Honduras-Delegation 2010

Inhalt abgleichen
Eine Delegationsreise zur Lage der Menschenrechte und der Demokratiebewegung nach dem Putsch
Aktualisiert: vor 1 Woche 2 Tage

30.August: Internationaler Tag der Opfer des Verschwindenlassens

Mi., 2. Sep. 20, 7:54 Uhr
Ökumenisches Büro fordert Aufklärung des Verbrechens an honduranischen Garifuna, die vor 43 Tagen von Maskierten in Polizeiwesten gewaltsam verschleppt wurden

 


MÜNCHEN (29.8.2020). Fünf Männer, darunter der junge Gemeinderatsvorsitzende Sneider Centeno und zwei weitere Landrechtsaktivisten wurden am frühen Morgen des 18.Juli 2020 in der honduranischen Karibikgemeinde Triunfo de la Cruz von Schwerbewaffneten verschleppt. Die Täter kamen während der absoluten Ausgangsperre gegen 5 Uhr mit mehreren Fahrzeugen in die Gemeinde afrohonduranischer Garífuna. Sie trugen Sturmhauben und Polizeiwesten, suchten gezielt nach bestimmten Personen und verschleppten diejenigen, die sie finden konnten. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte verurteilte die Aktion als gewaltsames Verschwindenlassen - ein Staatsverbrechen, das nicht verjährt. Vereinte Nationen und interamerikanische Menschenrechtskommission forderten den honduranischen Staat auf, umfassend und unparteilich nach den Entführten zu suchen, das Verbrechen aufzuklären, die Angehörigen einzubeziehen und die Sicherheit der Bewohner*innen von Triunfo de la Cruz zu gewährleisten. Bisher wurde nach Aussage der Betroffenen nichts davon umgesetzt. Miriam Miranda, Koordinatorin der Garífuna-Organisation OFRANEH: „Der honduranische Staat zeigt einmal mehr seine Verachtung für die Garífuna, indem er irrelevante und sinnlose Informationen präsentiert.“ Die Entführten blieben bis dato verschwunden; gegen die Gemeinde und OFRANEH läuft eine Hetzkampagne.

„Es ist kein Zufall, dass mit den Garífuna-Aktivisten aus Triunfo de la Cruz gezielt Verteidiger von Territorien und Landrechten im Stil der Todesschwadronen verschleppt wurden. Dadurch soll eine ganze Community in Angst und Schrecken versetzt und von der Ungewissheit zermürbt werden“, betont Andrea Lammers, Honduras-Referentin des Ökumenischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit: „Fischer, die um ihren Zugang zum Strand fürchten, wenn dort Tourismus-Ressorts errichtet werden, junge Leute wie Sneider Centeno, die sich als ehrenamtliche Gemeinderäte engagieren und gegen das Abbrennen von Mangrovenwäldern zugunsten von Ölmpalmplantagen protestieren, stören. Sie stören Investor*innen, die es auf die honduranische Karibikküste abgesehen haben. Von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie gewaltsamem Verschwindenlassen profitieren letztlich honduranische und ausländische Unternehmen. Die Verquickung von organisiertem Verbrechen und staatlichen Institutionen ist in diesem Zusammenhang nicht hinderlich, sondern für diese Wirtschaftsinteressen durchaus funktional. Sie können auf Straflosigkeit setzen und müssen sich selbst die Hände nicht schmutzig machen.“

Zum Internationalen Tag der Opfer des Verschwindenlassens solidarisiert sich das Ökumenische Büro mit den Forderungen der Garífuna und ihrer Organisation OFRANEH:

- Snider Centeno, Suami Mejía, Milton Martínez, Gerardo Róchez und Junior Juarez müssen lebend zurückgebracht werden.

- Das Verbrechen an ihnen muss umfassend und unabhängig unter Ausschluss der Kriminalpolizei DPI, deren Westen die Entführer trugen, untersucht werden.

- Die Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 2015 zu den Landrechten der Garífuna in Triunfo de la Cruz und Punta Piedra müssen endlich umgesetzt werden.

- Alle Versuche, Garífuna-Gemeinden zu vertreiben, die Repression gegen sie, rassistische Diskriminierung, Diffamierung, Kriminalisierung und Angriffe gegen die Gemeinden und ihre Organisationen müssen gestoppt werden.

 

Urgent Action for the Garífuna Disappeared (englisch/spanisch)

Do., 27. Aug. 20, 16:57 Uhr

Das Netzwerk Honduras Solidarity unterstützt OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondureña) und die Garifuna-Gemeinden mit einer einwöchigen E-Mail-Aktion. 

Gefordert wird die  Rückkehr der gewaltsam verschwundenen Garifuna-Aktivisten, die Einhaltung des Urteils des Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs zugunsten der Garifuna-Gemeinden und ein Ende der Gewalt- und Terrorkampagne zur Vertreibung die Gemeinden. 

*HIER KLICKEN* , um an der Aktion teilzunehmen und E-Mails an den honduranischen Generalstaatsanwalt, Staatssekretär/Stabschef und die Ministerin für Menschenrechte zu schicken, mit Kopien an die Botschafter der USA und Kanadas. 

Es ist möglich, die E-Mails zu lesen, bevor sie versendet werden. 

Bitte weiter verbreiten! 


Kommt Bewegung in den Prozess im Mordfall Berta Cáceres?

Mo., 24. Aug. 20, 13:46 Uhr

Vorverhandlung gegen Ex-Geschäftsführer der Desa, jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weitere Verzögerungen könnten zu seiner Freilassung führen

Von in amerika21 "Sie dachten, die Straflosigkeit währt ewig, sie irren sich": Copinh-Video zum Verfahren im Mordfall Berta Caceres Quelle: copinh Tegucigalpa. Nach mehr als einem Jahr der Unterbrechungen und Verzögerungen scheint die honduranische Justiz nun den Prozess gegen den im Mordfall Berta Cáceres als Auftraggeber beschuldigten ehemaligen Geschäfts-führer des Unternehmens Desarollos Energéticos SA (Desa) eiligst vorantreiben zu wollen.

Dies allerdings unter merkwürdigen Bedingungen: Am vergangenen Freitag endete die Vorverhandlung gegen Roberto David Castillo Mejía hinter verschlossenen Türen.

Die Familienangehörigen der am 2.März 2016 ermordeten international bekannten Aktivistin, die Widerstand gegen das Desa-Wasserkraftwerk "Agua Zarca" leistete, waren von der virtuellen Sitzung ebenso ausgeschlossen wie internationale Beobachter, Medien und die allgemeine Öffentlichkeit.

 

Bertha Zúniga, Cáceres' Tochter und heutige Koordinatorin ihrer Organisation "Rat der Volks- und Indigenenorganisationen von Honduras" (Copinh), berichtete, Richter Carlos Irias de León habe ohne weitere Diskussion einem nicht näher begründeten Antrag der Verteidiger Castillos stattgegeben und sie ausgesperrt.

Das honduranische Büro des Hochkommissariats für Menschenrechte der Vereinten Nationen äußerte sich besorgt und forderte, dass der Prozess transparent und öffentlich ablaufen müsse. Das Internationale Forum für die Menschenrechte in Honduras wies darauf hin, dass die Öffentlichkeit der Verhandlungen nicht nur den Interessen der Opfer, der Gesellschaft und des Rechtsstaates diene, sondern auch die Rechte des Angeklagten schütze.

Richter Irías war erst kurz vor der Verhandlung berufen worden, nachdem der Oberste Gerichtshof am 19.August 2020 beschlossen hatte, die bisherige Richterin Lisseth Vallecillo Banegas im Rahmen eines Programms zur Verfahrensbeschleunigung mit sofortiger Wirkung an ein anderes Gericht zu versetzen.

Victor Fernández, Anwalt der Nebenklage, sieht darin rechtsstaatliche Prinzipien verletzt: Wenn es keine schwerwiegenden Gründe gebe, müsse der Richter, der den Fall kenne, das ganze Verfahren ohne unnötige Vorzögerungen bestreiten.

Die Staatsanwaltschaft beklagte in einer Pressemitteilung nach der Verhandlung, Castillos Verteidiger hätten erneut versucht, das Verfahren zu verzögern, indem sie einen Nichtigkeitsantrag eingebracht hätten. De facto haben sie keinen solchen Antrag gestellt, aber nochmals ihre These dargelegt, dass eine Gutachterin der Anklage Chat-Aufzeichnungen, die Castillos Verbindungen zu den im November 2018 verurteilten Auftragskillern und Mittelsmännern und seinen Anteil im Mordkomplott zeigen, gefälscht habe.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage beantragten, die Gutachten der Verteidiger, die diese angebliche Fälschung beweisen sollen, nicht zuzulassen. Richter Irias hat nun bis zum 26. August Zeit, zu entscheiden, ob Anklage gegen Castillo erhoben wird. Am 2. September endet die Frist für dessen dann zweieinhalbjährige Untersuchungshaft. Beginn der Hauptverhandlung könnte im Oktober 2020 sein.

Für die Organisation Copinh, Bertas Kinder Olivia, Bertha, Laura und Salvador Zúniga und mehrere internationale Experten war David Castillo nicht nur, wie von der Staatsanwaltschaft dargestellt, mutmaßlicher direkter Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres, sondern auch Mittelsmann zu Urhebern und Finanziers des Mordkomplottes aus der mächtigen Familie Atala Zablah, den Hauptanteilseignern der Desa. Gegen Castillo läuft ein weiteres Verfahren namens "Der Betrug am Gualcarque", das von der ehemaligen Mission gegen die Straflosigkeit in Honduras und der Sonderstaatsanwaltschaft Ufecic initiiert wurde.

Anwalt Victor Fernández erkärte dazu: "David Castillo repräsentiert ein erfolgreiches Modell des Kapitalismus, eine Person, die ihren Erfolg auf illegale, korrupte und gewalttätige Praktiken aufbaut. Er hat es geschafft, dass ökononisch mächtige Gruppen, wie die Atala, investieren und dann Teil einer kriminellen Dynamik werden, von der wir meinen, dass sie juristisch als Bildung einer kriminiellen Vereinigung anzusehen ist – was rechtlich zu klären wäre. Und jetzt möchte die Verteidigung uns erzählen, dass dieser Herr Opfer des Systems sei."  Die Mitglieder der Familie Atala Zablah, die nach Auffassung von Fernández in die Ermordung von Berta Cáceres verstrickt seien, wären sich so sicher gewesen, niemals für ihr Handeln belangt zu werden, dass sie sich um mögliche Spuren in Chats und Telefonaufzeichnungen gar nicht gekümmert hätten.

Gegen den Finanzchef der Desa, Daniel Atala Midence, hat die Cáceres‘ Familie im Mai 2020 Strafanzeige gestellt.

Keine Spur der entführten Menschenrechtsverteidiger

So., 23. Aug. 20, 8:43 Uhr

 Von amerika21

Mitglieder der Garífunaorganisation Ofraneh protestierten vor dem Sitz der ermittelnden Polizei in San Pedro Sula Quelle: Honduras Solidarity Network

Triunfo de la Cruz. Nach mehr als einem Monat des gewaltsamen Verschwindens der fünf Garífuna-Aktivisten Alberth Sneider Centeno, Milton Martínez Álvarez, Suami Mejía García, Gerardo Róchez Cálix und Junior Rafael Juárez Mejía ist noch kein brauchbarer Hinweis auf deren Verbleib gefunden worden.

Mitglieder der Garífunaorganisation Ofraneh protestierten am Freitag vor dem Sitz der ermittelnden Polizei (DPI) in San Pedro Sula. Sie fordern die Entführten lebend zurück, drängen auf Ermittlungen und den Respekt ihrer angestammten Territorien.

Gegenüber den honduranischen Medien äußerte der Polizeisprecher Rommel Martínez, dass es in dem Fall "ermutigende" Entwicklungen gebe, die jedoch noch nicht veröffentlicht werden können. Eine Ermittlungseinheit bestehend aus verschiedenen honduranischen Polizeikräften und der internationalen Polizei (Interpol) werde in dem Fall von der US-Bundespolizei FBI beraten.

Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte erließ am 6.August eine Resolution, in der er den Staat Honduras anweist, die Garifuna-Gemeinden zu schützen und nach den Verschwundenen zu suchen.

Die fünf jungen Männer waren am 18. Juli in den Morgenstunden von zwölf maskierten, schwerbewaffneten Männern in DPI-Uniformen mit vorgehaltenen Waffen in Fahrzeuge ohne polizeiliche Kennzeichen gezwungen worden. Ein Augenzeuge berichtet, dass die Entführer nicht wie Polizisten gesprochen hätten und dass die Aktion "zu gut organisiert" gewesen sei.

Inés García, Ofraneh-Aktivistin weist gegenüber dem Nachrichtenportal VICE News darauf hin, dass dahinter eine "eine Kombination aus Grundbesitzern und reichen Leuten steckt, die hier ein Resort errichten wollen. Diese Leute verhandeln nicht mit der Gemeinde."

Der entführte Alberth Centeno ist führendes Gemeindemitglied in Triunfo de la Cruz. Er setzt sich seit 2015 dafür ein, dass die Regierung den Garífuna nach einem Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte ihr gestohlenes Land zurück gibt. Mehrere Tage vor der Entführung habe er Morddrohungen erhalten.

Seit mehr als 200 Jahren leben die Garífuna an der Karibikküste von Honduras. Drogenhändler und Unternehmer aus der Palmölindustrie und der Tourismusbranche erheben Anspruch auf das Küstenland, auf dem sie leben.

Honduras Solidarity Network criterio vice

Politische Justiz in Honduras: Gericht entscheidet gegen Umweltaktivisten

Mi., 19. Aug. 20, 8:37 Uhr

Acht Umweltschützer bleiben in Untersuchungshaft. Weiteren fünf Aktivisten droht nun ebenfalls Gefängnis und Anklage

Von amerika21  Das Umweltkomitee von Tocoa fordert die Freilassung der acht Inhaftierten und die Einstellung der Verfahren gegen alle Beschuldigten Quelle: @RadioProgresoPaginaOficial

Tegucigalpa/Tocoa. Schlechte Nachrichten für acht politische Gefangene aus den Dörfern Guapinol und Sector San Pedro in Honduras: Statt sie aus der inzwischen einjährigen U-Haft zu entlassen, beschloss ein Berufungsgericht, dass Porfirio Sorto Cedillo, José Avelino Cedillo, Orbin Naún Hernández, Kevin Alejandro Romero, Arnold Javier Aleman, Ever Alexander Cedillo, Daniel Marquez und Jeremías Martínez Díaz im Gefängnis bleiben und Anklage gegen sie erhoben werden soll.

Fünf weiteren Führungsmitgliedern der Gemeinden und des Komitees für die Verteidigung der Gemeingüter aus Tocoa ? Juan López, Leonel George, Reynaldo Domínguez, Marco Tulio Ramos und José Cedillo ? droht nun nach dem Willen des gleichen Gerichtes ebenfalls Haft und Anklage.

Das Verfahren gegen die Umweltaktivisten war nach Protesten im In- und Ausland im März 2019 eingestellt worden. Damals war die internationale Aufmerksamkeit groß, mehrere Botschaften hatten Beobachter geschickt.

 

Nun wendet sich das Blatt inmitten der in Honduras immer weiter eskalierenden Corona-Krise. Verteidiger Efraín Ramírez erklärt dazu: "Das Land ist in einer juristisch sehr gefährlichen, sehr schwierigen Situation. Man nimmt an, dass wir in einem Rechtsstaat leben, in legalen Verhältnissen. Wir sehen aber täglich, wie dieser Rechtsstaat von denselben Institutionen manipuliert wird, die ihn eigentlich schützen müssten." Es gebe keine unabhängige Justiz, stattdessen eine "justizielle Dienstleistung, die von verschiedenen Mächten innerhalb des Staates und faktischen Wirtschaftsmächten manipuliert wird", so Rechtsanwalt Joaquín Mejía.

Im Dezember 2013 hatte der honduranische Kongress ein Dekret gebilligt, das über 200 Hektar aus der besonders geschützten Kernzone des Naturschutzgebietes Nationalpark Montaña de Botaderos Carlos Escaleros herausschnitt und damit zwei Konzessionen für den Abbau von eisenerzhaltigem Gestein möglich machte.

Das Unternehmen EMCO Mining (heute Inversiones Los Pinares) hatte sie beantragt. Die Umweltgenehmigungen wurden 2014 gegen die ursprüngliche Meinung von Umwelt- und Forstbehörden erteilt. Die beiden Tagebaue bedrohen indes das Wassereinzugsgebiet der Flüsse Guapinol und San Pedro. Gemeindebewohner, die ihr Trinkwasser aus diesen Flüssen beziehen, versuchten seit 2015, juristisch gegen die Genehmigungen vorzugehen. Als dies nichts fruchtete, errichteten sie im August 2018 ein Protestcamp an der Zufahrtsstraße zur Baustelle.

Die derzeitigen Anschuldigungen gegen sie gehen auf ein Ereignis am 7. September 2018 zurück.

Damals rückten bewaffnete Arbeiter und Sicherheitspersonal des Bergbauunternehmens gegen das Protestcamp in Guapinol vor. Ein Wachmann schoss einen Jugendlichen in den Rücken und flüchtete. Daraufhin hielten Demonstranten seinen Chef fest bis die Polizei kam. Am selben Tag wurden ein Auto sowie zwei Container zur Unterbringung des Sicherheitspersonals des Unternehmens in Brand gesetzt. Den Aktivisten wird Freiheitsberaubung vorgeworfen. Außerdem wird ihnen Brandstiftung in einem schweren Fall (das heißt mit Gefährdung von Personen und/oder wichtigen Gütern) unterstellt, für die die Staatsanwaltschaft jedoch bisher keinerlei Indizien oder Beweise vorgelegt hat. Gegen den Wachmann wurde trotz der schweren Verletzung des Jugendlichen nicht einmal ermittelt.

Das Berufungsgericht hatte seine Entscheidung schon am 3. März 2020 gefällt. Sie wurde den Anwälten der Beschuldigten jedoch erst am 13. August 2020 zugestellt. Diese kündigten an, gegen die Entscheidung vorzugehen. Sie weise wiederum zahlreiche Merkmale auf, die mit einem rechtsstaatlichen Verfahren nicht vereinbar seien. Unter anderem wurden ganze Absätze aus einem anderen Urteil mit anderen Namen in den Beschluss kopiert. Das Verteidigerteam wird auch versuchen, Ermittlungen gegen das Berufungsgericht selbst zu beantragen, bei dem noch mehrere ähnliche Fälle anhängig sind.

Ausgelöst wurde die Aktion durch die Staatsanwaltschaft, die sich mit der Einstellung des Verfahrens nicht zufrieden gab. Weiterer Kläger ist das Unternehmen Inversiones Los Pinares, das dem einflussreichen Unternehmerehepaar Ana Facussé (Tochter des verstorbenen Palmölmagnaten Miguel Facussé) und Lenir Pérez gehört. Mit ihrem Unternehmen Emco/PIA sind Pérez und Facussé Geschäftspartner des Münchner Flughafens beim Bau und Betrieb des neuen internationalen Flughafens von Honduras "Palmerola International Airport" (amerika21 berichtete). Pérez wurden Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit einem anderen Bergbauprojekt vorgeworfen, er wurde jedoch nie verurteilt.

Der aktuellen juristischen Entscheidung war eine militärische Aktion vorausgegangen: Am 7. August 2020 versetzten vermummte Soldaten, die am späten Abend in die Gemeinde eindrangen, die Anwohner von Guapinol in Angst und Schrecken. Ecotek, ein weiteres Unternehmen von Peréz/Facussé, baut derzeit mit US-amerikanischer Beteiligung am Ortsrand der Gemeinde die laut Medienberichten größte Eisenerzpelletieranlage Zentralamerikas.

WEG MIT INGELSA! - Brief an die Interamerikanische Entwicklungsbank

Sa., 15. Aug. 20, 15:24 Uhr

Im Landkreis Arizona soll durch das Unternehmen INGELSA ein illegales Wasserkraftwerk errichtet werden. Die betroffene Bevölkerung hat sich mehrheitlich gegen dieses Projekt ausgesprochen.

Unter diesem link finden Sie den Originaltext des Briefes  - Sie können den Brief an die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) unterstützen und unterzeichnen!

Übersetzung: HondurasDelegation

Wasser ist ein Recht. Keine Ware. Jilamito widersteht. Foto: MADJ



San Pedro Sula, Cortés, Juli 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Interamerikanischen Entwicklungsbank/ IDB

der Internationalen Entwicklungsfinanzierungs-Corporation/DFC,

und der Monkey Forest Consulting

wir grüßen Sie seitens der „Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ (MADJ), einer sozialen und politischen Organisation in Honduras, in der sich verschiedene ländliche, städtische und indigene Gemeinden organisieren. Männer und Frauen, die sich für Würde und Gerechtigkeit, den Kampf gegen Korruption und Straflosigkeit, die Verteidigung von natürlichen Gemeingütern, Menschenrechte und die Rechte der indigenen Völker einsetzen.

 

Seit unserer Gründung im Jahr 2008 arbeiten wir unermüdlich gegen Straflosigkeit und das illegale Handeln staatlicher Institutionen, das aktuell durch die kriminelle Dynamik der Rohstoffunternehmen, die sich der Plünderung unserer natürlichen Reichtümer verschrieben haben noch verstärkt.

Im Landkreis Arizona, Atlántida, stellten sich im Zusammenhang mit dem Wasserkraftprojekt Jilamito mehrere sogenannte Berater*innen, einschließlich der Beraterin Rebecca Reiber von der Firma Monkey Forest Consulting vor, um sich mit dem Bürgermeister und der Landkreisverwaltung zu treffen. Das Wasserkraftprojekt Jilamito (PHJ) befindet sich im Besitz der kommerziellen Gesellschaft Inversiones de Generación Electricas Sociedad Anónima de Capital Variable (INGELSA).

Diese Berater*innen haben sich ausschließlich mit ausgewählten Personen getroffen, die mit dem Wasserkraftprojekt in Verbindung stehen und vermieden eine Versammlung mit den Bewohner*innen und den organisierten sozialen Sektoren der 16 Gemeinden der Einflusszone des Projekts. Ihre Erfahrungen bezüglich der schweren sozio-ökologischen Auswirkungen, die das PHJ für sie gebracht hat, wurden weder angehört noch dokumentiert. Ebenso wenig wie ihre Entscheidung, das Wasser des Jilamito-Flusses ausschließlich für den menschlichen Verbrauch zu nutzen und jegliche Art von kommerzieller Nutzung, einschließlich der Nutzung von Wasserkraft, abzulehnen.

Das Wasserkraftprojekt am Jilamito-Fluss gehört zu einer Gruppe von Projekten, die 2009 an dem durch das Nationale Energieunternehmen (ENEE) geförderte internationale Ausschreibungsverfahren teilnahmen und von der Auswahlkommission für technisch und wirtschaftlich unrentabel erklärt wurde. Dies betraf auch andere Projekten wie das der Sociedad Mercantil Mesoamericana S.A. (SEMSA) in der Gemeinde von Mezapa, das von der gleichen Unternehmergruppe entwickelt wurde. Nach Ablehnung beider Projekte wurden in betrügerischer Weise dennoch Verträge mit dem Staat abgeschlossen und versucht gegen die Interessen der öffentlichen Verwaltung vorzugehen.

Diese Verträge sind der Beginn eines von korrupten Praktiken geprägtes Verfahren zwischen dem Unternehmen INGELSA und honduranischen Staatsbeamten, eine Praktik, die sich bis heute fortsetzt. Dies schließt auch die Umweltlizenz ein, die 2013 erteilt wurde, ohne die Gemeinden über die negativen Auswirkungen des Projektes auf ihr Recht auf Wasser und eine gesunde Umwelt zu informieren und sie aktiv zu beteiligen. 

Diese korrupten Praktiken wurden erneut 2015 deutlich, als wir, die in der „Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ (MADJ) organisierten Gemeinden, den Autoritäten des Landkreises Arizona gegenüber unsere Ablehnung des PHJ klar machten und die  Einberufung einer offenen Diskussions- und Abstimmungsversammlung forderten. Sowohl vor als auch nach der Einberufung der Versammlung vom 20. November 2015 fanden offensichtlich mehrere korrupte Manöver statt, um das Ergebnis zu Gunsten des Unternehmens zu manipulieren. Aufgrund dieser Vorgehensweise haben wir Anzeigen gegen den damaligen Bürgermeister, Adolfo Alfonso Paguada Saybe, erhoben.

Auf dieser Versammlung haben wir von der Landkreisverwaltung gefordert, dem Unternehmen INGELSA KEINE ERLAUBNIS für den Bau des Wasserkraftprojektes PHJ zu erteilen und den Landkreis Arizona zu einem wasserproduzierendem Gebiet zu erklären, frei von Bergbau- und Wasserkraftprojekten, die ausschließlich dem menschlichen Gebrauch dient. Diese Entscheidung wurde am 24. März 2019 durch eine neu einberufene offene Gemeindeversammlung ratifiziert. Im Februar diesen Jahres wurde auf kommunaler Ebene eine Bürgerkommission (Mecanismo Comunitario) zur Umsetzung der gemeinschaftlichen Erklärungen eingerichtet, mit der wir unsere Entscheidung verdeutlicht haben, weder unseren Fluss noch unser Territorium für den Bau und den Betrieb von Bergbauprojekten an Unternehmen abzutreten.

Vor diesem Hintergrund fragen wir Sie: Was müssen Sie noch wissen, um unsere seit 2015 getroffene und im vergangenen Jahr vom höchsten Entscheidungsgremium für das Leben unserer Gemeinden ratifizierte Entscheidung ZU RESPEKTIEREN? Wo finden sich die beschriebenen Missionen und Visionen Ihrer jeweiligen Institutionen wieder, die eindringlich von umweltfreundlicher nachhaltiger Entwicklung, von sozialer Verantwortung, Einhaltung internationaler Standards, der Unterstützung von Projekten ohne Schaden für die Gemeinden sprechen? Sie stellen trotz unserer Entscheidung weiterhin Ihr Geld zur Verfügung, vermitteln, entsenden Berater*innen und Vereinbarungen mit Gruppen treffen, die nicht legitimiert sind, um unsere Interessen zu vertreten?

Erwähnenswert ist der Bericht der Arbeitsgruppe „Wirtschaft und Menschenrechte“, der im Mai dieses Jahres auf der 44. Sitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde. Dort heißt es, dass „der systematische Mangel an Transparenz und maßgeblicher Beteiligung der betroffenen Gemeinden an Entscheidungen über Entwicklungsprojekte, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, sowie in den Bereichen Energie und Agroindustrie, eine der Hauptursachen für die meisten sozialen Konflikte ist.“ Darüber hinaus mahnte die Arbeitsgruppe, dass „Straffreiheit und Korruption das Vertrauen in die öffentlichen Behörden und ihre Fähigkeit, die betroffenen Gemeinden vor geschäftsbedingten Menschenrechtsverletzungen zu schützen, untergraben haben".

Sie wissen, dass INGELSA nicht über die Genehmigungen für den Bau ihres Projekts verfügt. Das hat sowohl mit unserer Entscheidung den Fluss und die Lebensräume dauerhaft zu verteidigen, als auch der geschaffenen Bürgerkommission zu tun, die über die Erfüllung und Einhaltung unserer Erklärung wacht. Dazu kommt die Errichtung unseres Protestcamps zur Verteidigung des Flusses Jilamito am 15. Mai 2017.

Sie sollten wissen dass, wir seit 3 Jahren halten das Protestcamp aufrechterhalten, denn weiß auch Ihr Gegenüber, das Unternehmen INGELSA, das Sie unterstützen und in das Sie investieren. Sie sollten auch wissen, dass dieses Unternehmen infolge unserer legitimen Ausübung des Rechts auf die Verteidigung des Wassers, gegen fünf führende Gemeindevertreter einen Kriminalisierungsprozess anstrengt. Unter ihnen der derzeitige Bürgermeister von Arizona, mit dem sie sich nun treffen wollen, um ihm mitzuteilen, dass sich INGELSA für das Projekt harmonische und friedliche Beziehungen wünscht. Von welcher Art von Dialog sprechen sie, wenn sie Gewalt als Instrument zur Sicherung ihrer Investitionen und Interessen einsetzen?

Der Bürgermeister, mit dem sie nun einen Dialog führen und damit die Gemeinden übergehen wollen, ist derselbe, gegen den Mitarbeiter von INGELSA 2017 einen Mord geplant hatten, weil er die gemeinschaftliche Erklärung unterstützte, dass der Fluss Jilamito Wasser nur für den menschlichen Verbrauch zu nutzen sei. Mit einer öffentlichen Anzeige gegen dieses Komplotts, das durch den ersten Ingenieure des Wasserkraftprojektes, Hegel Ernesto Velázquez Mendoza und dem Arbeiter Carlos Omar Escalante Monge geplant wurde, antwortete INGELSA mit einer sofortigen Klage, um die Anzeige sofort zu diskreditieren. Escalante Monge floh aus dem Land.  Am 29. Juli 2019 wurde der Bürgermeister Arnoldo Chacón von der ungerechtfertigten Verleumdungsklage freigesprochen, da man davon ausgeht, dass seine öffentliche Anzeige zum Komplott zu seiner Ermordung auf wahren Fakten beruhte.

SEMSA damals, und heute INGELSA, stehen für uns für dasselbe, sie sind Synonym und Praxis von Korruption, Straffreiheit, Illegalität, Gewalt und Tod. Wir sind nicht an ihrem Kapital, ihrem vermeintlichen Nutzen, ihrer vermeintlichen Entwicklung interessiert. Wir entwickeln unsere Gemeinden selbst durch das angelaufene kommunale Trinkwasserprojekt aus dem Jilamito-Fluss für den menschlichen Verbrauch selbst. Damit verwirklichen wir das Recht auf Wasser und freuen uns nicht die Taschen krimineller Unternehmen zu füllen.

Ihr Verhalten als Finanziers und Vermittler für den Bau dieses Projekts ist kein Akt von Naivität. Sie wissen ganz genau, dass diese Unternehmen bereit sind alles zu tun, um ihr Kapital zu schützen. Ihr Geld ist mit unschuldigem Blut befleckt und ist Teil der Fäulnis und Manipulation der Justiz unseres Landes. Sie (die Unternehmen) sind direkt verantwortlich für die Verfolgung, Einschüchterung, Angriffe und Morde an sozialen und Gemeindeführern und alles, was ein Hindernis für ihre Ansprüche darstellt, wie sie es bei COPINH und Berta Cáceres getan haben.

Ein Akt der Mindestverantwortung ihrerseits würde darin bestehen, zu ihren vermeintlichen Prinzipien als Instanzen, zu ihren Visionen und Missionen zurückzukehren, nach Kohärenz zu suchen und den Anspruch aufzugeben, das Gesicht dieser kriminellen Unternehmen zu beschönigen, die dem Leben, der Würde und der Gerechtigkeit widersprechen. Aus all diesen Gründen ersuchen wir Sie ausdrücklich darum:

1. Unsere souveräne und legitime Entscheidung der Bevölkerung von Arizona zu respektieren, die in der öffentlichen Gemeindeversammlung getroffen wurde.

2. Respektieren Sie unsere Menschenrechte als Gemeinden von Arizona, die Rechte auf Gesundheit, auf eine gesunde Umwelt, auf Wasser, auf persönliche Integrität und auf Würde und kollektive Rechte.

3. Respektieren Sie die Entschlossenheit der Bevölkerung und der lokalen Regierung von Arizona, das Wasser des Jilamito-Flusses für ein Projekt bereitzustellen, das die Mehrheit der Bevölkerung mit Trinkwasser versorgen wird.

4. Verzichten Sie auf die Finanzierung des Jilamito-Wasserkraftprojekts, das die Firma INGELSA mit Gewalt durchsetzen will.

5. Betrachten Sie unsere Bereitschaft zum Dialog, um alle Zweifel hinsichtlich der Haltung auszuräumen, die darin besteht, die Nutzung des Wassers aus dem Jilamito-Fluss nicht für kommerzielle Zwecke, sondern ausschließlich für den menschlichen Gebrauch zuzulassen.

Wenn unsere Argumente Sie nicht überzeugen und Sie beschließen, INGELSA weiterhin zu unterstützen, erhalten Sie unsere feste, legitime und nachdrückliche Entscheidung in unseren Territorien, in den Gerichten und in allen Räumen, mit Formen des friedlichen Widerstandes, uns zu verteidigen. Wir werden verantwortungsbewusst gegen ihre Institutionen und ihre Führungskräfte vorgehen, denn auch wir haben gelernt, an dem Ort und in der Weise, wie es die Umstände und der Kampf von uns verlangen, Gerechtigkeit zu fordern und zu tun.

In unmittelbarer Zukunft sollten Sie wissen, dass es in Arizona, Atlántida eine organisierte Bevölkerung gibt, die bereit ist, Souveränität und Selbstbestimmung bei der Verwaltung unserer gemeinsamen, öffentlichen und natürlichen Güter auszuüben. Wir stellen klar, dass wir ihr Geld, ihre Vermittlung, ihre Investitionen oder ihre Entwicklung, die Teil des Umweltkollapses ist, der die Welt in einem prekären Zustand hält, nicht brauchen. Hier gibt es Würde und Entschlossenheit. Wir werden weiterhin ohne Unterlass Widerstand leisten und unsere Entscheidung durchsetzen.

¡WEG MIT INGELSA!

¡ARIZONA IST FREIES TERRITORIUM VON EXTRAKTIVISTISCHEN PROJEKTEN!

Koordination
Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (MADJ)

 https://madj.org/index.php/tag/bid/

Familien in Honduras hungern - Spendenaufruf Naturfreunde Berlin

Sa., 8. Aug. 20, 19:09 Uhr
Haus in San Franzisco de Locomapa Foto:MADJSeit Mitte März besteht aufgrund der Corona-Pandemie in Honduras der Ausnahmezustand. Viele Menschen leiden Hunger, da sie nicht mehr ihren Erwerb nachgehen können. Seit mehreren Monaten verteilt das Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (MADJ) Lebensmittel an die ärmsten Haushalte. Mit 30 Euro Spende kann ein Haushalt mit sieben Mitgliedern einen Monat überleben. Ihr könnt das MADJ direkt bei ihrer wichtigen Arbeit für die Menschen in Honduras unterstützen:
Mit einer Spende von 30 Euro kann MADJ einen Haushalt mit sieben Mitgliedern eine Lebensmittelration für einen Monat bringen.
Mit einer Spende von 100 Euro kann MADJ fünf Haushalte mit drei Mitgliedern Lebensmittelrationen für einen Monat bringen. Hier kommt ihr direkt zum Spendenaufruf und weiteren Informationen

Kollektive Versorgung

Do., 6. Aug. 20, 9:48 Uhr
INTERVIEW MIT DER AKTIVISTIN MIRIAM MIRANDA ÜBER SELBSTORGANISIERTE GESUNDHEITSZENTREN IN DEN GARÍFUNA-GEMEINDEN IN HONDURAS Lateinamerika Nachrichten 553/554 - Juli/August 2020Weil die staatliche Gesundheitsversorgung in Honduras nicht funktioniert, haben sich die Garífuna-Gemeinden kollektiv organisiert und ein eigenes System aufgebaut, um der Pandemie zu begegnen. Die LN sprachen mit Miriam Miranda, Koordinatorin der Garífuna-Basisorganisation OFRANEH, die den Prozess  mit angestoßen hat. Sie berichtet, welche Strategien die Gemeinden zu ihrem Schutz entwickelt haben und wie diese durch organisierte Kriminalität und staatliche Maßnahmen bedroht werden.
Miriam Miranda (Foto: Rel-UITA Regional Latinoamericana via Flickr, CC BY 2.0)

MIRIAM MIRANDAist Koordinatorin der Organización Fraternal Negra Hondureña (OFRANEH), die sich seit 30 Jahren für die Rechte der Garífuna in Honduras einsetzt. Gemeinsam mit ihrer Organisation engagiert sie sich gegen Landraub und Menschenrechtsverletzungen, von denen die afroindigenen Garífuna betroffen sind. Die meisten Garífuna leben in einer der 48 Gemeinden an der Karibikküste. Doch das Territorium der Garífuna ist stark umkämpft und wird sowohl durch Gruppen der organisierten Kriminalität bedroht als auch durch touristische Großprojekte, Bergbauvorhaben sowie die neoliberalen Pläne der Regierung, Sonderwirtschaftszonen einzurichten. Allein 2019 wurden 17 Garífuna in Honduras ermordet, darunter vor allem Menschenrechtsverteidiger*innen und Umweltaktivist*innen (siehe LN 548).

******************************************************************************************************

Warum haben die Garífuna-Gemeinden angesichts der Corona-Krise beschlossen, sich selbst zu organisieren?Wir wussten mit Sicherheit, dass es viele Tote in den Garifuna-Gemeinden geben würde, wenn wir kein eigenes System zum Schutz der Gemeinden entwickeln. Honduras wird seit dem Putsch 2009 ausgeplündert. Es wurde nie in den Gesundheitsbereich investiert. Bei einem Skandal um das Sozialversicherungsinstitut, das IHSS, wurde öffentlich, dass dieses völlig ausgenommen wurde (Anm. d. Red.: Korruptionsskandal, bei dem 2015 öffentlich wurde, dass hochrangige Funktionäre der Wirtschaft und Politik über 300 Millionen US-Dollar veruntreut haben, u.a. wurde damit 2013 die Wahlkampagne der regierenden Nationalen Partei finanziert, siehe LN 493/494). Das hat zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems im Land geführt. Es gab so schreckliche Fälle, bei denen die Gesundheitsstationen nicht einmal eine Spritze hatten. Nicht nur in den ländlichen Gebieten, sondern sogar in den großen Städten. Außerdem erleben wir in Honduras seit Jahren eine große Krise mit dem Dengue-Fieber, an dem viele Leute sterben. Die Regierung hat das vertuscht, aber die Situation mit dem Coronavirus kann sie nicht verstecken, weil die Erkrankungen an dem Virus so exponentiell wachsen.
Wie bewerten Sie den Umgang der honduranischen Regierung mit dem Coronavirus?Der Staat hat vor einem Monat die Strategie der „intelligenten Öffnung“ beschlossen. Es ist eine Dummheit, dem Druck der Unternehmer nachzugeben, die fordern, die Wirtschaft zu öffnen, egal, ob sich dadurch Menschen infizieren. Ich denke, dass die Öffnung der Wirtschaft den Bedingungen im Land entsprechen muss, mit der Pandemie umzugehen. Und das Gesundheitssystem in Honduras ist eine Katastrophe. Das Coronavirus entblößt dieses desaströse Gesundheits­system. Den Ärzten bleibt nur noch die Möglichkeit zu sagen: „Bitte bleibt zu Hause und kommt nicht ins Krankhaus. Es gibt keinen Platz.“ In Honduras werden Tests nur in Tegucigalpa ausgewertet, das heißt, wenn jemand in der Mosquitia oder in Gracias a Dios lebt, kommt das Testergebnis erst an, wenn die Person schon gestorben ist. Besonders schlecht ist die Gesundheitsversorgung in vielen indigenen Gemeinden. Sehr viele Misquitos sind an Corona gestorben und den Staat interessiert das nicht. Es ist schrecklich. Regierungen wie die in Honduras provozieren einen Genozid an der armen Bevölkerung, weil sie wissen, dass sie unter den aktuellen sanitären Bedingungen die Wirtschaft nicht auf diese Weise öffnen dürfen. Die Zahl der Ansteckungen hat seit der Öffnung auf unglaubliche Weise zugenommen, zum Beispiel in der Hauptstadt. Diese Pandemie zeigt sehr deutlich die soziale Ungleichheit in Honduras. So wurde beispielsweise das Militärkrankenhaus geöffnet, um den Präsidenten und alle ihm nahestehenden Personen zu versorgen.
Welche Strategien verfolgen Sie in dieser Situation in den Gemeinden?Uraltes Wissen Tees Zubereitung von Tee zur Stärkung des Immunsystems
(Foto: OFRANEH)Seit dem 7. März haben wir begonnen, uns in den Gemeinden kollektiv zu organisieren, um Gesundheitszentren zu schaffen. Bisher haben wir 31 Zentren eingerichtet. Unser Ziel ist es, so viele Leben wie möglich zu retten. Dafür ist es notwendig, Gesundheit ganzheitlich zu denken, denn Gesundheit hat auch damit zu tun, wie wir uns ernähren und welche Luft wir atmen. Das sehen wir auch daran, dass mehr Menschen am Coronavirus sterben, die in Gebieten leben, in denen die Luft kontaminiert ist. Die Infektionsherde liegen momentan in den Industriezentren, wie San Pedro Sula. Die Pandemie hat eine Gesundheitskrise ausgelöst, aber diese ist eng verknüpft mit Umweltfragen und der Klimakrise. Die Pandemie lehrt uns, dass Gesundheit nicht einfach bedeutet, zum Arzt zu gehen und Tabletten zu nehmen. Deshalb kämpfen wir in den Garífuna-Gemeinden auch gegen den Bau von Wasserkraftwerken und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, weil auch das die Gesundheit gefährdet.

Wie spiegelt sich der ganzheitliche Ansatz von Gesundheit in der Arbeit der Gesundheitszentren wider, die Sie in den Gemeinden aufgebaut haben?Viele Menschen in den Gemeinden zählen zur Risikogruppe, weil sie Diabetes oder Bluthochdruck haben. Das brachte uns auf die Idee, dass es wichtig ist, das Immunsystem zu stärken, im Besonderen bei unseren Großmüttern und Großvätern. In den Gemeinden existiert ein uraltes Wissen darüber, welche Pflanzen medizinische Wirkungen haben und welche hilfreich für das Immunsystem sind, wie Eukalyptus- und Avocadoblätter, Zitronen, Knoblauch und Zitronengras. Die Corona-Krise sehen wir auch als Möglichkeit, dieses Wissen wieder mehr zu verbreiten. Ein Bestandteil der Kultur der Garífuna ist das Trinken von aus frischen Kräutern zubereitetem Tee. Daher ist eine der Aufgaben der Gesundheitszentren die Zubereitung von medizinischen Tees, die zur Stärkung des Immunsystems beitragen. Außerdem haben wir ein Handbuch über die Medizin unserer Vorfahren und Vorfahrinnen veröffentlicht, das auch in anderen Ländern Lateinamerikas von indigenen Gemeinden und anderen Menschen genutzt wird. Innerhalb der Gemeinden arbeiten wir als Kollektiv, um zu verhindern, dass sich das Virus ausbreitet, und um betroffene Personen zu unterstützen. Beispielsweise werden in den Gesundheitszentren Masken hergestellt und verteilt. Wir kümmern uns um Menschen, die Vorerkrankungen haben. Mittlerweile gibt es compañeras und compañeros, die fast schon die Arbeit von Ärztinnen und Ärzten übernehmen, indem sie Hausbesuche machen und Menschen, die Symptome von COVID-19 zeigen, beobachten und versorgen. Ebenso haben wir Suppenküchen eingerichtet und registrieren in den Gesundheitsstationen Fälle von häuslicher Gewalt, um Frauen, die davon betroffen sind, unterstützen zu können.
Wer ist an dieser kollektiven Arbeit beteiligt?Freiwillige in den Gesundheitszentren Vor allem Frauen engagieren sich
(Foto: OFRANEH)Das sind Menschen, die sich in den einzelnen Gemeinden organisiert haben. OFRANEH hat diesen Prozess angestoßen und Freiwillige haben sich angeschlossen. In einer Gemeinde sind es 20 oder 30 Personen, die sich in Arbeitsgruppen organisiert haben, in einer anderen 80. In jeder Gemeinde teilt die Arbeitsgruppe die anfallenden Aufgaben unter den Mitgliedern auf.
Diese Arbeit wird vor allem von Frauen geleistet. Ich würde sagen, 99 Prozent der selbstorganisierten Gesundheitszentren sind in den Händen von Frauen. Wir nennen die Frauen Kämpferinnen, denn es ist harte Arbeit, sieben Tage die Woche dafür zu sorgen, dass alles funktioniert, dass es Medizin und Essen gibt und nicht so viele Neuinfektionen.Wir sind sehr zufrieden, dass die Garífuna-Gemeinschaft im Moment im Vergleich zu den umliegenden Regionen die geringste Anzahl an Infektionen aufweist. Die zwei Zonen, in denen sich Garífuna-Gemeinden befinden, die aktuell die höchsten Infektionsraten haben, sind Trujillo und Punta Gorda, aber die Mehrheit der an COVID-19 erkrankten Menschen sind keine Garífuna, sondern leben in der Nähe der Gemeinden. Aber das kann sich in den nächsten Monaten ändern, denn wir sind keine Insel, die von der Umwelt isoliert ist, sondern die Menschen verlassen die Gemeinden, um einkaufen zu gehen und ihre Produkte zu verkaufen.
Wurden Vorkehrungen getroffen, um die Mobilität zwischen den Gemeinden einzuschränken?Dafür zu sorgen, dass nicht alle möglichen Leute in die Gemeinden kommen, ist ein wichtiges Thema. Deshalb wurden an den Eingängen Kontrollpunkte eingerichtet. Dies hat zu Konflikten geführt, in einem Fall sogar zu einem Mord. Als ein compañero aus Río Tinto, Edwin Fernández, sich weigerte, die Schlüssel an Personen auszuhändigen, die nachts seine Gemeinde betreten wollten, töteten sie ihn. Die Region der Karibikküste, in der wir leben, wird von Gruppen der organisierten Kriminalität für den Drogenhandel genutzt. Sie sind es gewohnt, dass sie in den Gemeinden ein- und ausgehen können, wie sie möchten, auch nachts, wenn die Menschen schlafen. Das geht jetzt nicht mehr so einfach, denn die Eingänge werden Tag und Nacht kontrolliert. Es wäre die Aufgabe des Staates für unsere Sicherheit zu sorgen, aber in Honduras sind das organisierte Verbrechen und der Staat eng miteinander verwoben. Wir fordern von der Regierung, dass sie den Mord an Edwin Fernández aufklärt und diejenigen dafür bestraft, die in unsere Gemeinden kommen und unsere Leute umbringen.
Wie hat die Regierung darauf reagiert, dass sich die Garífuna-Gemeinden zur Eindämmung des Virus selbst organisiert haben?Die Regierung respektiert unsere Autonomie und unsere Souveränität nicht. Sie missachtet die Menschenrechte derjenigen, die in ihren Gemeinden dafür arbeiten, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet. Zum Beispiel hat die Polizei versucht, die Menschen einer Gemeinde im Department Cortés daran zu hindern, dass sie ihre Gemeindegrenzen einzäunen. Wenn der Staat schon nicht hilft, muss er wenigstens unsere Arbeit respektieren, denn wir haben ein Recht darauf, für unsere eigene Gesundheit zu sorgen und auch darauf, dies auf eine Art und Weise zu tun, die unserer Kultur und Identität entspricht. Das ist ein Thema, für das wir immer kämpfen mussten. Die Arbeit, die wir geleistet haben, wird missachtet. Zum Beispiel wurde staatlicherseits zu Beginn der Pandemie gesagt, dass wir Masken tragen müssen, aber hier haben die Menschen keinen Zugang zu einer Maske. Also haben wir unser eigenes System zur Herstellung von Masken entwickelt. Anfangs haben sie gesagt, dass die selbst hergestellten Masken, nichts taugen.
Worin ist diese Missachtung Ihrer Meinung nach begründet?Das hat mit vielen Dingen zu tun. Dahinter stecken wirtschaftliche Interessen, aber es hängt auch mit Rassismus zusammen, da es eine Missachtung dessen ist, was die Menschen selbstbestimmt tun. Wenn etwas nicht wissenschaftlich erwiesen ist, wird dem jeglicher Wert abgesprochen. Und es sind dieselben Unternehmen, die das entscheiden, die in der Krise durch die Produktion von unter anderem Masken eine Menge Geld verdienen. Sie haben auch gesagt, dass unsere medizinischen Tees nichts nutzen. Mittlerweile trinken alle Leute Tee, weil sie wissen, dass sie ihr Immunsystem stärken müssen und es keinen Sauerstoff zu kaufen gibt. Dies zeigt, dass das Wissen unserer Vorfahren und Vorfahrinnen sowohl eine Antwort auf die derzeitige Gesundheitskrise gibt als auch auf die Pandemien, die noch kommen werden. Diesem Wissen muss wieder mehr Wert zugesprochen werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass einfach zur sogenannten Normalität zurückgekehrt wird, sondern wir sollten diese Pandemie nutzen, um dieses System in Frage zu stellen, in dem die Wirtschaft wichtiger ist als Menschenleben, nicht nur in Honduras, sondern auf der ganzen Welt.
// Interview: Sarah Weis
 *In dem Webinar „Luchas actuales de los Garífuna en Honduras“ unter https://www.fdcl.org/2020/06/mitschnitt-input-miriam-miranda-ofraneh/ berichtet Miriam Miranda weiteres über die Kämpfe der Garífuna gegen Extraktivismus und organisierte Kriminalität sowie über das Projekt der Ernährungssouveränität in dem selbstverwalteten Dorf Vallecito.

Steht hinter dem Verschwinden von Personen in Honduras ein System?

Sa., 1. Aug. 20, 12:04 Uhr
von Jutta Blume, amerika21

Angehörige von Ofraneh protestieren gegen das gewaltsame
Verschwindenlassen, Quelle: TSURTriunfo de la Cruz. Zwei Wochen nach dem gewaltsamen Verschwinden von Alberth Sneider Centeno, Milton Martínez Álvarez, Suami Mejía García, Gerardo Róchez Cálix und Junior Rafael Juárez Mejía aus Triunfo de la Cruz fehlt von den Männern weiter jede Spur. Der Vorfall ereignete sich nahe einer an der Karibikküste von Honduras gelegenen Garífuna-Gemeinde. Die Garífuna sind Nachfahren westafrikanischer Versklavter und Arawak-Indigener. 
Centeno ist Präsident der gewählten Gemeindevertretung von Triunfo und wie Martínez, Mejía und Róchez aktiv in der Garífuna-Organisation Ofraneh. Sie engagierten sich für die Rückgabe von Grundstücken, die rechtmäßig zum kollektiven Besitz der Gemeinde gehören. Das Anliegen folgt einem Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs (IAG) aus dem Jahr 2015. Mit Aktionen auf der Straße und in sozialen Medien fordern Ofraneh wie auch weitere Menschenrechtsorganisationen, dass die Entführten ihrer Gemeinde und ihren Familien lebendig zurückgegeben werden.

Dass die fünf jungen Männer am 18. Juli allerdings nicht einfach von Kriminellen entführt wurden, sondern dass hier von gewaltsamem Verschwindenlassen die Rede sein muss, machten Ofraneh, die Koalition gegen die Straflosigkeit, die Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit (MADJ), das Komitee der Verhaftet-Verschwundenen (Cofadeh) sowie der Jesuitenpater Ismael Moreno in einer gemeinsamen Pressekonferenz deutlich.

Die Verschwundenen waren am frühen Morgen von bewaffneten Männern, die Westen der Ermittlungspolizei (Dirección Policial de Investigación, DPI) trugen, aus ihren Häusern geholt worden. "Sie wurden an einem Tag aus ihren Häusern entführt, an dem eigentlich niemand auf der Straße unterwegs sein sollte. Nur die Vertreter der Staatsgewalt, die Polizei und das Militär, dürfen sich an einem frühen Samstagmorgen auf der Straße bewegen", gibt die Koordinatorin von Ofraneh, Miriam Miranda, zu Bedenken.

Zehn Tage später sei seitens der Ermittlungsbehörden nicht mehr von Polizeiwesten geredet worden, so Miranda. Wenig plausibel sei, dass angeblich Ausweise von Centeno und Martínez fernab der Gemeinde gefunden wurden, obwohl die Entführer die Männer aus dem Bett holten und diese kaum bekleidet waren. Auch nach der mutmaßlichen Entführung seien noch Autos ohne Nummernschilder durch Triunfo gefahren, die die Bewohner in Furcht versetzten.

Gewalt und Einschüchterung sieht Miranda in einem klaren Zusammenhang mit der Weigerung des honduranischen Staates, das einschlägige Urteil des IAG, dass der Gemeinde ihr kollektiver Landbesitz zurückzugeben sei, umzusetzen. Der Staat habe "im Gegenteil seine Allianz mit kriminellen Strukturen aktiviert, um die Führungspersonen der Garífuna-Gemeinden auszuspionieren, zu verfolgen, entführen und verschwinden zu lassen und zu ermorden", schreibt Ofraneh in einer Pressemitteilung. Nach Informationen der Organisation planten die Ermittlungsbehörden, den bisher einzigen verhafteten Verdächtigen wieder auf freien Fuß zu setzen, obwohl es hinreichend Beweise gegen ihn gäbe.

Bertha Oliva, Koordinatorin von Cofadeh, erklärte: "Die Gewalt gegen die Garífuna und ihre Führungspersonen folgt einem System“. Das Ziel, die Gari?funa von ihrem Land zu vertreiben, habe einen rassistischen Kontext. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass Todesschwadronen für das Verschwinden verantwortlich sind, so die Koordinatorin. "Die Todesschwadronen waren 2009 beim Putsch am Werk, bei der illegalen Wiederwahl [von Juan Orlando Hernández; Anm. d. Verf.], die mit Verschwundenen einherging, sie gingen gegen die Plattform für Bildung und Gesundheit vor und sie sind jetzt aktiv.“ Seit 40 Jahren habe der Staat keine Bestrebungen gezeigt, die Todesschwadronen aufzulösen und Schuldige zu bestrafen, und heute würden sie reaktiviert, beurteilte Olivia die Hintergründe.
zum Kommuniqé von Ofraneh

Kommuniqué von OFRANEH zum gewaltsamen Verschwindenlassen in Triunfo de la Cruz

Do., 30. Jul. 20, 0:47 Uhr
Kriminelle Strukturen im Dienste des Staates und das gewaltsame Verschwinden der Garifuna in Honduras  P { margin-bottom: 0.21cm; }A:link { }
(KOMMUNIQUÉ VON OFRANEH). In den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2020 wurde die friedliche Stille in der Garifuna-Gemeinde von Triunfo de la Cruz in der Bucht von Tela an der honduranischen Karibikküste zerstört, als über zehn schwer bewaffnete Männer - in Bekleidung der Militärpolizei (PMOP) und andere mit Westen mit den Insignien des Departements der Untersuchungspolizei (DPI) – gewaltsam in Haus des Gemeindevorstehers Alberth Snaider Centeno eindrangen. Er und drei weitere Bewohner des Ortes wurden gewaltsam aus ihren jeweiligen Häusern gezerrt und sind nmehr als zehn Tage später noch immer verschwunden.

Der Staat will den einzigen bisher in diesem Fall Festgenommenen demnächst wieder freilassen.

Aus diesem Grund weisen wir mit großer Dringlichkeit auf Folgendes hin:


1. VERACHTUNG FÜR DAS LEBEN DER GARIFUNA. Die Aggressionen und die Verachtung für das Leben der Garifuna haben zugenommen, seit der honduranischen Staat am 8. Oktober 2015 in den Fällen der Gemeinden Punta Piedra und Triunfo de la Cruz vom Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (IACHR) in Kenntnis gesetzt wurde. In beiden Fällen ordnete der Gerichtshof an, dass der Staat die Unternehmen der Tourismusindustrie sowie Dritte, die sich das Land und die Gebiete der Garífuna widerrechtlich aneignen, enteignen und das Land die rechtmäßigen Eigentümer, d.h. die Gemeinden, zurückgeben muss.

2. DER STAAT WEIGERT SICH, DEM IACHR-URTEIL NACHZUKOMMEN. Der Staat weigert sich, dem Urteil nachzukommen und hat stattdessen sein Bündnis mit kriminellen Strukturen aktiviert, um die Leitungspersonen der Garifuna-Gemeinden ausfindig zu machen, zu verfolgen, zu entführen, verschwinden zu lassen und zu ermorden.

3. WIR FORDERN, DASS DER TATVERDÄCHTIGTE NICHT FREIGELASSEN WIRD. Diese kriminelle Struktur nährt sich aus der im Staat vorherrschenden Korruption und Straflosigkeit. Aus diesem Grund warnen und fordern wir heute, dass der Verdächtige, alias der "Gringo", der am 22. Juli in der Kolonie Las Palmas in der Gemeinde Tela verhaftet wurde, nicht freigelassen wird. Er war im Besitz von Militärkleidung, Handschellen zur Ruhigstellung von Personen und drei Schusswaffen. Diese Beweise sind ausreichend, um diese Person in Untersuchungshaft zu nehmen und ihre Beteiligung an der Entführung und dem gewaltsamen Verschwindenlassen von Garífuna-Aktivisten aufzuklären.

4. INFORMATIONEN AUS ERSTER HAND. Nach den Informationen, die wir aus sehr zuverlässigen Quellen erhalten haben, will der Staat in einem Akt der Komplizenschaft in den nächsten Stunden den einzigen inhaftierten Verdächtigen mit dem Argument mangelnder Beweise freilassen. Diese Aktion ist nicht nur ein Beweis für die Beteiligung krimineller Strukturen des Staates, sondern gefährdet auch das Leben der übrigen Bevölkerung von Triunfo de la Cruz.

5. DIE WEIGERUNG DES STAATES. Diese ausdrückliche Weigerung des Staates, gegen den festgenommenen Verdächtigen zu ermitteln, der im Besitz von Beweismitteln ist, die ihn direkt mit der Tat in Verbindung bringen, sowie die Weigerung, Informationen über den Verbleib der Führungspersonen und der weiteren verschwunden gelassenen Garífuna zu geben, bestätigt die Verantwortung des Staates für das gewaltsame Verschwindenlassen dieser Personen. Sie wurden von staatlichen Kräften selbst oder mit staatlicher Erlaubnis oder Unterstützung gepackt, ihrer Freiheit beraubt, entführt und festgehalten.

WIR WOLLEN SIE LEBEND ZURÜCK!
DIE GARÍFUNA-BEVÖLKERUNG IN AUFRUHR
OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondrueña) 27.7.2020

Übersetzung: CADEHO/Ökubüro

ORIGINAL: https://ofraneh.wordpress.com/2020/07/28/estructura-criminal-al-servicio-del-estado-y-la-desaparicion-forzosa-de-los-garifunas-en-honduras/

Fears growing for five indigenous Garifuna men abducted in Honduras (englisch)

So., 26. Jul. 20, 21:33 Uhr
aus: The Guardian, 23.07.2020, von Nina Lakhani,  The Triunfo de la Cruz region has been embroiled in a struggle to save their ancestral land from developers and drug traffickers Fears are growing for the safety of five black indigenous men in Honduras who were abducted from their homes last weekend by heavily armed gunmen in police uniform.
The victims are Garifuna fishermen from the town Triunfo de la Cruz on the north coast – a region where communities are embroiled in a longstanding struggle to save their ancestral land from drug traffickers, palm oil magnates and tourism developers aided by corrupt officials and institutions.
The Garifunas are descendants of an Afro-indigenous population from the Caribbean island of St Vincent, who were transported from their home by the British and abandoned on the Honduran coast in the late 18th century.
In Honduras, they and other indigenous communities have suffered decades of violent land grabs, which have been carried out with almost total impunity. weiter zum Artikel



Unterschriften-Aktionen:

 Grassroots InternationalTake Action for Black Lives in Honduras

Change.org¡Aparición con Vida Ya! Lideres Garifunas secuestrados en Honduras. Return them Alive Now!

Urgent Action Amnesty International


#VivosLosQueremos
#SusVidasSonNuestrasVidas
#VidasGarífunasImportan

Gewaltsames Verschwindenlassen von Garífuna

Do., 23. Jul. 20, 11:54 Uhr
Von amerika21 Protest gegen das Verschwindenlassen: Garífuna besetzen mehrere Abschnitte  der Küstenstraße und fordern schnelle Ermittlungen Quelle: @ofraneh Triunfo de la Cruz. Am Morgen des 18. Juli 2020 sind in der Garífuna-Gemeinde Triunfo de la Cruz vier Männer von Bewaffneten aus ihren Häusern entführt worden. Bislang ist ihr Verbleib unbekannt.
Drei der Verschwundenen, Alberth Sneider Centeno, Joel Martínez Alvarez und Aparicio Mejía García, sind laut der Beobachtungsstelle zum Schutz von Menschenrechts-verteidigern Mitglieder der Garífuna-Organisation Ofraneh, Centeno zudem Präsident des Patronats der Gemeinde. Eine vierte Person konnte nicht namentlich benannt werden, an einigen Stellen ist in sozialen Medien auch von fünf Entführten die Rede. Nach Augenzeugenberichten trugen die Entführer Westen der Ermittlungspolizei Dirección de Investigación Policial. 

Centeno hatte sich immer wieder aktiv dafür eingesetzt, dass ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte zugunsten der Gemeinde Triunfo de la Cruz aus dem Jahr 2015 umgesetzt wird. Das Gericht hatte den honduranischen Staat verurteilt, den kollektiven Landbesitz der Gemeinde zu markieren und ihr die Nutzung dieses Landes zu garantieren. Dem ist der Staat bislang nicht nachgekommen, ebensowenig im Fall der Gemeinde Punta Piedra. Auch dort verschwand Mitte Juni ein Gemeindemitglied, der 71-jährige Antonio Bernardez. Nach einigen Tagen wurde er ermordet aufgefunden.

Das Büro des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Honduras äußerte sich besorgt angesichts der Entführung Centenos und der weiteren Gemeindemitglieder und fordert die Polizei auf, deren Arbeit als Menschenrechtsverteidiger in ihren Ermittlungen zu berücksichtigen. Außerdem müsse die Regierung angesichts von fünf Morden an Garífuna seit September 2019 und weiterer Bedrohungen Maßnahmen ergreifen, um den Schutz ihrer Menschenrechte, insbesondere in den Gemeinden Triunfo de la Cruz und Punta Piedra, zu garantieren.

Die Koordinatorin von Ofraneh, Miriam Miranda, schrieb auf Twitter: "Wir akzeptieren nicht, dass unsere Gemeinden der herrschenden Gewalt und Unsicherheit zum Opfer fallen, in einem Land, das von einer Diktatur von Mafiosi, Korrupten und Mördern regiert wird. Wir wollen in Frieden leben. Lebendig wurden sie uns genommen, lebendig wollen wir sie zurück haben, jetzt!"

Im Laufe des Montags und Dienstags besetzten Garífuna mehrere Abschnitte der Küstenstraße und forderten schnelle Ermittlungen sowie dass ihnen die Entführten lebendig zurückgebracht werden.

omctjornadaoacnudh

ALERTA! - GARIFUNA-AKTIVISTEN ENTFÜHRT & VERSCHWUNDEN

Sa., 18. Jul. 20, 22:09 Uhr


DRINGEND: GARIFUNA-AKTIVISTEN ENTFÜHRT & VERSCHWUNDENHandeln Sie jetzt! Verlangen Sie von den Behörden eine sofortige Notfalluntersuchung und Maßnahmen, um das Leben von Snaider Centeno und das der anderen zu retten: https://bit.ly/snidercenteno
Centeno, der Präsident des gewählten Gemeinderates in Triunfo de la Cruz, Milton Joel Martinez Alvarez, Suami Aparicio Mejia, und Alber Sentana Thomas sind entführt und seitdem verschwunden! Die OFRANEH-Aktivisten wurden um 6 Uhr morgens von einer Gruppe von Unbekannten mit großkalibrigen Waffen und kugelsicheren Westen vor den Augen ihrer Familien gewaltsam aus ihren Häusern geholt.
Weitere Informationen:
OFRANEH 
Solidaritätsnetzwerk Honduras (englisch)Radio Progreso (spanisch)



Erneut Mord an Trans*Aktivistin

Do., 16. Jul. 20, 16:34 Uhr
Scarleth Cáceres Foto: Asociación ArcoirisTegucigalpa (oeku-buero). Es war wieder ein Mitglied der Trans*Frauengruppe unserer Freund*innen der Asociación LGTB Arcoíris de Honduras und es geschah wieder zur Zeit der Pride-Aktionen, auch wenn sie dieses Jahr hauptsächlich digital veranstaltet wurden. Letztes Jahr trauerten wir um Bessy Ferreira. Dieses Jahr um die junge Aktivistin der Muñecas de Arcoíris, Scarleth Cambell (Scarleth Cáceres). Am Freitag, 10. Juli gegen 20 Uhr wurde Scarleth  im Stadtzentrum von Tegucigalpa von Unbekannten erschossen. Bisherigen Berichten zufolge aus einem Van heraus. Scarleth wurde noch lebend ins Krankenhaus gebracht und erlag bei einer Notoperation ihren schweren Verletzungen. Laut Red Nacional de Defensoras de Derechos Humanos en Honduras wurden dieses Jahr bereits zehn Trans*Frauen in Honduras ermordet. Asociación Arcoíris weist darauf hin, dass in Honduras durchschnittlich alle elf Tage ein Mitglied der LGBT*-Comunity ermordet wird, 33 pro Jahr. Über 90 Prozent der Morde bleiben straflos. “Dies ist auch das Produkt eines failed state, der seine Laizität nicht respektiert, sondern der Gesellschaft religiöse Konzepte aufdrückt, die nichts mit den Forderungen und Bedürfnissen der sozial am meisten benachteiligten und verwundbar gemachten Gruppen zu tun haben“, so Arcoíris in einer Pressemitteilung.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Honduras (OACNUDH) forderte vom honduranischen Staat eine rasche, umfassende und unparteiliche Aufklärung des Mordes an Scarleth Cambell. OACNUDH hatte ebenso wie die Interamerikanische Menschenrechtskommission CIDH wiederholt konkrete Maßnahmen zum Schutz der LGBT*-Community in Honduras, wie auch von Menschenrechtsverteidiger*innen gefordert. Das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit bekräftigt inmitten von Trauer, Wut und Schmerz seine Solidarität mit Asociación Arcoíris. Wir schliessen uns ausdrücklich auch der Kritik von Arcoíris und des Capítulo Garifuna des BLMP (Black LGBT+ Migrant Project) aus den USA wegen der diskriminierenden und trans*feindlichen Berichterstattung der honduranischen Medien an.

Facebook Asoc. Arcoíris
Bericht Giorgio Trucchi REL-UITA
Twitter OACNUDH

Covid-19: Keine Hafterleichterungen für Aktivisten in Honduras

Mo., 29. Jun. 20, 19:47 Uhr
Seit neun Monaten sind acht Aktivisten ohne Prozess in Haft. Bundestagsabgeordnete fordern Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandardsvon npla, FDCL, poonal, in: amerika21, vom 29.06.2020
Tegucigalpa. Die Regierung von Honduras nutzt nach Auffassung von Menschenrechtsgruppen den Ausnahmezustand, um die Rechte von Aktivisten auszuhebeln.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet weltweit dazu aufgefordert, besonders gefährdete Inhaftierte und solche mit geringen Haftstrafen vorzeitig zu entlassen. Die honduranischen Behörden haben schon damit begonnen. Doch wer tatsächlich vorzeitig aus dem Gefängnis darf, ist fraglich. Denn Umweltaktivisten sitzen in Honduras weiter ohne rechtliche Begründung in U-Haft – und gerade ihre Gegner könnten von den Hafterleichterungen profitieren. "Sie sind keine Verbrecher, sie sind Verteidiger der Umwelt": Kundgebung für die Freilassung der acht Umwelaktivisten. Einzelne Gruppen sind durch das Corona-Virus besonderen Risiken ausgesetzt, darunter auch Gefangene. Aufgrund von Platzmangel können sie in vielen Ländern nicht den nötigen Sicherheitsabstand einhalten, außerdem müssen sie häufig unter äußerst prekären hygienischen Bedingungen leben. Bereits im März hatte sich deshalb Bachelet mit einem dringenden Appell an die Staatschefs dieser Welt gewandt: "Die Regierungen müssen Wege finden, um besonders gefährdete Häftlinge zu entlassen, zum Beispiel wenn sie krank oder besonders alt sind." Auch Inhaftierte mit geringen Haftstrafen und politische Gefangene sollten nach Möglichkeit entlassen werden.

Der Appell ist in Honduras zumindest zum Teil auf offene Ohren gestoßen. Doch während Inhaftierte wie Teodoro Bonilla, der wegen Korruption verurteilte frühere Vizepräsident des Nationalen Rats der honduranischen Richterschaft, freigelassen wurden, sitzen Umweltaktivisten, die den Guapinol-Fluss im Norden des Landes verteidigen, noch immer in Untersuchungshaft.

Denn die honduranischen Behörden sehen die acht Männer als Kriminelle, die die wirtschaftliche Entwicklung des Landes behindern. Ihnen wird schwere Brandstiftung sowie Entführung des Mitarbeiters eines Sicherheitsunternehmens vorgeworfen. Sie selbst weisen die Anschuldigungen zurück. Für ihre Unterstützer sind sie Aktivisten, die kriminalisiert werden, weil sie grundsätzliche Rechte wie das Recht auf Wasser und eine intakte Umwelt verteidigen. Seit Jahren protestieren sie gegen den Bau einer Eisenoxid-Mine nahe der Gemeinde Guapinol, wo es schon während der Vorarbeiten zur Verschmutzung der lokalen Flüsse gekommen sei. Nachdem sie im August vergangenen Jahres freiwillig den Kontakt zu den Justizbehörden gesucht hatten, um die gegen sie erhobenen Vorwürfe aus der Welt zu räumen, wurden sie überraschend in Haft gebracht.

Dabei sei es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten gekommen, so Edy Tábora, der Anwalt der Aktivisten: "Zum einen wurde der Fall von einem Gericht für organisierte Kriminalität verhandelt, das für solche Straftaten gar nicht zuständig ist. Zum anderen hätte die Richterin schon in der ersten Anhörung erklären müssen, warum sie die Beschuldigten in Untersuchungshaft nimmt, doch das hat sie nicht getan."

Alle Bemühungen des Anwalts, sie aus der Haft freizubekommen, blieben bislang ohne Erfolg. Dabei sei es gerade jetzt in der Corona-Krise besonders wichtig, dass die Behörden schnell handelten und die acht Aktivisten aus der Untersuchungshaft entließen, so Tábora. Schließlich seien deren Haftbedingungen äußerst prekär. "Die Inhaftierten sind auf die Hilfe ihrer Familien angewiesen, wenn es um die Versorgung mit Essen, Medikamenten und Wasser geht", erklärte der Anwalt. Doch aufgrund des Coronavirus sind Gefängnisbesuche schon seit Wochen nicht mehr möglich.

In einem Brief haben sich nun auch drei Bundestagsabgeordnete von der Linkspartei und den Grünen an das Menschenrechtssekretariat der honduranischen Regierung sowie den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs und die Mitglieder des Berufungsgerichts gewandt. Darin kritisieren sie, die Untersuchungshaft sei eine willkürliche Maßnahme, die weder internationalen Menschenrechtsstandards noch dem Recht auf einen fairen Prozess entspreche. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Gesundheitskrise aufgrund von Covid-19 sind die Aktivisten im Strafvollzug besonderen Risiken ausgesetzt. Daher ist es dringlichst geboten, die Unterbringung in Untersuchungshaft durch alternative Maßnahmen zu ersetzen", heißt es in dem Schreiben.

Die Lage von Menschenrechtsaktivisten ist in Honduras besonders kritisch: Nach Angaben der internationalen Nichtregierungsorganisation Global Witness wurden allein zwischen 2010 und 2017 mehr als 120 ermordet. Die Prominenteste von ihnen war Berta Cáceres, die Gründerin und Koordinatorin der Indigenen-Organisation COPINH. Die international bekannte Umweltaktivistin hatte unter anderem gegen die Errichtung des Wasserkraftwerks Agua Zarca gekämpft, das die Lebensgrundlagen des indigenen Lenca-Volkes bedroht. Wegen ihres Engagements wurde sie im März 2016 ermordet. Erst Ende vergangenen Jahres wurden deshalb sieben Männer zu langen Haftstrafen verurteilt.

In einer aktuellen Stellungnahme übt COPINH scharfe Kritik an möglichen Plänen der Behörden, zwei der wegen des Mordes an Cáceres verurteilte Männer aufgrund der Corona-Krise freizulassen. Die Organisation will erfahren haben, dass die Anwälte der beiden Männer deren Freilassung „aus gesundheitlichen Gründen“ gefordert hätten. Inwieweit die Behörden diesen Forderungen nachkommen, ist nicht klar.

Doch die Erfahrung der vergangenen Wochen zeigt, dass die Regierung im Windschatten der Corona-Krise zahlreiche Dekrete verabschiedet, die die Sicherheit von Aktivisten zusätzlich gefährdet. So wurde beispielsweise das Recht auf Unverletzlichkeit des eigenen Wohnraums während der Krise ausgesetzt – staatliche Sicherheitskräfte können nun auch ohne richterlichen Beschluss in Privatwohnungen eindringen.

11 Jahre Widerstand in Honduras

So., 28. Jun. 20, 21:28 Uhr
in Solidarität mit den sozialen Bewegungen in Honduras!

Cadeho Alemania · 11 años del Golpe en Honduras, actores alemanes
Am 28. Juni 2009 wurde der damalige Präsident Zelaya gestürzt und außer Landes gebracht. Für Honduras markiert dieses Datum eine Zäsur und für ganz Lateinamerika leitete es einen Rechtsschwenk ein.

In dem solidarischen Radiobeitrag des Kollektivs Cadeho und der Hondurasdelegation wird die deutsche Politik bezüglich des Putsches und Honduras beleuchtet.

Demo gegen den Putsch in Honduras, Foto: Cadeho

Un compás, que acompaña - Ein Rhythmus, der dich begleitet

Sa., 27. Jun. 20, 7:26 Uhr
Online-Konzert von Karla Lara (Gesang) und José Antonio Velásquez (Piano)Die honduranische Musikerin und Aktivistin Karla Lara und ihr kongenialer Pianist José Antonio Velásquez (Piano) kreieren im Studio in Tegucigalpa einen Rhythmus, einen Takt und Kompass, der uns in Zeiten von COVID19 rund um die Welt begleitet: Erstklassiger, poetischer Trova-Sound - Karla Lara-typisch kombiniert mit einem hochpolitischen Diskurs, der klar sagt, was Sache ist, in Zeiten der neokolonialen Hyperausbeutung, von Rassismus und Patriarchat. Mit Beiträgen der autonomen feministischen Organisation CDM, von COPINH (Rat der zivilgesellschaftlichen und indigenen Organisationen von Honduras) und OFRANEH (Geschwisterliche Schwarze Organisation in Honduras).






Samstag, 27. Juni und Samstag, 4.Juli 2020, jeweils 19 Uhr auf youtube:
https://www.youtube.com/channel/UCE5IaIYtXPHqdW0e5q5m9Dw?view_as=subscriber

HondurasDelegation und Ökubüro München unterstützen das Konzert und Karla Laras rebellischen Aufruf, Alternativen zum herrschenden System zu konstruieren. Leider geht es nicht ganz ohne Geld und das ist in Honduras in der Corona-Krise für Künstler*innen knapper denn je.

Deshalb bitten wir alle, die Karlas und José Antonios Arbeit schätzen und das Konzert hören, um einen finanziellen Beitrag, den wir weiterleiten (wie immer steuerlich absetzbar):

SPENDENKONTO:
Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.
Stadtsparkasse München
IBAN: DE65 7015 0000 0056 1762 58
Zweck: Spende Compás Kara Lara

online spenden




Veranstaltungshinweis: The Human Rights Crisis of Covid-19 + Prisons in Honduras

Mo., 22. Jun. 20, 10:33 Uhr
organisiert von: UUSC: Unitarian Universalist Service Committee <https://www.facebook.com/uusc4all/> Freitag, 26. Juni 2020 von 14:30 bis 16:00 (Texto en español más abajo)Foto: Wasser-Aktivist*innen Guapinol Join us for a discussion on the human rights challenges of the COVID-19 pandemic in Honduras, the humanitarian crisis in the country’s prison system, and an update on the current situation of the unjustly detained Guapinol water activists. Our panel will include Jennifer Ávila, award winning journalist and director of Contra Corriente; Yolanda González, researcher at ERIC SJ/Radio Progreso; and Juan López, Guapinol activist and member of FSAR and Comité Municipal en Defensa de los Bienes Públicos y Comunes de Tocoa. UUSC members will have the opportunity to ask questions during the discussion moderated by Amelia Frank-Vitale from the University of Michigan Ann Arbor and facilitated by UUSC researcher Leonardo Valenzuela Pérez.

This event will be offered in Spanish, simultaneous English interpretation will be provided. Register at bit.ly/uusc20honduras.
***
Acompáñenos en nuestro evento sobre los desafíos que la pandemia del COVID-19 ha planteado en términos de derechos humanos para Honduras, la crisis humanitaria en el sistema penitenciario del país y una actualización sobre la situación actual de los activistas de Guapinol detenidos injustamente en la cárcel de Olancho. Nuestro panel incluirá a Jennifer Ávila, Directora de Contra Corriente; Yolanda González, Investigadora de ERIC SJ / Radio Progreso; y Juan López, activista de Guapinol y miembro de FSAR y del Comité Municipal en Defensa de los Bienes Públicos y Comunes de Tocoa. Las y los participantes tendrán la oportunidad de hacer preguntas durante la discusión moderada por Amelia Frank-Vitale de la Universidad de Michigan Ann Arbor y facilitada por el investigador de UUSC Leonardo Valenzuela Pérez.

Este evento será transmitido en español, ofreceremos traducción simultánea al inglés. Regístrese en bit.ly/uusc20honduras.

Widerstand in COVID19-Zeiten: Online-Gespräch und Musik mit Karla Lara aus Honduras

Mo., 22. Jun. 20, 10:22 Uhr
Stattpark Olga und Ökubüro München laden herzlich ein zum Digitalen Platzcafé *am Donnerstag, 25. Juni, 21 - 22:30 Uhr*Honduras ist eines der gefährlichsten Länder weltweit für Umweltaktivist*innen, die Feminizid-Rate ist eine der höchsten in der gesamten Region.

Hinter einer demokratischen Fassade herrscht, gestützt von der US-Regierung, ein nationaler Sicherheitsrat. Staat, Wirtschaft und organisiertes Verbrechen sind eng miteinander verwoben. Inmitten dieses Szenarios und jetzt auch noch unter den besonders repressiven Bedingungen der COVID19-, Dengue- und Hungerkrise kämpfen die sozialen Bewegungen weiter.


Karla Lara mit Miriam Miranda und Garifuna-Musikerinnen am 8.März 2020. Foto: Giorgio Trucchi
Die Musikerin Karla Lara ist Teil dieser Kämpfe: „Wir singen all die Leben, die Träume und Aktionen, die jetzt schon beweisen, dass wir anders leben wollen. Wir konstruieren eine parallele Macht zur herrschenden Politik. Wir denken uns als originäre Gemeinschaften neu, wir erkennen, dass wir Wurzeln haben, eine Geschichte, die brutal abgeschnitten wurde und die wir jetzt anfangen, neu zu verstehen. Da liegt unsere Macht. Und wir sind dabei, sie aufzubauen.“
Karla Lara singt und berichtet uns live über die aktuelle Situation und die Strategien organisierter kleinbäuerlicher und afroindigener Gemeinden, der COVID-19-Krise zu trotzen und dabei autonome, solidarische Strukturen aufzubauen.

 
Sprache: Spanisch mit deutscher Übersetzung
Zutritt zum Digitalen Platzcafé am 25. Juni direkt via http://olga089.blogsport.de/
Dort gibt es auch die entsprechenden Instruktionen zu Browsern und weiteren technischen Details. Bitte vorher kurz durchlesen und beachten.

Zwischen kollabiertem Gesundheitssystem und "intelligenter Wiederöffnung" der Wirtschaft

Sa., 13. Jun. 20, 11:53 Uhr
Lockdown traf viele Honduraner hart. Zahl der Covid-19-Neuinfektion weiterhin stark ansteigendVon amerika21Präsident Juan Hernández in der Sitzung zur "intelligenten" Wiederöffnung
Quelle: presidenciahn

Tegucigalpa. Ärzte und Krankenhausdirektoren haben in Honduras vor einer Überbelegung der großen,gewarnt. Anfang dieser Woche wurde nach knapp drei Monaten wirtschaftlichem Stillstands durch die SARS-CoV2-Pandemie den  Unternehmen erlaubt, ihre Produktion wieder aufzunehmen und Geschäfte zu öffnen.

Der Plan der sogenannten intelligenten Wiederöffnung sieht die Einteilung des Landes in drei Regionen vor, die in Abhängigkeit der Infektionszahl und der Bevölkerungsdichte stehen. Demnach sollen in der Hauptstadt Tegucigalpa und in den nördlichen Ballungszentren, die sich zu Hotspots der Infektionen entwickelt haben, nur 20 Prozent der Bevölkerung an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. In den anderen Regionen des Landes sollen zwischen 40-60 Prozent der Bevölkerung wieder arbeiten können.

In einer interdisziplinären Planungssitzung hatte Präsident Juan Orlando Hernández am 3. Juni erklärt, dass die Unternehmer für Ihre Gesundheit sowie die ihrer Familien und Mitarbeiter verantwortlich seien. "Wenn Sie auf sich aufpassen, vermeiden Sie die schrecklichen Szenarien anderer Länder, in denen die Krankenhäuser die Versorgung nicht gewährleisten", so Hernández.

Laut Unternehmerverband (COHEP) sind während der Quarantäne mehr als 500.000 Arbeitsplätze verloren gegangen oder gestrichen worden. Die Zentralbank geht davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr zwischen 2,9 und 3,9 Prozent schrumpfen wird. Die Überweisungen von den im Ausland lebenden Honduranern an ihre Familien sind ebenfalls zurückgegangen. Im Jahr 2019 machten sie noch rund 20 Prozent des Bruttoinlandproduktes aus.

Die ehemalige Vorsitzende des COHEP, Juliette Handal, kritisierte indes die Unternehmen scharf, die Druck auf die Regierung ausübten. Die Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen würden große Opfer aufbringen. Nun müssten sie zudem auch die Kosten der Hygieneschutzmaßnahmen tragen und für den Transport ihrer Mitarbeiter sorgen.

Die Lungenspezialistin Dr. Suyapa Sosa aus dem Klinikum für Lungen- und Herzkreislauferkrankungen in Tegucigalpa warnt vor den Folgen dieser Öffnung: Wenn das Virus mit einer anderen Kraft zu zirkulieren beginne, würde man in zwei, drei Wochen sehen, wie klug diese gewesen sein wird. Des Weiteren kritisierte sie die unzureichenden Tests: mehr als 3.700 Corona-Tests warteten teilweise länger als 14 Tage auf ihre Analyse. Dadurch komme es zu negativen Ergebnissen, da das Virus in der Regel nur zehn Tage überlebt.

Auch andere Ärzte warnen vor der Öffnung, denn die staatlichen Krankenhäuser seien jetzt schon überlastet. Neben Covid-19 wurde im Februar 2020 von der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation ein weiterer Anstieg der Dengue-Fälle prognostiziert. Schwere Verläufe dieses Fiebers können zum Tode führen.

Der Direktor des größten öffentlichen Krankenhauses in Tegucigalpa, Dr. Osmin Tovar, wurde am Dienstag entlassen, da er wiederholt das Krisenmanagement unter Präsident Hernández in der Corona-Pandemie kritisierte und die prekäre Situation der Versorgung der Infizierten schilderte.

Die Regierung verhängte seit Mitte März eine landesweite Ausgangssperre und schloss Schulen, Geschäfte, Fabriken und behördliche Einrichtungen. Bisher wurden in dem mittelamerikanischen Land 7.669 Corona-Infizierte registriert, 294 Menschen verstarben mit oder an dem Virus. Die Anzahl der im Juni täglich durchgeführten Tests soll zwischen 500 und 600 liegen.

Im öffentlichen Gesundheitswesen, das auch vor der Pandemie schon unzureichend ausgestattet war, fehlt es an Hygieneschutzausrüstungen für das medizinische Personal, an intensivmedizinischen Betten und Gerätschaften. Durch das Ausbleiben der Einkommen und die Preiserhöhungen für Lebensmittel kam es in den letzten Wochen vielerorts zu Hungerprotesten der verarmten Bevölkerung. Staatliche bewaffnete Kräfte lösten sie zum Teil unter Einsatz von Tränengas auf.