturm Eta hat auch in Honduras ein unbeschreibliches Ausmaß an Verwüstung vor allem durch Überschwemmungen hinterlassen. 1,6 Millionen Menschen sind betroffen, Tausende haben alles verloren: Ihr Dach über dem Kopf, Tiere, Ernte, Saatgut…

Bildquelle: MADJ/OFRANEH

Auch in den widerständigen Gemeinden und Organisationen im Norden des Landes, mit denen wir als Ökubüro und mit unseren Netzwerken HondurasDelegation und Red Europea de Solidaridad con Honduras (RESH) eng verbunden sind, ist die Situation katastrophal.

Wir möchten deshalb die Asamblea de luchadoras (Versammlung kämpferischer Frauen) unterstützen, in der sich Vertreterinnen nahezu aller Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, engagieren.
https://www.oeku-buero.de/nachricht-506/rebellisches-manifest-der-frauen-von-honduras.html
Die Frauen leisten mit ihren Netzwerken solidarische Nothilfe in ganz Honduras, besonders aber entlang der Nordküste, im Valle de Sula und im Aguán-Tal (Guapinol und weitere Gemeinden).

Wir senden Eure/Ihre Spenden zu diesem Zweck direkt an das landesweite Netzwerk von Menschenrechtsverteidiger*innen (Red Nacional de Defensoras de Derechos Humanos) in Honduras. Wir sind überzeugt, dass die Frauen, die wir gut kennen, die Unterstützung vor Ort am besten dorthin verteilen können, wo sie gerade gebraucht wird.


Spendenkonto:

Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.
Stadtsparkasse München
IBAN: DE65 7015 0000 0056 1762 58
SWIFT: SSKMDEMM
Zweck: Eta Honduras

Sofern wir Eure/Ihre Namen und Adresse haben, stellen wir Spendenquittungen aus. Unter 200 Euro genügt dem Finanzamt auch der Kontoauszug.

Crowdfunding für OFRANEH

Wer keine Spendenbescheinigung benötigt und gerne direkt an die afroindigene Organisation OFRANEH spenden möchte, dem/der empfehlen wir herzlichst die Crowdfunding-Aktion von OFRANEH Europa:

https://www.gofundme.com/f/solidarity-with-victims-of-etastorm-in-honduras

Hurrikan Eta hinterlässt Tote und schwere Schäden in Zentralamerika

So., 8. Nov. 20, 17:18 Uhr

 Von amerika21

Zerstörte Häuser und Straßen im Department Cortés in Honduras Quelle: Kevhin Ramos

San Pedro Sula. In Honduras sind mehr als 1,6 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Tropensturms Eta betroffen. Bisher sind 34 Tote zu beklagen, dazu kommen Dutzende Vermisste, 20 zerstörte Brücken und 905 unterspülte Straßen. Auch Guatemala und Nicaragua wurden schwer getroffen.

Der Hurrikan der Kategorie 4 traf am Dienstag die Nordostküste Nicaraguas und bewegte sich landeinwärts in Richtung Honduras. Zwar schwächte er sich zu einem Tropensturm ab, dies minderte jedoch die Auswirkungen nicht, da der Sturm von extremen Niederschlägen begleitet war und alle Flüsse anstiegen. Durch die Wassermassen ist besonders der Norden von Honduras betroffen. Viele Menschen im Departamento Cortés harren auf ihren Dächern aus und bitten um Hilfe, die Straßen in den Wohnvierteln sind überflutet.

 

Leonel George, Umweltaktivist aus Tocoa im nördlichen Departamento Colon, äußerte gegenüber amerika21, dass die Bevölkerung in seinem Landkreis sich selbst evakuiert und acht Sammelunterkünfte eingerichtet habe. Weder die staatliche Organisation für Katastrophenschutz (Copeco) noch die lokale Regierung seien in Tocoa sichtbar.

Aus dem benachbarten Departamento Atlántida berichtet Martin Fernández, Koordinator der Menschenrechtsbewegung MADJ, dass vielerorts nicht nur die Häuser zerstört seien. Im Landkreis Arizona seien Rinderherden ertrunken, alle Anbauflächen überflutet und die Ernten einschließlich des Saatguts weggeschwemmt worden.

Am Mittwoch rief die honduranische Regierung den Notstand aus und bat die Interamerikanische Entwicklungsbank, einen Kredit aus dem "grünen Klimafonds" über 35 Millionen US-Dollar auszuzahlen.

Dazu sind warnende Stimmen aus der Zivilgesellschaft zu hören: Hilfsfonds sollten ausschließlich über Kirchen und gesellschaftliche Organisationen ausgezahlt werden, die die Flutopfer versorgen würden, denn in der Vergangenheit und in der Corona-Krise seien öffentliche Gelder in Millionenhöhe durch staatliche Funktionäre veruntreut worden.

Auch in den Nachbarländern Nicaragua und Guatemala hat Eta eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Durch einen Erdrutsch sind mindestens 25 Häuser des guatemaltekischen Ortes Quejá begraben worden. Die Behörden rechnen mit 50 Toten. Brücken sind eingestürzt und weite Teile des Landes sind für die Helfenden nicht zugänglich. Auch in Guatemala wurde am Mittwoch der nationale Notstand ausgerufen.

In Bonanza in Nicaragua wurden zwei Bergleute, die von einem Erdrutsch verschüttet wurden, tot geborgen. 


Eine von vielen: Die Saopin Brücke in Honduras stürzte ein Quelle: radiodignidad laprensa criterio aristeguinoticias

Gewalt gegen Frauen in Honduras nimmt stark zu

Do., 5. Nov. 20, 13:09 Uhr

 Von amerika21

Frauenorganisationen kämpfen auch gegen die Straflosigkeit  bei Feminiziden Quelle: @tribunademujeres

Tegucigalpa. Neueste Zahlen belegen, dass die geschlechtsspezifische Gewalt in Honduras seit Jahren stetig ansteigt. Durch die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie nahmen häusliche Gewalt und Feminizide noch weiter zu. Der Staat unternehme weiterhin nichts, um dem entgegen zu wirken, so die Kritik.

Laut dem Observatorium der Nationalen Autonomen Universität von Honduras über die Gewalt (Observatorio de la Violencia de la Universidad Nacional Autónoma de Honduras, OV-UNAH) wurden zwischen Januar und August dieses Jahres 218 Frauen getötet, 138 von ihnen während dem nationalen Lockdown. Mit weiteren 27 Femiziden im September steigt der Durchschnitt auf einen Mord alle 26 Stunden.

 

Das Frausein in Honduras sei "mit einem hohen Risiko verbunden, da der Mangel an Schutz, mit dem wir konfrontiert sind, zu Hause beginnt und sich auf die öffentliche Sphäre ausdehnt", erklären Frauenrechtsorganisationen in Honduras.

Auch die Notrufe wegen geschlechtsspezifischer Gewalt nahmen dieses Jahr stark zu. Laut der Frauenbewegung für den Frieden "Visitación Padilla" (Movimiento de Mujeres por la Paz "Visitación Padilla") gingen zwischen Januar und September 2020 beim Nationalen Notfallsystem 76.520 Hilferufe wegen häuslicher und innerfamiliärer Gewalt ein. Am Tag sind das im Schnitt 283 Anrufe. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme von acht Prozent.

Eine Zunahme an häuslicher Gewalt durch die Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 ist weltweit zu beobachten. Durch den Lockdown müssen Frauen mit ihren Aggressoren zuhause bleiben, Hilfe suchen ist komplizierter und auch die wirtschaftliche Abhängigkeit erschwert die Situation von Frauen.

Der honduranische Staat reagiert auf diese Entwicklungen nur sehr schwach: Bis September wurden dieses Jahr lediglich 467 Urteile gefällt und 247 Verhaftungen durchgeführt.

Die Frauenorganisation gegen den Feminizid "Gladys Lanza" (La Tribuna de Mujeres Contra los Femicidios "Gladys Lanza") fordert deshalb von der Regierung konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der geschlechtsspezifischen Gewalt. Auch sollen Morde an Frauen und Feminizide verstärkt untersucht werden und Frauen besser bei der Bekämpfung der Gewalt unterstützt werden. Zudem fordert die Gruppe mehr Gerichte für Gewalttaten und Personal, das für Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt ausgebildet ist.

Merly Eguigure, Koordinatorin von "Visitación Padilla", sagt dazu: "Wir werden nicht müde, eine staatliche Antwort zu fordern, die Frauen als Bürgerinnen mit Rechten betrachtet, vor allem als Bürgerinnen, die ein gewaltfreies Leben führen können, und nicht als bloße Wählerinnen in Wahlprozessen."

rel-uita un hondudiario

EU-Abgeordnete reagieren auf erneuten Mord an Umweltschützer

Sa., 17. Okt. 20, 8:27 Uhr

Von amerika21

Isabel Albaladejo, Repräsentantin des UN-Büros des Hochkommissars für Menschenrechte in Honduras, besuchte am 15. Oktober sieben der inhaftierten Umweltschützer von Guapinol im Gefängnis in Olanchito Quelle: OACNUDH

Tocoa/Brüssel. Am Dienstagabend ist Arnold Joaquin Morazan in seinem Haus in der Gemeinde Guapinol im nördlichen Department Colon von Unbekannten ermordet worden. Morazan gehörte zu den Umweltverteidigern, die sich zusammen mit den Gemeinden friedlich gegen Tagebau und eine Eisenerzpelletieranlage des Unternehmens Inversiones Los Pinares der Geschäftsleute Lenir Perez und Ana Facusse wehren. Nationale und internationale Organisationen zeigten sich betroffen von der anhaltenden Gewalt in der Region und fordern eine umfassende Aufklärung des Mordes und eine Bestrafung der Schuldigen.

Die luxemburgische Europaabgeordnete Tilly Metz forderte eine unabhängige und internationale Untersuchung der Tat. Mehrere weitere Abgeordnete des EU-Parlaments schrieben einen offenen Brief an dessen Präsidenten, David Sassoli, und forderten ihn zu einer öffentlichen Erklärung zum Schutz der Umweltverteidiger von Guapinol auf. Erst am Montag wurden die Umweltschützer von Guapinol und die im März 2016 ermordete honduranische Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres zu den Finalisten des diesjährigen Sacharow-Preises des Europaparlaments nominiert.

 

Die Tagebaustätten befinden sich im Naturschutzgebiet Carlos Escaleras. Ihr Betrieb seit April 2018 ist durch die Kontaminierung der beiden Flüsse Guapinol und San Pedro sichtbar. Der Guapinol ist die einzige Wasserquelle in der Gegend. Morazan wurde mit weiteren 31 Umweltaktivisten seit September 2018 strafrechtlich verfolgt, acht von Ihnen sind inhaftiert. In zwei Strafverfahren werden ihnen unter anderem widerrechtliche Aneignung, Beschädigungen, Einnahme öffentlichen Raums und Brandstiftung vorgeworfen.

In einer Studie der Zentralamerikanischen Allianz gegen den Bergbau wird zum Konflikt in Guapinol erwähnt, dass bei den Genehmigungen, die Inversiones los Pinares erteilt wurden, schwerwiegende Unregelmäßigkeiten bei der Erteilung der Bergbaulizenzen innerhalb der Grenzen des Nationalparks auftraten. Es wurde darauf hingewiesen, dass vor den Entscheidungen keine vorherige Konsultation der betroffenen Gemeinden stattfand, was sowohl gegen kommunale Vorschriften als auch gegen internationale Standards verstieße.

Der Mord ereignete sich in einer Situation anhaltender Gewalt, Einschüchterung und offenen Drohungen gegen die friedlich protestierenden Einwohner des Landkreises Tocoa. Diese berichten immer wieder von Aktionen staatlicher und parastaatlicher Bewaffneter. Zuletzt kamen am 8. Oktober 50 Angehörige der Nationalpolizei und der Armee nach Guapinol. Die Bewohner des Ortes reagieren mit Angst, nicht zuletzt, weil die Soldaten Sturmhauben trugen. Die befürchteten willkürlichen Festnahmen blieben jedoch aus und die Sicherheitskräfte zogen wieder ab.

Am 8. Oktober fuhren mehrere Patrouillen mit bewaffneten Angehörigen der nationalen Polizei und der Armee in die Gemeinde Guapinol Am 8. Oktober fuhren mehrere Patrouillen mit bewaffneten Angehörigen der nationalen Polizei und der Armee in die Gemeinde Guapinol Quelle: @guapinolre

Familienangehörige der Gefangenen und die Menschenrechts-verteidiger aus Guapinol berichten in Gesprächen mit solidarischen Organisationen bereits seit mehreren Monaten, dass eine Gruppe Bewaffneter sich im Ort etabliere und immer wieder drohend ihre Macht zur Schau stelle. Diesen Kräften wird nachgesagt, dass sie enge Beziehungen zu den Unternehmen Inversiones Los Pinares und Inversiones Ecotek unterhalten würden.

Am 30. September hatten Menschenrechtsverteidiger aus dem ganzen Aguan-Tal, darunter auch Mitglieder des Gemeindekomitees aus Tocoa, dem staatlichen Schutzmechanismus für Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und Justizangestellte über Bedrohungen und die prekäre Sicherheitslage vor Ort berichtet und zum wiederholten Mal die sofortige Umsetzung effektiver Schutzmaßnahmen sowie strukturelle Maßnahmen gegen Justizwillkür und Angriffe gefordert.

Beobachtern zufolge scheitert all dies aber regelmäßig am fehlenden Willen der staatlichen Behörden, wie zum Beispiel der Staatsanwaltschaft, zur Zusammenarbeit mit dem überdies personell unterbesetzten und unterfinanzierten Schutzmechanismus.

 

Globales Klima – lokale Kämpfe

Di., 13. Okt. 20, 13:06 Uhr
Wie können lokale Strategien für Klimagerechtigkeit global verknüpft werden?

Klimagerechtigkeit ist ein globales Konzept, aber was bedeutet es konkret? Welche Herausforderungen bringt es für Deutschland und für den globalen Süden mit sich? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen?
Nach einführenden Inputs aus Süd- und Nordperspektive lernen wir konkrete Strategien des Widerstandes und Alternativen zum neoliberalen klimaschädlichen Wirtschaftsmodell am Beispiel der afro-indigenen Garífuna in Honduras kennen.

Als eine Strategie der Solidarität möchten wir unsere Solidaritätsreisen vorstellen und mit Euch diskutieren, wie wir durch Menschenrechtsbegleitung vor Ort und anschließende Öffentlichkeitsarbeit, lokale Umweltaktivist*innen vor Ort unterstützen können.

Das Seminar richtet sich zum einen an Menschen, die sich zu lokalen Klimakämpfen informieren und austauschen möchten.

Zum anderen richtet es sich an Personen, die Interesse an einer Solidaritätsreise nach Honduras im Sommer 2021 haben.

Zeit
30.10.2020, 16.30 -20.00 Uhr
31.10.2020, 10:00 – 18:00 Uhr
01.11.2020, 10:00 – 15:00 Uhr

Es können auch ausgewählte Teile als Online – Veranstaltung besucht werden.

Teilnahmegebühr für das gesamte Seminar inkl. Vollverpflegung: 10 EUR

Anmeldung bis: 23.10.2020 / steffi.wassermann@fdcl.org
Veranstalter: Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile Lateinamerika e. V. (FDCL)Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e. V.Hondurasdelegation

Buen viaje José Antonio Velasquez!

Sa., 10. Okt. 20, 10:11 Uhr

José Antonio Velasquez ist am 6. Oktober von uns gegangen.

Einige von uns durften den widerständigen und herausragenden Musiker im Sommer 2018 kennen lernen. Zusammen mit der honduranischen Sängerin Karla Lara war er vier Wochen in Deutschland unterwegs. Unter dem Titel 'Wir singen um zu kämpfen – Wir kämpfen um zu singen! Widerständische Musik aus Honduras' haben sie uns zusammen an vielen Orten begeistert. In ihrem Nachruf hat Erika Harzer diese Eindrücke ausführlich beschrieben. Zum Nachruf von Erika und Kalle

in Frankfurt. Foto: Erika Harzer     

   Konzert mit Konstantin Wecker in München. Foto: Erika Harzer


 

 

 

 

 

 

 

 

Fusion Festival, Konzert Anarche. Foto: cadeho
 

Nachdem José Antonio Velasquez am 26. September einen Schlaganfall erlitten hat, verstarb er am 6.10. im Kreise seiner Familie im Krankenhaus - im Alter von 36 Jahren!

Unsere Solidarität mit der ganzen Familie und Karla Lara, die ihn auf diesem schweren Weg begleitete.




Erneut wurde ein kritischer Journalist in Honduras getötet

So., 4. Okt. 20, 7:19 Uhr

 Von amerika21

Der ermordete Journalist Luis Almendáres Quelle: @GildateleSUR Tegucigalpa. Am Morgen des 28.September ist der Journalist Luis Almendáres an den Schussverletzungen im Universitätskrankenhaus in der Hauptstadt Tegucigalpa verstorben. Almendáres war am Vorabend in seinem Wohnort Mata de Caña im Landkreis Comayagua von Unbekannten auf einem Motorrad mehrmals angeschossen worden.

Der Anschlag wurde sofort bekannt, da der Journalist dies auf seinem persönlichen Facebook-Kanal live übertrug. In dem Mitschnitt ist zu hören, dass er angeschossen sei und um Hilfe bittet. Almendáres wurde zuerst im Krankenhaus in Comayagua versorgt und Montagmorgen in die Hauptstadt verlegt.

In den Tagen vor den tödlichen Schüssen berichtete er über eine Messerattacke auf eine Transgender-Frau. Seit 2017 hat die Organisation C-Libre, die sich für Presse- und Meinungsfreiheit einsetzt, mehr als zehn Aggressionen gegen Almendáres dokumentiert, darunter rechtliche Maßnahmen durch Privatunternehmen und Beamte der Stadtverwaltung von Comayagua. Der kritische Journalist war früher Korrespondent von Radio Globo. Er nutzte für seine journalistische Arbeit in den letzten Jahren überwiegend Facebook, um auf Missstände in Comayagua aufmerksam zu machen.

Dagoberto Rodríguez, Präsident des Journalistenkollegiums Honduras, kündigte noch am Montag angesichts des Mordes und der Drohungen gegen Mitglieder den Rückzug aus dem Mechanismus zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern, Journalisten und juristischem Personal an. Seit 2019 habe man mehrmals staatliche Stellen ersucht, die Logistik sowie die personelle und finanzielle Ausstattung für seine Arbeit zu erhöhen, jedoch ohne positive Antwort. Der Schutzmechanismus wurde im Juli 2015 gegründet und soll u.a. polizeilichen Schutz und häusliche Videoüberwachung denjenigen bieten, die wegen ihrer Arbeit bedroht werden.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Honduras verurteilte den Mord an Almendáres und forderte die honduranischen Behörden zu einer "effektiven und umfassenden Untersuchung" des Falles auf.

Die Generalstaatsanwaltschaft gab unterdessen bekannt, sie habe zusammen mit der ermittelnden Polizei DPI in Comayagua neun Durchsuchungen durchgeführt. Weitere Informationen wurden nicht bekannt gegeben.

Almendáres ist im Jahr 2020 bereits der dritte ermordete Journalist, im Juli wurden German Gerardo Vallecillo und der Kameramann Jorge Posas in La Ceiba erschossen.

Seit 2001 wurden 87 Journalisten in Honduras getötet, laut C-Libre herrsche bei mehr als 90 Prozent dieser Fälle Straflosigkeit. Mit dem Militärputsch im Jahr 2009 hat sich die Sicherheitslage für Journalisten und Menschenrechtsverteidiger weiter verschlechtert

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Stahl für den globalen Norden – Knast für den globalen Süden?

Mi., 30. Sep. 20, 7:10 Uhr

Unmittelbar neben dem Dorf Guapinol in Honduras entsteht derzeit die größte Aufbereitungsanlage für Eisenerz in Zentralamerika. Die dort gewonnenen Pellets sollen in den Export hauptsächlich in Richtung USA und Europa gehen. Das Versprechen: „Verantwortlicher Bergbau“, Arbeitsplätze, soziale Projekte und wirtschaftlicher Aufschwung für die Region. Das Rohmaterial für die neue Anlage soll aus zwei Tagebauen in der Kernzone des Nationalparks Carlos Escaleras kommen. Die Anwohner*innen fürchten um das Wassereinzugsgebiet der Flüsse Guapinol und San Pedro. Sie sind sich sicher, dass die Konzessionen für die Tagebaue mitten in einem Naturschutzgebiet illegal erteilt wurden. Ihr Protest wird mit Diffamierung, Drohungen, gewaltsamen Attacken und mit Kriminalisierung beantwortet. Acht der Umweltschützer*innen sitzen seit über einem Jahr in Untersuchungshaft, fünf weiteren droht ebenfalls ein Prozess. 

Wir sprechen mit Juana Esquivel (Stiftung San Alonso Rodríguez und Gemeindekomittee von Tocoa) und einer Aktivistin aus Guapinol über die Ursachen und Folgen des Konfliktes, der exemplarisch für viele ähnliche Fälle in der Region steht, und diskutieren über notwendige Konsequenzen 

Mittwoch, 7.Oktober 2020 

19:00 – 20:30 Uhr 

Ort: Digital (Zoom-Konferenz) 

Sprache: Spanisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche 

Anmeldung unter elsal@hotmail.com  (mit Namen, ggf. Organisation und ob Übersetzung benötigt wird, bis Montag, 5. Oktober 24 Uhr)

Wir schicken dann rechtzeitig einen link zur Konferenz. Eine Veranstaltung des Ökumenischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit e.V. in Kooperation mit dem Netzwerk HondurasDelegation, dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL) und der Christlichen Initiative Romero (CIR)


Zu weiteren Infos

* SAVE THE DATE * Seminar: Globales Klima – lokale Kämpfe

Mi., 23. Sep. 20, 13:47 Uhr
Wie können lokale Strategien für Klimagerechtigkeit global verknüpft werden? - Klimagerechtigkeit ist ein globales Konzept, aber was bedeutet es konkret? Welche Herausforderungen bringt es für Deutschland und für den globalen Süden mit sich? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen?  Ocote FilmsIn Vallecito: Die Garífuna verteidigen ihr traditionielles Land. Quelle: Ocote Films



Nach einführenden Inputs aus Süd- und Nordperspektive lernen wir konkrete Strategien des Widerstandes und Alternativen zum neoliberalen klimaschädlichen Wirtschaftsmodell am Beispiel der afro-indigenen Garífuna in Honduras kennen.

Als eine Strategie der Solidarität möchten wir unsere Solidaritätsreisen vorstellen und mit Euch diskutieren, wie wir durch Menschenrechtsbegleitung vor Ort und anschließende Öffentlichkeitsarbeit, lokale Umweltaktivist*innen vor Ort unterstützen können.

 

Das Seminar richtet sich zum einen an Menschen, die sich zu lokalen Klimakämpfen informieren und austauschen möchten.

Zum anderen richtet es sich an Personen, die Interesse an einer Solidaritätsreise nach Honduras im Sommer 2021 haben.

Zeit
30.10.2020, 16.30 -20.00 Uhr
31.10.2020, 10:00 – 18:00 Uhr
01.11.2020, 10:00 – 15:00 Uhr

Ort: P58, Prinzenallee 58, 13359 Berlin
              ** Details folgen **

Es können auch ausgewählte Teile als Online – Veranstaltung besucht werden.

Teilnahmegebühr für das gesamte Seminar inkl. Vollverpflegung: 10 EUR

Anmeldung bis: 23.10.2020 / steffi.wassermann@fdcl.org

weitere Infos: 

https://www.fdcl.org/event/save-the-date-globales-klima-lokale-kaempfe/

 

 

Staat schweigt weiter über Verbleib der entführten Garífuna

Mo., 21. Sep. 20, 20:48 Uhr

 Von amerika21

"Lebend haben sie sie uns genommen, lebend wollen wir sie  wieder": Protest für die Rückkehr der verschwundenen Garífuna Quelle: @ofraneh

Triunfo de la Cruz. Acht Wochen nach ihrem


gewaltsamen Verschwindenlassen durch Schwerbewaffnete, die Westen der Ermittlungspolizei DPI trugen, gibt es weiterhin keine Hinweise darauf, was mit drei Landrechts-Aktivisten und zwei weiteren Einwohnern der afroindigenen Garífuna-Gemeinde Triunfo de la Cruz in Honduras geschehen ist.

Nach zwei Monaten habe noch keine staatliche Institution Auskunft darüber geben können was passiert sei, sagte der Jesuitenpater Ismael Moreno, genannt Melo. "Sie sind nicht in der Lage irgendwie mitzuteilen, welche Ermittlungen angestellt wurden, um herauszufinden, wo die Garífuna sind. Nach zwei Monaten bewahren sie immer noch Stillschweigen über die abscheuliche Tat. Daraus schließen wir, dass der Staat selbst in hohem Maße dafür verantwortlich ist, was passiert ist, was daraus wurde und dass bisher alles straflos bleibt."

Familienangehörige, Gemeinden, Garífuna- und Menschenrechtsorganisationen weltweit fordern weiter Aufklärung des Verbrechens, Bestrafung der Täter und Schutz für die afroindigenen Garifuna-Gemeinden an der honduranischen Karibikküste.

Miriam Miranda, Koordinatorin von Ofraneh, betonte zuletzt immer wieder, dass das gewaltsame Verschwindenlassen, ebenso wie mehrere Morde an Garifuna-Menschenrechtsverteidigern, die vorausgingen, in einer Situation passiert seien, in der die traditionellen Garífuna-Gemeinden verschiedenen Projekten einheimischer und ausländischer Investoren im Wege stünden. Dazu gehörten "normale" Tourismusprojekte ebenso wie die Zede (Sonderzonen für Beschäftigung und ökonomische Entwicklung), für die sich der Staat besondere Rechte zur Enteignung gesichert hat, um die Gebiete dann Investoren zu überlassen, die extraterritoriale Privatstädte aus ihnen machen.

Der Kontext der Gewalttaten, so Miranda gegenüber dem Solidaritäts-Netzwerk HondurasDelegation, ist "eine Auseinandersetzung darüber, wer die Territorien kontrolliert." Die Gemeinden Triunfo de la Cruz und Punta Piedra fordern ihre vom interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof (CIDH) bestätigten Landrechte ein und verlangen eine rechtsstaatliche Antwort auf das gewaltsame Verschwindenlassen der fünf Männer aus Triunfo de la Cruz.

Polizeisprecher Jair Meza hatte am 9. September betont, es gebe Fortschritte bei den Ermittlungen und man warte auf Haftbefehle gegen die mutmaßlichen Täter. Bei dem Fall handle es sich nicht um eine Geiselnahme, so Meza, sondern um eine Entführung und es sei "bis dato keinerlei Rettungsaktion angefordert" worden.

Sowohl der CIDH als auch der UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen hatten den honduranischen Staat mit großer Dringlichkeit aufgefordert, nach Albert Snaider Centeno, Milton Joel Martínez Álvarez, Suami Aparicio Mejía García, Gerardo Misael Trochez Calix zu suchen, das Verbrechen aufzuklären und die betroffenen Gemeinden zu schützen.

Die staatlichen Berichte zu den gesetzten Fristen Ende August und Anfang September sind nicht öffentlich bekannt; dem Vernehmen nach fielen sie dürftig und unbefriedigend aus. Aus einer Resolution des Gerichtshofes vom 2. September ging hervor, dass der honduranische Staat in seiner Antwort jede eigene Beteiligung an der Tat von sich wies und keinerlei Hinweise auf den Verbleib der Verschleppten gab.

Die nächste Frist dafür wurde nun für den 28. September 2020 festgesetzt.

tsur radioprogresohn pasosdeanimalgrande

 

30.August: Internationaler Tag der Opfer des Verschwindenlassens

Mi., 2. Sep. 20, 6:54 Uhr
Ökumenisches Büro fordert Aufklärung des Verbrechens an honduranischen Garifuna, die vor 43 Tagen von Maskierten in Polizeiwesten gewaltsam verschleppt wurden

 


MÜNCHEN (29.8.2020). Fünf Männer, darunter der junge Gemeinderatsvorsitzende Sneider Centeno und zwei weitere Landrechtsaktivisten wurden am frühen Morgen des 18.Juli 2020 in der honduranischen Karibikgemeinde Triunfo de la Cruz von Schwerbewaffneten verschleppt. Die Täter kamen während der absoluten Ausgangsperre gegen 5 Uhr mit mehreren Fahrzeugen in die Gemeinde afrohonduranischer Garífuna. Sie trugen Sturmhauben und Polizeiwesten, suchten gezielt nach bestimmten Personen und verschleppten diejenigen, die sie finden konnten. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte verurteilte die Aktion als gewaltsames Verschwindenlassen - ein Staatsverbrechen, das nicht verjährt. Vereinte Nationen und interamerikanische Menschenrechtskommission forderten den honduranischen Staat auf, umfassend und unparteilich nach den Entführten zu suchen, das Verbrechen aufzuklären, die Angehörigen einzubeziehen und die Sicherheit der Bewohner*innen von Triunfo de la Cruz zu gewährleisten. Bisher wurde nach Aussage der Betroffenen nichts davon umgesetzt. Miriam Miranda, Koordinatorin der Garífuna-Organisation OFRANEH: „Der honduranische Staat zeigt einmal mehr seine Verachtung für die Garífuna, indem er irrelevante und sinnlose Informationen präsentiert.“ Die Entführten blieben bis dato verschwunden; gegen die Gemeinde und OFRANEH läuft eine Hetzkampagne.

„Es ist kein Zufall, dass mit den Garífuna-Aktivisten aus Triunfo de la Cruz gezielt Verteidiger von Territorien und Landrechten im Stil der Todesschwadronen verschleppt wurden. Dadurch soll eine ganze Community in Angst und Schrecken versetzt und von der Ungewissheit zermürbt werden“, betont Andrea Lammers, Honduras-Referentin des Ökumenischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit: „Fischer, die um ihren Zugang zum Strand fürchten, wenn dort Tourismus-Ressorts errichtet werden, junge Leute wie Sneider Centeno, die sich als ehrenamtliche Gemeinderäte engagieren und gegen das Abbrennen von Mangrovenwäldern zugunsten von Ölmpalmplantagen protestieren, stören. Sie stören Investor*innen, die es auf die honduranische Karibikküste abgesehen haben. Von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie gewaltsamem Verschwindenlassen profitieren letztlich honduranische und ausländische Unternehmen. Die Verquickung von organisiertem Verbrechen und staatlichen Institutionen ist in diesem Zusammenhang nicht hinderlich, sondern für diese Wirtschaftsinteressen durchaus funktional. Sie können auf Straflosigkeit setzen und müssen sich selbst die Hände nicht schmutzig machen.“

Zum Internationalen Tag der Opfer des Verschwindenlassens solidarisiert sich das Ökumenische Büro mit den Forderungen der Garífuna und ihrer Organisation OFRANEH:

- Snider Centeno, Suami Mejía, Milton Martínez, Gerardo Róchez und Junior Juarez müssen lebend zurückgebracht werden.

- Das Verbrechen an ihnen muss umfassend und unabhängig unter Ausschluss der Kriminalpolizei DPI, deren Westen die Entführer trugen, untersucht werden.

- Die Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 2015 zu den Landrechten der Garífuna in Triunfo de la Cruz und Punta Piedra müssen endlich umgesetzt werden.

- Alle Versuche, Garífuna-Gemeinden zu vertreiben, die Repression gegen sie, rassistische Diskriminierung, Diffamierung, Kriminalisierung und Angriffe gegen die Gemeinden und ihre Organisationen müssen gestoppt werden.

 

Urgent Action for the Garífuna Disappeared (englisch/spanisch)

Do., 27. Aug. 20, 15:57 Uhr

Das Netzwerk Honduras Solidarity unterstützt OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondureña) und die Garifuna-Gemeinden mit einer einwöchigen E-Mail-Aktion. 

Gefordert wird die  Rückkehr der gewaltsam verschwundenen Garifuna-Aktivisten, die Einhaltung des Urteils des Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs zugunsten der Garifuna-Gemeinden und ein Ende der Gewalt- und Terrorkampagne zur Vertreibung die Gemeinden. 

*HIER KLICKEN* , um an der Aktion teilzunehmen und E-Mails an den honduranischen Generalstaatsanwalt, Staatssekretär/Stabschef und die Ministerin für Menschenrechte zu schicken, mit Kopien an die Botschafter der USA und Kanadas. 

Es ist möglich, die E-Mails zu lesen, bevor sie versendet werden. 

Bitte weiter verbreiten! 


Kommt Bewegung in den Prozess im Mordfall Berta Cáceres?

Mo., 24. Aug. 20, 12:46 Uhr

Vorverhandlung gegen Ex-Geschäftsführer der Desa, jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weitere Verzögerungen könnten zu seiner Freilassung führen

Von in amerika21 "Sie dachten, die Straflosigkeit währt ewig, sie irren sich": Copinh-Video zum Verfahren im Mordfall Berta Caceres Quelle: copinh Tegucigalpa. Nach mehr als einem Jahr der Unterbrechungen und Verzögerungen scheint die honduranische Justiz nun den Prozess gegen den im Mordfall Berta Cáceres als Auftraggeber beschuldigten ehemaligen Geschäfts-führer des Unternehmens Desarollos Energéticos SA (Desa) eiligst vorantreiben zu wollen.

Dies allerdings unter merkwürdigen Bedingungen: Am vergangenen Freitag endete die Vorverhandlung gegen Roberto David Castillo Mejía hinter verschlossenen Türen.

Die Familienangehörigen der am 2.März 2016 ermordeten international bekannten Aktivistin, die Widerstand gegen das Desa-Wasserkraftwerk "Agua Zarca" leistete, waren von der virtuellen Sitzung ebenso ausgeschlossen wie internationale Beobachter, Medien und die allgemeine Öffentlichkeit.

 

Bertha Zúniga, Cáceres' Tochter und heutige Koordinatorin ihrer Organisation "Rat der Volks- und Indigenenorganisationen von Honduras" (Copinh), berichtete, Richter Carlos Irias de León habe ohne weitere Diskussion einem nicht näher begründeten Antrag der Verteidiger Castillos stattgegeben und sie ausgesperrt.

Das honduranische Büro des Hochkommissariats für Menschenrechte der Vereinten Nationen äußerte sich besorgt und forderte, dass der Prozess transparent und öffentlich ablaufen müsse. Das Internationale Forum für die Menschenrechte in Honduras wies darauf hin, dass die Öffentlichkeit der Verhandlungen nicht nur den Interessen der Opfer, der Gesellschaft und des Rechtsstaates diene, sondern auch die Rechte des Angeklagten schütze.

Richter Irías war erst kurz vor der Verhandlung berufen worden, nachdem der Oberste Gerichtshof am 19.August 2020 beschlossen hatte, die bisherige Richterin Lisseth Vallecillo Banegas im Rahmen eines Programms zur Verfahrensbeschleunigung mit sofortiger Wirkung an ein anderes Gericht zu versetzen.

Victor Fernández, Anwalt der Nebenklage, sieht darin rechtsstaatliche Prinzipien verletzt: Wenn es keine schwerwiegenden Gründe gebe, müsse der Richter, der den Fall kenne, das ganze Verfahren ohne unnötige Vorzögerungen bestreiten.

Die Staatsanwaltschaft beklagte in einer Pressemitteilung nach der Verhandlung, Castillos Verteidiger hätten erneut versucht, das Verfahren zu verzögern, indem sie einen Nichtigkeitsantrag eingebracht hätten. De facto haben sie keinen solchen Antrag gestellt, aber nochmals ihre These dargelegt, dass eine Gutachterin der Anklage Chat-Aufzeichnungen, die Castillos Verbindungen zu den im November 2018 verurteilten Auftragskillern und Mittelsmännern und seinen Anteil im Mordkomplott zeigen, gefälscht habe.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage beantragten, die Gutachten der Verteidiger, die diese angebliche Fälschung beweisen sollen, nicht zuzulassen. Richter Irias hat nun bis zum 26. August Zeit, zu entscheiden, ob Anklage gegen Castillo erhoben wird. Am 2. September endet die Frist für dessen dann zweieinhalbjährige Untersuchungshaft. Beginn der Hauptverhandlung könnte im Oktober 2020 sein.

Für die Organisation Copinh, Bertas Kinder Olivia, Bertha, Laura und Salvador Zúniga und mehrere internationale Experten war David Castillo nicht nur, wie von der Staatsanwaltschaft dargestellt, mutmaßlicher direkter Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres, sondern auch Mittelsmann zu Urhebern und Finanziers des Mordkomplottes aus der mächtigen Familie Atala Zablah, den Hauptanteilseignern der Desa. Gegen Castillo läuft ein weiteres Verfahren namens "Der Betrug am Gualcarque", das von der ehemaligen Mission gegen die Straflosigkeit in Honduras und der Sonderstaatsanwaltschaft Ufecic initiiert wurde.

Anwalt Victor Fernández erkärte dazu: "David Castillo repräsentiert ein erfolgreiches Modell des Kapitalismus, eine Person, die ihren Erfolg auf illegale, korrupte und gewalttätige Praktiken aufbaut. Er hat es geschafft, dass ökononisch mächtige Gruppen, wie die Atala, investieren und dann Teil einer kriminellen Dynamik werden, von der wir meinen, dass sie juristisch als Bildung einer kriminiellen Vereinigung anzusehen ist – was rechtlich zu klären wäre. Und jetzt möchte die Verteidigung uns erzählen, dass dieser Herr Opfer des Systems sei."  Die Mitglieder der Familie Atala Zablah, die nach Auffassung von Fernández in die Ermordung von Berta Cáceres verstrickt seien, wären sich so sicher gewesen, niemals für ihr Handeln belangt zu werden, dass sie sich um mögliche Spuren in Chats und Telefonaufzeichnungen gar nicht gekümmert hätten.

Gegen den Finanzchef der Desa, Daniel Atala Midence, hat die Cáceres‘ Familie im Mai 2020 Strafanzeige gestellt.

Keine Spur der entführten Menschenrechtsverteidiger

So., 23. Aug. 20, 7:43 Uhr

 Von amerika21

Mitglieder der Garífunaorganisation Ofraneh protestierten vor dem Sitz der ermittelnden Polizei in San Pedro Sula Quelle: Honduras Solidarity Network

Triunfo de la Cruz. Nach mehr als einem Monat des gewaltsamen Verschwindens der fünf Garífuna-Aktivisten Alberth Sneider Centeno, Milton Martínez Álvarez, Suami Mejía García, Gerardo Róchez Cálix und Junior Rafael Juárez Mejía ist noch kein brauchbarer Hinweis auf deren Verbleib gefunden worden.

Mitglieder der Garífunaorganisation Ofraneh protestierten am Freitag vor dem Sitz der ermittelnden Polizei (DPI) in San Pedro Sula. Sie fordern die Entführten lebend zurück, drängen auf Ermittlungen und den Respekt ihrer angestammten Territorien.

Gegenüber den honduranischen Medien äußerte der Polizeisprecher Rommel Martínez, dass es in dem Fall "ermutigende" Entwicklungen gebe, die jedoch noch nicht veröffentlicht werden können. Eine Ermittlungseinheit bestehend aus verschiedenen honduranischen Polizeikräften und der internationalen Polizei (Interpol) werde in dem Fall von der US-Bundespolizei FBI beraten.

Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte erließ am 6.August eine Resolution, in der er den Staat Honduras anweist, die Garifuna-Gemeinden zu schützen und nach den Verschwundenen zu suchen.

Die fünf jungen Männer waren am 18. Juli in den Morgenstunden von zwölf maskierten, schwerbewaffneten Männern in DPI-Uniformen mit vorgehaltenen Waffen in Fahrzeuge ohne polizeiliche Kennzeichen gezwungen worden. Ein Augenzeuge berichtet, dass die Entführer nicht wie Polizisten gesprochen hätten und dass die Aktion "zu gut organisiert" gewesen sei.

Inés García, Ofraneh-Aktivistin weist gegenüber dem Nachrichtenportal VICE News darauf hin, dass dahinter eine "eine Kombination aus Grundbesitzern und reichen Leuten steckt, die hier ein Resort errichten wollen. Diese Leute verhandeln nicht mit der Gemeinde."

Der entführte Alberth Centeno ist führendes Gemeindemitglied in Triunfo de la Cruz. Er setzt sich seit 2015 dafür ein, dass die Regierung den Garífuna nach einem Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte ihr gestohlenes Land zurück gibt. Mehrere Tage vor der Entführung habe er Morddrohungen erhalten.

Seit mehr als 200 Jahren leben die Garífuna an der Karibikküste von Honduras. Drogenhändler und Unternehmer aus der Palmölindustrie und der Tourismusbranche erheben Anspruch auf das Küstenland, auf dem sie leben.

Honduras Solidarity Network criterio vice

Politische Justiz in Honduras: Gericht entscheidet gegen Umweltaktivisten

Mi., 19. Aug. 20, 7:37 Uhr

Acht Umweltschützer bleiben in Untersuchungshaft. Weiteren fünf Aktivisten droht nun ebenfalls Gefängnis und Anklage

Von amerika21  Das Umweltkomitee von Tocoa fordert die Freilassung der acht Inhaftierten und die Einstellung der Verfahren gegen alle Beschuldigten Quelle: @RadioProgresoPaginaOficial

Tegucigalpa/Tocoa. Schlechte Nachrichten für acht politische Gefangene aus den Dörfern Guapinol und Sector San Pedro in Honduras: Statt sie aus der inzwischen einjährigen U-Haft zu entlassen, beschloss ein Berufungsgericht, dass Porfirio Sorto Cedillo, José Avelino Cedillo, Orbin Naún Hernández, Kevin Alejandro Romero, Arnold Javier Aleman, Ever Alexander Cedillo, Daniel Marquez und Jeremías Martínez Díaz im Gefängnis bleiben und Anklage gegen sie erhoben werden soll.

Fünf weiteren Führungsmitgliedern der Gemeinden und des Komitees für die Verteidigung der Gemeingüter aus Tocoa ? Juan López, Leonel George, Reynaldo Domínguez, Marco Tulio Ramos und José Cedillo ? droht nun nach dem Willen des gleichen Gerichtes ebenfalls Haft und Anklage.

Das Verfahren gegen die Umweltaktivisten war nach Protesten im In- und Ausland im März 2019 eingestellt worden. Damals war die internationale Aufmerksamkeit groß, mehrere Botschaften hatten Beobachter geschickt.

 

Nun wendet sich das Blatt inmitten der in Honduras immer weiter eskalierenden Corona-Krise. Verteidiger Efraín Ramírez erklärt dazu: "Das Land ist in einer juristisch sehr gefährlichen, sehr schwierigen Situation. Man nimmt an, dass wir in einem Rechtsstaat leben, in legalen Verhältnissen. Wir sehen aber täglich, wie dieser Rechtsstaat von denselben Institutionen manipuliert wird, die ihn eigentlich schützen müssten." Es gebe keine unabhängige Justiz, stattdessen eine "justizielle Dienstleistung, die von verschiedenen Mächten innerhalb des Staates und faktischen Wirtschaftsmächten manipuliert wird", so Rechtsanwalt Joaquín Mejía.

Im Dezember 2013 hatte der honduranische Kongress ein Dekret gebilligt, das über 200 Hektar aus der besonders geschützten Kernzone des Naturschutzgebietes Nationalpark Montaña de Botaderos Carlos Escaleros herausschnitt und damit zwei Konzessionen für den Abbau von eisenerzhaltigem Gestein möglich machte.

Das Unternehmen EMCO Mining (heute Inversiones Los Pinares) hatte sie beantragt. Die Umweltgenehmigungen wurden 2014 gegen die ursprüngliche Meinung von Umwelt- und Forstbehörden erteilt. Die beiden Tagebaue bedrohen indes das Wassereinzugsgebiet der Flüsse Guapinol und San Pedro. Gemeindebewohner, die ihr Trinkwasser aus diesen Flüssen beziehen, versuchten seit 2015, juristisch gegen die Genehmigungen vorzugehen. Als dies nichts fruchtete, errichteten sie im August 2018 ein Protestcamp an der Zufahrtsstraße zur Baustelle.

Die derzeitigen Anschuldigungen gegen sie gehen auf ein Ereignis am 7. September 2018 zurück.

Damals rückten bewaffnete Arbeiter und Sicherheitspersonal des Bergbauunternehmens gegen das Protestcamp in Guapinol vor. Ein Wachmann schoss einen Jugendlichen in den Rücken und flüchtete. Daraufhin hielten Demonstranten seinen Chef fest bis die Polizei kam. Am selben Tag wurden ein Auto sowie zwei Container zur Unterbringung des Sicherheitspersonals des Unternehmens in Brand gesetzt. Den Aktivisten wird Freiheitsberaubung vorgeworfen. Außerdem wird ihnen Brandstiftung in einem schweren Fall (das heißt mit Gefährdung von Personen und/oder wichtigen Gütern) unterstellt, für die die Staatsanwaltschaft jedoch bisher keinerlei Indizien oder Beweise vorgelegt hat. Gegen den Wachmann wurde trotz der schweren Verletzung des Jugendlichen nicht einmal ermittelt.

Das Berufungsgericht hatte seine Entscheidung schon am 3. März 2020 gefällt. Sie wurde den Anwälten der Beschuldigten jedoch erst am 13. August 2020 zugestellt. Diese kündigten an, gegen die Entscheidung vorzugehen. Sie weise wiederum zahlreiche Merkmale auf, die mit einem rechtsstaatlichen Verfahren nicht vereinbar seien. Unter anderem wurden ganze Absätze aus einem anderen Urteil mit anderen Namen in den Beschluss kopiert. Das Verteidigerteam wird auch versuchen, Ermittlungen gegen das Berufungsgericht selbst zu beantragen, bei dem noch mehrere ähnliche Fälle anhängig sind.

Ausgelöst wurde die Aktion durch die Staatsanwaltschaft, die sich mit der Einstellung des Verfahrens nicht zufrieden gab. Weiterer Kläger ist das Unternehmen Inversiones Los Pinares, das dem einflussreichen Unternehmerehepaar Ana Facussé (Tochter des verstorbenen Palmölmagnaten Miguel Facussé) und Lenir Pérez gehört. Mit ihrem Unternehmen Emco/PIA sind Pérez und Facussé Geschäftspartner des Münchner Flughafens beim Bau und Betrieb des neuen internationalen Flughafens von Honduras "Palmerola International Airport" (amerika21 berichtete). Pérez wurden Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit einem anderen Bergbauprojekt vorgeworfen, er wurde jedoch nie verurteilt.

Der aktuellen juristischen Entscheidung war eine militärische Aktion vorausgegangen: Am 7. August 2020 versetzten vermummte Soldaten, die am späten Abend in die Gemeinde eindrangen, die Anwohner von Guapinol in Angst und Schrecken. Ecotek, ein weiteres Unternehmen von Peréz/Facussé, baut derzeit mit US-amerikanischer Beteiligung am Ortsrand der Gemeinde die laut Medienberichten größte Eisenerzpelletieranlage Zentralamerikas.

WEG MIT INGELSA! - Brief an die Interamerikanische Entwicklungsbank

Sa., 15. Aug. 20, 14:24 Uhr

Im Landkreis Arizona soll durch das Unternehmen INGELSA ein illegales Wasserkraftwerk errichtet werden. Die betroffene Bevölkerung hat sich mehrheitlich gegen dieses Projekt ausgesprochen.

Unter diesem link finden Sie den Originaltext des Briefes  - Sie können den Brief an die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) unterstützen und unterzeichnen!

Übersetzung: HondurasDelegation

Wasser ist ein Recht. Keine Ware. Jilamito widersteht. Foto: MADJ



San Pedro Sula, Cortés, Juli 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Interamerikanischen Entwicklungsbank/ IDB

der Internationalen Entwicklungsfinanzierungs-Corporation/DFC,

und der Monkey Forest Consulting

wir grüßen Sie seitens der „Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ (MADJ), einer sozialen und politischen Organisation in Honduras, in der sich verschiedene ländliche, städtische und indigene Gemeinden organisieren. Männer und Frauen, die sich für Würde und Gerechtigkeit, den Kampf gegen Korruption und Straflosigkeit, die Verteidigung von natürlichen Gemeingütern, Menschenrechte und die Rechte der indigenen Völker einsetzen.

 

Seit unserer Gründung im Jahr 2008 arbeiten wir unermüdlich gegen Straflosigkeit und das illegale Handeln staatlicher Institutionen, das aktuell durch die kriminelle Dynamik der Rohstoffunternehmen, die sich der Plünderung unserer natürlichen Reichtümer verschrieben haben noch verstärkt.

Im Landkreis Arizona, Atlántida, stellten sich im Zusammenhang mit dem Wasserkraftprojekt Jilamito mehrere sogenannte Berater*innen, einschließlich der Beraterin Rebecca Reiber von der Firma Monkey Forest Consulting vor, um sich mit dem Bürgermeister und der Landkreisverwaltung zu treffen. Das Wasserkraftprojekt Jilamito (PHJ) befindet sich im Besitz der kommerziellen Gesellschaft Inversiones de Generación Electricas Sociedad Anónima de Capital Variable (INGELSA).

Diese Berater*innen haben sich ausschließlich mit ausgewählten Personen getroffen, die mit dem Wasserkraftprojekt in Verbindung stehen und vermieden eine Versammlung mit den Bewohner*innen und den organisierten sozialen Sektoren der 16 Gemeinden der Einflusszone des Projekts. Ihre Erfahrungen bezüglich der schweren sozio-ökologischen Auswirkungen, die das PHJ für sie gebracht hat, wurden weder angehört noch dokumentiert. Ebenso wenig wie ihre Entscheidung, das Wasser des Jilamito-Flusses ausschließlich für den menschlichen Verbrauch zu nutzen und jegliche Art von kommerzieller Nutzung, einschließlich der Nutzung von Wasserkraft, abzulehnen.

Das Wasserkraftprojekt am Jilamito-Fluss gehört zu einer Gruppe von Projekten, die 2009 an dem durch das Nationale Energieunternehmen (ENEE) geförderte internationale Ausschreibungsverfahren teilnahmen und von der Auswahlkommission für technisch und wirtschaftlich unrentabel erklärt wurde. Dies betraf auch andere Projekten wie das der Sociedad Mercantil Mesoamericana S.A. (SEMSA) in der Gemeinde von Mezapa, das von der gleichen Unternehmergruppe entwickelt wurde. Nach Ablehnung beider Projekte wurden in betrügerischer Weise dennoch Verträge mit dem Staat abgeschlossen und versucht gegen die Interessen der öffentlichen Verwaltung vorzugehen.

Diese Verträge sind der Beginn eines von korrupten Praktiken geprägtes Verfahren zwischen dem Unternehmen INGELSA und honduranischen Staatsbeamten, eine Praktik, die sich bis heute fortsetzt. Dies schließt auch die Umweltlizenz ein, die 2013 erteilt wurde, ohne die Gemeinden über die negativen Auswirkungen des Projektes auf ihr Recht auf Wasser und eine gesunde Umwelt zu informieren und sie aktiv zu beteiligen. 

Diese korrupten Praktiken wurden erneut 2015 deutlich, als wir, die in der „Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ (MADJ) organisierten Gemeinden, den Autoritäten des Landkreises Arizona gegenüber unsere Ablehnung des PHJ klar machten und die  Einberufung einer offenen Diskussions- und Abstimmungsversammlung forderten. Sowohl vor als auch nach der Einberufung der Versammlung vom 20. November 2015 fanden offensichtlich mehrere korrupte Manöver statt, um das Ergebnis zu Gunsten des Unternehmens zu manipulieren. Aufgrund dieser Vorgehensweise haben wir Anzeigen gegen den damaligen Bürgermeister, Adolfo Alfonso Paguada Saybe, erhoben.

Auf dieser Versammlung haben wir von der Landkreisverwaltung gefordert, dem Unternehmen INGELSA KEINE ERLAUBNIS für den Bau des Wasserkraftprojektes PHJ zu erteilen und den Landkreis Arizona zu einem wasserproduzierendem Gebiet zu erklären, frei von Bergbau- und Wasserkraftprojekten, die ausschließlich dem menschlichen Gebrauch dient. Diese Entscheidung wurde am 24. März 2019 durch eine neu einberufene offene Gemeindeversammlung ratifiziert. Im Februar diesen Jahres wurde auf kommunaler Ebene eine Bürgerkommission (Mecanismo Comunitario) zur Umsetzung der gemeinschaftlichen Erklärungen eingerichtet, mit der wir unsere Entscheidung verdeutlicht haben, weder unseren Fluss noch unser Territorium für den Bau und den Betrieb von Bergbauprojekten an Unternehmen abzutreten.

Vor diesem Hintergrund fragen wir Sie: Was müssen Sie noch wissen, um unsere seit 2015 getroffene und im vergangenen Jahr vom höchsten Entscheidungsgremium für das Leben unserer Gemeinden ratifizierte Entscheidung ZU RESPEKTIEREN? Wo finden sich die beschriebenen Missionen und Visionen Ihrer jeweiligen Institutionen wieder, die eindringlich von umweltfreundlicher nachhaltiger Entwicklung, von sozialer Verantwortung, Einhaltung internationaler Standards, der Unterstützung von Projekten ohne Schaden für die Gemeinden sprechen? Sie stellen trotz unserer Entscheidung weiterhin Ihr Geld zur Verfügung, vermitteln, entsenden Berater*innen und Vereinbarungen mit Gruppen treffen, die nicht legitimiert sind, um unsere Interessen zu vertreten?

Erwähnenswert ist der Bericht der Arbeitsgruppe „Wirtschaft und Menschenrechte“, der im Mai dieses Jahres auf der 44. Sitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde. Dort heißt es, dass „der systematische Mangel an Transparenz und maßgeblicher Beteiligung der betroffenen Gemeinden an Entscheidungen über Entwicklungsprojekte, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, sowie in den Bereichen Energie und Agroindustrie, eine der Hauptursachen für die meisten sozialen Konflikte ist.“ Darüber hinaus mahnte die Arbeitsgruppe, dass „Straffreiheit und Korruption das Vertrauen in die öffentlichen Behörden und ihre Fähigkeit, die betroffenen Gemeinden vor geschäftsbedingten Menschenrechtsverletzungen zu schützen, untergraben haben".

Sie wissen, dass INGELSA nicht über die Genehmigungen für den Bau ihres Projekts verfügt. Das hat sowohl mit unserer Entscheidung den Fluss und die Lebensräume dauerhaft zu verteidigen, als auch der geschaffenen Bürgerkommission zu tun, die über die Erfüllung und Einhaltung unserer Erklärung wacht. Dazu kommt die Errichtung unseres Protestcamps zur Verteidigung des Flusses Jilamito am 15. Mai 2017.

Sie sollten wissen dass, wir seit 3 Jahren halten das Protestcamp aufrechterhalten, denn weiß auch Ihr Gegenüber, das Unternehmen INGELSA, das Sie unterstützen und in das Sie investieren. Sie sollten auch wissen, dass dieses Unternehmen infolge unserer legitimen Ausübung des Rechts auf die Verteidigung des Wassers, gegen fünf führende Gemeindevertreter einen Kriminalisierungsprozess anstrengt. Unter ihnen der derzeitige Bürgermeister von Arizona, mit dem sie sich nun treffen wollen, um ihm mitzuteilen, dass sich INGELSA für das Projekt harmonische und friedliche Beziehungen wünscht. Von welcher Art von Dialog sprechen sie, wenn sie Gewalt als Instrument zur Sicherung ihrer Investitionen und Interessen einsetzen?

Der Bürgermeister, mit dem sie nun einen Dialog führen und damit die Gemeinden übergehen wollen, ist derselbe, gegen den Mitarbeiter von INGELSA 2017 einen Mord geplant hatten, weil er die gemeinschaftliche Erklärung unterstützte, dass der Fluss Jilamito Wasser nur für den menschlichen Verbrauch zu nutzen sei. Mit einer öffentlichen Anzeige gegen dieses Komplotts, das durch den ersten Ingenieure des Wasserkraftprojektes, Hegel Ernesto Velázquez Mendoza und dem Arbeiter Carlos Omar Escalante Monge geplant wurde, antwortete INGELSA mit einer sofortigen Klage, um die Anzeige sofort zu diskreditieren. Escalante Monge floh aus dem Land.  Am 29. Juli 2019 wurde der Bürgermeister Arnoldo Chacón von der ungerechtfertigten Verleumdungsklage freigesprochen, da man davon ausgeht, dass seine öffentliche Anzeige zum Komplott zu seiner Ermordung auf wahren Fakten beruhte.

SEMSA damals, und heute INGELSA, stehen für uns für dasselbe, sie sind Synonym und Praxis von Korruption, Straffreiheit, Illegalität, Gewalt und Tod. Wir sind nicht an ihrem Kapital, ihrem vermeintlichen Nutzen, ihrer vermeintlichen Entwicklung interessiert. Wir entwickeln unsere Gemeinden selbst durch das angelaufene kommunale Trinkwasserprojekt aus dem Jilamito-Fluss für den menschlichen Verbrauch selbst. Damit verwirklichen wir das Recht auf Wasser und freuen uns nicht die Taschen krimineller Unternehmen zu füllen.

Ihr Verhalten als Finanziers und Vermittler für den Bau dieses Projekts ist kein Akt von Naivität. Sie wissen ganz genau, dass diese Unternehmen bereit sind alles zu tun, um ihr Kapital zu schützen. Ihr Geld ist mit unschuldigem Blut befleckt und ist Teil der Fäulnis und Manipulation der Justiz unseres Landes. Sie (die Unternehmen) sind direkt verantwortlich für die Verfolgung, Einschüchterung, Angriffe und Morde an sozialen und Gemeindeführern und alles, was ein Hindernis für ihre Ansprüche darstellt, wie sie es bei COPINH und Berta Cáceres getan haben.

Ein Akt der Mindestverantwortung ihrerseits würde darin bestehen, zu ihren vermeintlichen Prinzipien als Instanzen, zu ihren Visionen und Missionen zurückzukehren, nach Kohärenz zu suchen und den Anspruch aufzugeben, das Gesicht dieser kriminellen Unternehmen zu beschönigen, die dem Leben, der Würde und der Gerechtigkeit widersprechen. Aus all diesen Gründen ersuchen wir Sie ausdrücklich darum:

1. Unsere souveräne und legitime Entscheidung der Bevölkerung von Arizona zu respektieren, die in der öffentlichen Gemeindeversammlung getroffen wurde.

2. Respektieren Sie unsere Menschenrechte als Gemeinden von Arizona, die Rechte auf Gesundheit, auf eine gesunde Umwelt, auf Wasser, auf persönliche Integrität und auf Würde und kollektive Rechte.

3. Respektieren Sie die Entschlossenheit der Bevölkerung und der lokalen Regierung von Arizona, das Wasser des Jilamito-Flusses für ein Projekt bereitzustellen, das die Mehrheit der Bevölkerung mit Trinkwasser versorgen wird.

4. Verzichten Sie auf die Finanzierung des Jilamito-Wasserkraftprojekts, das die Firma INGELSA mit Gewalt durchsetzen will.

5. Betrachten Sie unsere Bereitschaft zum Dialog, um alle Zweifel hinsichtlich der Haltung auszuräumen, die darin besteht, die Nutzung des Wassers aus dem Jilamito-Fluss nicht für kommerzielle Zwecke, sondern ausschließlich für den menschlichen Gebrauch zuzulassen.

Wenn unsere Argumente Sie nicht überzeugen und Sie beschließen, INGELSA weiterhin zu unterstützen, erhalten Sie unsere feste, legitime und nachdrückliche Entscheidung in unseren Territorien, in den Gerichten und in allen Räumen, mit Formen des friedlichen Widerstandes, uns zu verteidigen. Wir werden verantwortungsbewusst gegen ihre Institutionen und ihre Führungskräfte vorgehen, denn auch wir haben gelernt, an dem Ort und in der Weise, wie es die Umstände und der Kampf von uns verlangen, Gerechtigkeit zu fordern und zu tun.

In unmittelbarer Zukunft sollten Sie wissen, dass es in Arizona, Atlántida eine organisierte Bevölkerung gibt, die bereit ist, Souveränität und Selbstbestimmung bei der Verwaltung unserer gemeinsamen, öffentlichen und natürlichen Güter auszuüben. Wir stellen klar, dass wir ihr Geld, ihre Vermittlung, ihre Investitionen oder ihre Entwicklung, die Teil des Umweltkollapses ist, der die Welt in einem prekären Zustand hält, nicht brauchen. Hier gibt es Würde und Entschlossenheit. Wir werden weiterhin ohne Unterlass Widerstand leisten und unsere Entscheidung durchsetzen.

¡WEG MIT INGELSA!

¡ARIZONA IST FREIES TERRITORIUM VON EXTRAKTIVISTISCHEN PROJEKTEN!

Koordination
Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (MADJ)

 https://madj.org/index.php/tag/bid/

Familien in Honduras hungern - Spendenaufruf Naturfreunde Berlin

Sa., 8. Aug. 20, 18:09 Uhr
Haus in San Franzisco de Locomapa Foto:MADJSeit Mitte März besteht aufgrund der Corona-Pandemie in Honduras der Ausnahmezustand. Viele Menschen leiden Hunger, da sie nicht mehr ihren Erwerb nachgehen können. Seit mehreren Monaten verteilt das Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (MADJ) Lebensmittel an die ärmsten Haushalte. Mit 30 Euro Spende kann ein Haushalt mit sieben Mitgliedern einen Monat überleben. Ihr könnt das MADJ direkt bei ihrer wichtigen Arbeit für die Menschen in Honduras unterstützen:
Mit einer Spende von 30 Euro kann MADJ einen Haushalt mit sieben Mitgliedern eine Lebensmittelration für einen Monat bringen.
Mit einer Spende von 100 Euro kann MADJ fünf Haushalte mit drei Mitgliedern Lebensmittelrationen für einen Monat bringen. Hier kommt ihr direkt zum Spendenaufruf und weiteren Informationen