Berta Cáceres: Vos tenés la bala, yo tengo la palabra
Vor 10 Jahren wurde Berta Cáceres, Menschenrechts- und Umweltverteidigerin, indigene Aktivistin, Feministin, in ihrem Haus in La Esperanza in Honduras ermordet. Der politische Femizid folgte einem Mordkomplott zugunsten von Wirtschaftsinteressen, dessen Auftraggeber bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Staatliche Stellen wussten im Voraus von dem Plan, taten aber nichts, um Berta zu schützen. An ihrem 10. Todestag wollen wir gemeinsam Berta Cáceres gedenken sowie vollständige Aufklärung und Gerechtigkeit fordern. Dazu gehört auch die Anerkennung territorialer Rechte indigener Gemeinschaften. Wir protestieren gegen die fortdauernde Kriminalisierung, Bedrohung und Ermordung von Menschenrechtsverteidiger:innen in Honduras und ganz Lateinamerika.
Wann? Montag, 02.03. 2026 um 17:00 - 18:00 Uhr
Wo? Forum vor dem Kanzleramt
Fecha: Lunes, 2 de marzo 2026, 5 p.m.- 6 p.m.
Lugar: Forum vor dem Kanzleramt
EU-Parlament erkennt umstrittenes Wahlergebnis an. Libre-Aktivistin nach Demo für Neuauszählung erschossen
Von Anna Rösch amerika21Tegucigalpa. Nasry Asfura Zablah, Wunschkandidat von US-Präsident Trump, hat am 21. Januar seine Ernennungsurkunde als neuer honduranischer Staatschef erhalten. Am heutigen Dienstag wird der 67-jährige Bauunternehmer und ehemalige Bürgermeister des Hauptstadtdistriktes sein Amt antreten. Eine öffentliche Zeremonie mit ausländischen Staatsoberhäuptern ist nicht vorgesehen.
Asfura war am 24. Dezember nach einem umstrittenen Wahlprozess von zwei Mitgliedern des Nationalen Wahlrates zum Sieger der Präsidentschaftswahlen erklärt worden (amerika21 berichtete). Dabei waren Wahlprotokolle, die bis zu 130.000 Stimmen repräsentieren, nicht berücksichtigt worden. Der Vorsprung Asfuras zum Kandidaten der Liberalen Partei, Salvador Nasrallah, betrug jedoch nur knapp 27.000 Stimmen. Dennoch verzichtete die Liberale Partei darauf, ihren Kandidaten als möglichen Wahlgewinner zu verteidigen. Die bisherige, linksorientierte Regierungspartei Libre verlangte hingegen eine Neuauszählung aller Stimmzettel und erließ ein entsprechendes Gesetzesdekret.
Am 21. Januar protestierten Libre-Anhänger vor dem Kongressgebäude in der Hauptstadt Tegucigalpa zugunsten einer Neuauszählung. Unter ihnen war auch Reina Margarita Carrasco, eine im Süden des Landes bekannte Parteiaktivistin. Am nächsten Morgen töteten Unbekannte sie in ihrer Heimatstadt Choluteca mit vier Schüssen in den Kopf. Medienberichte gehen von einem Auftragsmord aus. Das EU-Parlament forderte in einer Resolution am 22. Januar, Asfura als Präsident anzuerkennen. Das Gesetzesdekret, das eine Neuauszählung aller Stimmzettel verlange, sei verfassungswidrig, so die Europaabgeordneten. Es stelle "einen Angriff auf die honduranische Demokratie" dar.
Als Vertreter der rechten Nationalen Partei löst Asfura nun die linke Präsidentin Xiomara Castro ab. Castro hatte 2021 als erste Frau die Präsidentschaftswahlen unter dem von breiten Bevölkerungskreisen getragenen Motto "Fuera JOH!" (Weg mit JOH!) mit deutlicher Mehrheit gewonnen. Juan Orlando Hernández (JOH) von der Nationalen Partei hatte Honduras in einen korrupten Narcostaat verwandelt. Er wurde 2024 an die USA ausgeliefert und hätte dort eine 45-jährige Haftstrafe wegen Konspiration zum Drogenhandel absitzen müssen, wurde jedoch von US-Präsident Trump begnadigt und Anfang Dezember 2025 freigelassen.
Der neue honduranische Staatschef Asfura gilt als enger Vertrauter von Hernández. Als Bürgermeister von Tegucigalpa soll er zudem selbst in mehrere Korruptionsskandale verwickelt gewesen sein. Gegen ihn ist ein Verfahren wegen der mutmaßlichen Unterschlagung von über 28 Millionen Lempira (etwa 900.000 Euro) aus dem Haushalt der Hauptstadt anhängig. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass der neugewählte Kongress seine Immunität aufheben wird. Die Nationale Partei hat dort jetzt 49 Sitze. Die ebenfalls rechte Liberale Partei ist mit 41 Abgeordneten vertreten, Libre mit 35. Zwei Sitze entfallen auf die sozialdemokratische PINU-SD, auf die Christdemokraten ein Sitz. Zum Kongresspräsidenten wurde am 23. Januar, in Abwesenheit der Libre-Abgeordneten, Asfuras Parteifreund Tomás Zambrano gewählt. Er gilt als einer der Drahtzieher des sogenannten "Paktes der Korrupten" im honduranischen Kongress, der 2018 aufgedeckt wurde.
Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen in Honduras erwarten unter der Präsidentschaft von Nasry Asfura eine Verschärfung der extraktivistischen Wirtschaftspolitik, neue Lizenzen für Bergbau- und Wasserkraftprojekte und freie Bahn für die sogenannten "Zonen für Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung" (ZEDE). Diese von JOH ermöglichten nahezu autonomen, privaten Enklaven für Unternehmen waren während der Amtszeit von Xiomara Castro verboten, aber nicht gänzlich aufgelöst worden. (amerika21 berichtete). Trump nahestehende Tech-Milliardäre haben großes Interesse an diesen Zonen, die sie weltweit vernetzen wollen.
Un evento organizado por HondurasDelegation Alemania, Colectivo CADEHO, Berlin y la Oficina Ecuménica por la Paz y la Justicia en Múnich.
Tegucigalpa. Auch knapp drei Wochen nach den Wahlen hält in Honduras die Unsicherheit darüber an, wer das nächste Staatsoberhaupt des Landes sein wird. Derzeit läuft eine manuelle Nachzählung von rund 2.800 Wahlprotokollen. In der Zwischenzeit heizt sich die Stimmung immer stärker auf. Am Mittwoch kam es bei Zusammenstößen zwischen Anhänger:innen der linken Noch-Regierungspartei Libre und der von US-Präsident Donald Trump favorisierten rechten Nationalen Partei zu mindestens 20 Verletzten auf beiden Seiten. Die Polizei schritt gewaltsam ein und verschoss Tränengasgranaten.
Von Donald Trump unterstützter Kandidat führt. Betrugsvorwürfe der Liberalen Partei und von Libre. Sprachnachrichten verstärken Manipulationsvorwürfe
Von Thorben Austen amerika21Tegucigalpa. Auch zwölf Tage nach den Präsidentschaftswahlen in Honduras steht der Sieger nicht fest. Zwar sind mittlerweile 99,4 Prozent ausgezählt und der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Kandidat Nasry Asfura von der Nationalen Partei kommt auf 40,52 Prozent. Sein Konkurrent Salvador Nasralla von der Liberalen Partei folgt mit 39,2 Prozent, beide trennen rund 42.000 Stimmen. Auch wenn damit rechnerisch ein technischer Sieg von Asfura feststehen könnte, ist das Ergebnis noch nicht offiziell.
Nach aktuellen Angaben des Wahlrats CNE sollen rund 15 Prozent der Wahlzettel, also 500.000 Stimmen, in einer Sonderprüfung nochmals nachgezählt werden. Bei diesen Stimmen gibt es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten. Unklar ist, wann genau diese Nachzählung beginnen soll. Cossette López-Osorio, die im Wahlrat die Nationale Partei vertritt, sprach von einem möglichen Beginn bereits am Freitag. Marlon Ochoa, der für die Partei Libre in dem Gremium sitzt, wurde von France 24 zitiert, wonach die Nachzählung am Samstag, den 13. Dezember, beginnen würde. Es gebe aber noch kein bestätigtes Datum. Spätestens am 30. Dezember, einen Monat nach der Stimmenabgabe, muss der Wahlrat ein Ergebnis verkünden, dem mindestens zwei der drei Vertreter des Wahlrates zustimmen müssen. Neben López und Ochoa gehört dem Wahlrat noch Ana Paola Hall als Präsidentin und Vertreterin der Liberalen Partei an.
Nasralla geht die angestrebte Nachzählung eines Teils der Stimmen nicht weit genug. Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch erklärte der Liberale, es müsse "jede einzelne Stimme nachgezählt werden". Diese Forderung begründete Nasralla im Kern mit drei Vorwürfen, die sich an das private kolumbianische Unternehmen ASD richteten, das die Auszählung der Stimmen organisierte. Die erste Unregelmäßigkeit betreffe laut Nasralla "119.000 ungültige Stimmen, die den Vorsprung von 40.000 Stimmen für Asfura deutlich übersteigen".
Der zweite Vorwurf betrifft "die Funktionsweise des biometrischen Systems: Von den 19.167 Auszählungsbögen wiesen mehr als 17.000 Diskrepanzen zwischen dem Fingerabdruck und den erfassten Daten auf", sagte Nasralla. Der dritte Fehler bestehe darin, dass der Liberalen Partei bei der Umwandlung der Wahllisten in digitale Daten angeblich "300.000 Stimmen entzogen wurden". Nasralla ist sich sicher, dass die Liberale Partei die Wahlen in Wirklichkeit mit "großem Vorsprung gewonnen hat".
Am Freitag präsentierte Nasralla in einem Video einen USB-Stick mit 99,9 Prozent der "originalen Auszählungsbögen", die er durch den Rechtsanwalt Francisco Sibrián erhalten hat. Diese Bögen würden eine komplette Überprüfung der Wahlergebnisse sicherstellen, damit "alle Liberalen in Honduras ruhig und entspannt sind", sagte Nasralla.
Die Forderung nach einer detaillierten Neuauszählung wird auch vom Generalkoordinator der Partei Libre, Manuel Zelaya, sowie von Nelson Ávila, Präsidentschaftskandidat der kleinen sozialdemokratischen Partei Pinu, unterstützt. Nach einem Artikel von Criterio Honduras wurde außerdem in den Reihen der Partei Libre Nasralla als Wahlsieger angesehen. Dies hätten die eigenen Zählsysteme ergeben.
Der aktuell in den Auszählungen führende Asfura forderte, dass die Sonderauszählung live übertragen werden müsse und von der Zivilgesellschaft, den Kirchen, den Medien und internationalen Organisationen begleitet werde.
Am Donnerstag hat die Staatsanwaltschaft neue Videos präsentiert, auf denen mutmaßlich Wahlratsmitglied López zu hören ist. Bereits vor den Wahlen waren Audios aufgetaucht, in denen laut Staatsanwaltschaft López mit dem Fraktionschef der Nationalen Partei über eine Manipulation der Wahlen gesprochen habe (amerika21 berichtete).
Auf den aktuellen Audios ist eine weibliche Stimme zu hören, die unter anderem sagt, dass das Auszählungssystem des Wahlrates und das des Antikorruptionsrates CNA "exakt dasselbe ist. Wenn sie das herausfinden, sind wir gebraten". An anderer Stelle ist zu hören: "Sie kennen die Anweisung, eine Stimme Ja, eine Nein, eine Ja, eine Nein". Dabei soll es sich um Anweisungen an Helfer bei der Auszählung gehandelt haben. López bestreitet die Echtheit der Audios und erklärt, dass die "Verbreitung gefälschter Audios das Wahlergebnis nicht beeinflusst".
In den vergangenen Tagen war es bereits zu Protesten, vor allem von Anhängern der Partei Libre, gekommen. Auch die permanente Kommission des Parlaments kritisierte die "ausländische Einmischung" und den "laufenden Wahlputsch". Dem entgegen forderte die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), dass der Wahlrat "ohne Druck" seine Arbeit machen müsse. Der permanente Rat der OAS will am kommenden Montag zu einer außerordentlichen Sitzung über die allgemeinen Wahlen in Honduras zusammenkommen.
Bei den Bürgermeisterwahlen, die zeitgleich stattgefunden hatten, wurden nach aktuellem Stand 188 der 298 Bürgermeister wiedergewählt. Die stärkste Kraft ist hier die Nationale Partei mit 135 Bürgermeisterposten, gefolgt von den Liberalen mit 73 und Libre mit 63. Zu Konflikten kam es bei der Wahl um das Bürgermeisteramt im Hauptstadtdistrikt. Dort liegt Juan Diego Zelaya von der Nationalen Partei vorn, aber mit einem knappen Vorsprung von 613 Stimmen gegenüber dem Amtsinhaber Jorge Aldana von der Partei Libre. Auch hier gibt es Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten, was schon zu Protesten der Basis der Partei Libre führte.
Libre, die seit 2021 die Regierung stellt, will an diesem Wochenende zu einer außerordentlichen Versammlung der Partei auf nationaler Ebene zusammenkommen.
Tegucigalpa. Auch eine Woche nach den Wahlen steht in Honduras der Sieger noch immer nicht fest. Nach den letzten vom Wahlrat CNE am Freitag veröffentlichten Zahlen, bei knapp 90 Prozent der ausgezählten Stimmen, liegt nun wieder der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Kandidat, Nasry Asfura von der Nationalen Partei mit 40,19 Prozent vorn. Sein Konkurrent Salvador Nasralla von der Liberalen Partei kommt auf 39,49 Prozent. Beide trennen rund 20.000 Stimmen. Noch am Mittwoch hatten bei der Auszählung Nasralla mit rund 14.000 Stimmen vorn gelegen.
Nachdem ihn Asfura am Donnerstag überholt hatte, prangerte Nasralla mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der vorläufigen Stimmenauszählung an. Hintergrund waren Systemausfälle beim CNE und wachsendes Misstrauen gegenüber den Ergebnissen.
Am Freitag erklärte Nasralla, dass er Asfura mit noch ausstehenden Wahlprotokollen, die noch nicht im Auszählungszentrum eingegangen sind, noch mit 40.000 Stimmen überholen werde. Nasralla begründet dies im Wesentlichen damit, dass Stimmen im Departamento Cortes um die Industriestadt San Pedro Sula noch nicht ausgezählt seien. Dies sei aber eine Hochburg der Liberalen Partei. Tatsächlich führt Nasralla dort und in weiteren Departamentos der Karibikküste mit hoher Einwohnerzahl. Nasralla erklärte in seinen sozialen Netzwerken: "Sie wollen weiter mit der Korruption Geschäfte machen, deshalb lassen sie Nasralla seit 2013 nicht gewinnen".
Tatsächlich waren die Wahlen 2013 und 2017 von Betrugsvorwürfen zugunsten der Nationalen Partei überschattet. 2013 erreichte Nasralla mit seiner kleinen Antikorruptionspartei aber nur den vierten Platz, 2017 war er der offizielle Zweitplatzierte nach Juan Orlando Hernández. Tatsächlich erinnert die Situation 2017 aber teilweise an die heutige. Damals hatte zunächst Nasralla, damals noch in einer Allianz mit der Partei Libre, vorn gelegen. Nach einem Ausfall der Computersysteme ging dann aber Hernández in Führung und wurde schließlich zum Sieger erklärt.
Asfura konterte mit einer Erklärung, in der er zur Ruhe aufrief und bekräftigte, dass die Stabilität des Landes oberste Priorität habe und über allen persönlichen Interessen stehe. Er erklärte außerdem, dass das endgültige Wahlergebnis "zu gegebener Zeit" bekanntgegeben werde.
Die Kandidatin der Partei Libre, Rixi Moncada, kommt auf 19,3 Prozent. In einem längeren Interview mit teleSUR am Mittwoch machte sie dafür die direkte Einmischung von Donald Trump verantwortlich. Dieser hatte direkt zur Wahl von Asfura aufgerufen (amerika21 berichtete). Weiter wurden, laut Moncada, in den Tagen vor der Wahl an Millionen Bürger in Honduras Handynachrichten geschickt, in denen behauptet wurde, dass im Falle eines Wahlsieges die Überweisungen von Migranten in den USA nach Hause ab Dezember nicht mehr ankommen würden. Diese machen mit rund elf Milliarden US-Dollar den größten Anteil am honduranischen BIP aus, rund 2,5 Millionen Menschen in Honduras erhalten sie regelmäßig.
Der in Honduras bekannte Menschenrechtsaktivist Padre Ismael Moreno nennt gegenüber Prensa Comunitaria noch weitere Gründe. Neben der äußeren Einmischung durch Trump sei die Wahlniederlage auch auf Korruptionsskandale wie den Skandal im Staatssekretariat für soziale Entwicklung oder den Skandal um die mögliche Annahme von Bestechungsgeldern von Drogenbanden durch Carlón Zelaya, Ex-Abgeordneter und Schwager der scheidenden Präsidentin Xiomara Castro, zurückzuführen. Dies soll sich zwar schon 2013 ereignet haben, wurde aber erst im vergangenen Jahr durch Videos öffentlich. Nicht zuletzt habe Libre laut Moreno die Basis vergessen, aus der Parole "Nur das Volk schützt das Volk" sei, nur "die Regierung schützt das Volk" geworden.
Juan Orlando Hernández verließ eine Haftanstalt in West Virginia. Er war in den USA wegen Waffen- und Drogenhandels zu 45 Jahren verurteilt
Von Thorben Austen amerika21Washington/Tegucigalpa. US-Präsident Donald Trump hat eine angekündigte Begnadigung wahr gemacht, wodurch am Montagabend Juan Orlando Hernández eine Haftanstalt in West-Virginia verlassen konnte. Der Ex-Präsident von Honduras war wegen Waffen- und Drogenhandels in den USA zu 45 Jahren Haft verurteilt. Die Freilassung bestätigte seine Ehefrau Ana García de Hernández am Dienstag auf X. García de Hernández schrieb: "Gott ist treu und lässt uns niemals im Stich! Gestern, Montag, der 1. Dezember 2025, erlebten wir einen Tag, den wir nie vergessen werden. Nach fast vier Jahren voller Schmerz, Warten und schwerer Prüfungen wurde mein Mann, Juan Orlando Hernández, dank der Begnadigung durch Präsident Donald Trump wieder ein freier Mann."
Trump hatte die Begnadigung bereits am vergangenen Freitag angekündigt (amerika21 berichtete). Laut eines Urteils aus dem Jahr 2024 ist Hernández durch die Annahme von Bestechungsgeldern für den reibungslosen Transport von 400 Tonnen Kokain in die USA verantwortlich, heißt es in einem Artikel von teleSUR. Weiter schrieb der Sender: "Hernández' Verbindungen zum organisierten Verbrechen bestehen schon seit langem." Im Prozess enthüllten wichtige Zeugen, wie der ehemalige Bürgermeister Alexander Ardón, dass Hernández bereits vor seiner Präsidentschaft in seiner Funktion als Abgeordneter Joaquín "El Chapo" Guzmán im Austausch gegen millionenschwere Bestechungsgelder einen überwachungsfreien Weg über die Grenze zu Nicaragua ermöglichte. Während seiner Präsidentschaft nutzte er staatliche Institutionen, darunter Polizei und Militär, um Drogenlieferungen zu schützen und Honduras laut Anklage in einen "Narko-Staat" zu verwandeln".
Ardón ist der ehemalige Bürgermeister von El Parasío im Departamento Copán, verbüßte in den USA selbst eine Haftstrafe wegen Drogenhandels und kehrte im April dieses Jahres nach Honduras zurück.
TeleSUR griff in dem Artikel auch die aktuelle Politik der Militäraktionen der US-Marine auf, die nach Angaben aus dem Weißen Haus der Bekämpfung des Drogenhandels dienten. "Trumps Begnadigung befreit nicht nur einen verurteilten Straftäter, sondern rehabilitiert auch politisch eine Person, deren Vergangenheit die aktuellen US-Rechtfertigungen für die Militärintervention in der Karibik völlig widerlegt. Während Verteidigungsminister Marco Rubio Ländern wie Venezuela und Kolumbien ein Fentanylproblem vorwirft, das sie nicht verursachen, und eine kostspielige Militäroperation startet, die Dutzenden zivilen Fischern als "Kollateralschaden" das Leben kostete, unterstützte er selbst ein Regime und war mit ihm verbunden, das nachweislich für die Einfuhr Hunderter Tonnen Kokain in die Vereinigten Staaten verantwortlich ist."
Die Freilassung von Hernández fällt in Honduras in die Phase der immer noch nicht vollständig ausgezählten Wahl vom Sonntag. Trump hatte sich deutlich für den Kandidaten Nasry Asfura von der Nationalen Partei, der auch Hernández angehörte, positioniert. In ersten Zwischenergebnissen hatte dieser tatsächlich vorn gelegen, nach dem letzten vom Wahlrat veröffentlichten Zwischenergebnis von Dienstag 17 Uhr Ortszeit zeichnet sich nun allerdings ein knapper Vorsprung von Salvador Nasralla von der Liberalen Partei ab, der mit 40,15 Prozent in Führung liegt. Asfura folgt mit 39,69 Prozent und einem Rückstand von knapp 10.000 Stimmen.
Von Thorben Austen amerika21
"Zusammen wird es uns gut gehen". Der rechte Kandidat Asfura liegt bei den Wahlen hauchdünn vornQuelle:Nasry Tito AsfuraTegucigalpa. Auch fast 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale steht in Honduras kein Wahlsieger fest. Laut Zahlen des Wahlrats CNE standen am Montagnachmittag die beiden konservativen Kandidaten Nasry Asfura von der Nationalen Partei und Salvador Nasralla von der Liberalen Partei bei einem "technischen Unentschieden". Nach 57 Prozent ausgezählter Stimmen kam Asfura auf 39,91 Prozent, Salvador Nasralla auf 39,89 Prozent. 505 Stimmen trennten beide Kandidaten.
Nach den ersten Veröffentlichungen des Wahlrates am Sonntagabend hat Asfura noch mit gut 1,2 Prozent der Stimmen in Führung gelegen, seitdem ist sein Vorsprung kontinuierlich gesunken. Auf Platz drei liegt die Kandidatin der bisherigen Regierungspartei Libre, Rixi Moncada. Sie kommt auf 19,4 Prozent.
Die Wahlbeteiligung lag mit 43,6 Prozent deutlich unter der von 2021, als 68 Prozent der Wähler abgestimmt hatten. Der Wahltag wurde in den Medien als überwiegend ruhig und ohne größere Zwischenfälle beschrieben.
Asfura und Nasralla repräsentieren mit der Nationalen bzw. der Liberalen Partei die beiden Parteien, die sich bis zum Putsch 2009 jahrzehntelang an der Macht abwechselten. Aus dem Widerstand gegen den Putsch entstand die Partei Libre, die 2021 mit Xiomara Castro die Wahlen gewann. Nasralla, ein ehemaliger Fernsehmoderator, stand nach dem Putsch in Opposition zur Nationalen Partei und forderte die Wiederherstellung der Demokratie. 2017 kandidierte er in einer Allianz mit Libre, 2021 verzichtete er dann zugunsten von Libre auf eine eigene Kandidatur. In der vergangenen Legislaturperiode überwarf er sich aber mit der Partei, schloss sich der Liberalen Partei an und gewann die parteiinternen Vorwahlen.
Nasry Asfura war von 2014 bis 2022 Bürgermeister der Hauptstadt Tegucigalpa. Seine Nationale Partei regierte Honduras nach dem Putsch von 2009 für zwölf Jahre, die Wahlen 2013 und 2017 waren von Betrugsvorwürfen überschattet.
US-Präsident Donald Trump hat sich vergangene Woche in den Wahlkampf eingemischt (amerika21 berichtete). Erst rief er zur Wahl Asfuras auf, dann stellte er am Freitag finanzielle Hilfen für Honduras in Aussicht, aber nur, wenn Asfura gewinnen sollte. In der gleichen Mitteilung am Freitag kündigte Trump die Begnadigung des wegen Drogen- und Waffenhandels verurteilten Ex-Präsidenten Juan Orlando Hernández an (amerika21 berichtete).
In einigen Medien wird eine vergleichsweise radikale Rhetorik der bisherigen Regierungspartei Libre als Grund für die Niederlage aufgeführt. Die Regierung von Xiomara Castro hatte sich selbst als Regierung des "Demokratischen Sozialismus" und "Regierung aus dem Widerstand" bezeichnet. In einem Beitrag nach den Wahlen erklärte der Analyst Héctor Soto, Libre sei nicht für ihre "Regierungsarbeit vom Wähler abgestraft worden, sondern für ihre Vorschläge ins Extreme, da sagte das politische Zentrum, da gehe ich nicht mit".
Am Sonntag wurden auch die Bürgermeister und das Parlament neu bestimmt. Bei ersteren liegen noch keine abschließenden Ergebnisse vor, bei den Parlamentswahlen zeichnet sich ebenfalls ein Sieg für die traditionellen Parteien ab. Die Nationale Partei kommt nach Zahlen vom Montag auf 50 Sitze, die Liberalen auf 39, Libre auf 34. Jeweils zwei Sitze haben die Demócrata Cristiana und die sozialdemokratische Pinu.
Trump wirbt für rechten Kandidaten Tito Asfura. Kritik am Einfluss der USA. Zahlreiche Organisationen entsenden Wahlbeobachter
Von Thorben Austen amerika21Tegucigalpa. Für die Präsidentschaftswahlen am heutigen Sonntag in Honduras gibt es bisher keinen klaren Favoriten. Nach einer Umfrage von CID Gallup liegt der Kandidat der oppositionellen Liberalen Partei, Salvador Nasralla mit 27 Prozent knapp vorn. Dahinter folgen Rixi Moncada von der Regierungspartei Libre (Libertad y Refundación) mit 26 Prozent. Es folgt Nasry "Tito" Asfura von der Nationalen Partei mit 24 Prozent.
Das honduranische Wahlrecht kennt keine Stichwahl, der mit einfacher Mehrheit gewählte Kandidat ist der zukünftige Staatspräsident. Neben dem Amt des Staatschefs werden am Sonntag auch das Parlament, die 298 Bürgermeister und die 20 Abgeordneten von Honduras für das Zentralamerikanische Parlament neu bestimmt.
Der Jesuitenpfarrer und Menschenrechtsverteidiger Ismael Moreno sieht in den drei Kandidaten zwei gegensätzliche Modelle: "Libre repräsentiert zumindest auf dem Papier eine Abkehr vom extraktivistischen Wirtschaftsmodell und Steuerprivilegien für große Unternehmen. Liberale und Nationale Partei hingegen setzten beide auf Bergbau, Steuerbefreiungen und eine umfassende Öffnung für internationale Investitionen – häufig zulasten der Arbeiter:innen", wird er im Nachrichtenportal Lateinamerika zitiert.
US-Präsident Donald Trump mischte sich am Mittwoch direkt in den Wahlkampf ein. In einem Post auf Social Truth schrieb er: "Tito Asfura ist der einzige Freund der Freiheit in Honduras". Gleichzeitig griff Trump sowohl Moncada als auch Nasralla an. "Moncada bezeichnet Fidel Castro als ihr politisches Idol, normalerweise würden Menschen im wunderschönen Honduras sie ablehnen und Asfura wählen, aber die Kommunist versuchen die Bevölkerung zu täuschen, indem sie mit Nasralla einen dritten Kandidaten aufstellen. Nasralla ist kein Freund der Freiheit, fast ein Kommunist, und unterstützte Xiomara Castro", schrieb Trump.
Tatsächlich kandidierte Nasralla 2017 für seine eigene Partei "Salvador de Honduras", aber mit Unterstützung der Partei Libre. Die von Betrugsvorwürfen überschattete Wahl gewann die Nationale Partei. 2021 verzichtete Nasralla zugunsten von Castro auf eine eigene Kandidatur, diese gewann die Wahl deutlich. In der vergangenen Regierungsperiode kam es aber zum Zerwürfnis zwischen Castro und Nasralla.
Bereits Anfang November haben der Öffentlichkeit vorgelegte Sprachaufnahmen für Aufregung gesorgt, in denen die Beraterin der Wahlbehörde CNE, Cossette López, und der Fraktionschef der Nationalen Partei, Tomás Zambrano, über Möglichkeiten der Manipulation der Wahlen sprechen. Zwar vertritt López im Wahlrat die Nationale Partei, trotzdem war damals auch von einer Unterstützung für Nasralla die Rede gewesen. "Wichtig ist, bekannt zu geben, dass Salvador Nasralla gewinnt und bitte nicht Rixi Moncada", ist López auf den Aufnahmen zu hören, die durch ein anderes Mitglied des Wahlrates der Staatsanwaltschaft zugespielt wurden. Damals war auch von der Unterstützung der "Leute aus der Botschaft" die Rede, obwohl nicht konkret genannt, lag nahe, dass die US-Botschaft gemeint ist (amerika21 berichtete).
Auf einer Pressekonferenz der Allianz der Linken Honduras, einem Zusammenschluss linker und kleinerer sozialistischer Organisationen am Donnerstag positionierten sich die Teilnehmer deutlich gegen die Einmischung der USA. Die Einmischung und geplante Destabilisierung werden von Abgeordneten sowohl der Nationalen als auch der Liberalen organisiert, hieß es dort. Weiter erklärte ein Sprecher, Trump solle sich um die "eigenen Probleme in den USA kümmern, da hat er genug zu tun."
Auch auf einer Pressekonferenz des Cespad (Centro de Estudio para la Democracia) wurde die "inakzeptable Einmischung in den Wahlprozess durch Donald Trump" kritisiert. "Dies verstößt gegen alle internationalen Regeln und verstärkt die Krise der Demokratie, in der sich Honduras seit dem Putsch 2009 befindet", hieß es dort. Die zivilgesellschaftliche Organisation arbeitet seit September 2024 an einem fairen und transparenten Wahlprozess und hat mit Partnerorganisationen aus verschiedenen Ländern Wahlbeobachter für die Wahlen am Sonntag eingeladen. Nach Medienberichten haben 68 Organisationen, darunter die Organisation Amerikanischer Staaten, insgesamt 32.000 nationale und internationale Wahlbeobachter entsandt.
Trotzdem gilt die Lage in Honduras als angespannt. Vor allem die Anhänger der Parteien Libre und der Nationalen Partei stehen sich unversöhnlich gegenüber. Am Mittwoch kam es sogar zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Anhänger beider Parteien in der Hauptstadt. Für José, der in einem Wohnviertel in Tegucigalpa noch in den letzten Tagen vor den Wahlen einen Infostand der Partei Libre betreibt, ist daher "der Erhalt der Demokratie wichtig… Natürlich hoffe ich auf Rixi Moncada, aber letztlich gewinnt, wer gewinnt, das sollten dann aber auch die Amerikaner respektieren", sagte er gegenüber amerika21.
Juan Orlando Hernández ist in den USA wegen Drogen- und Waffenhandel verurteilt. Er erhielt 45 Jahre Haft. Trumps Ankündigung kommt kurz vor der Wahl in Honduras
Von Thorben Austen amerika21Washington/Tegucigalpa. US-Präsident Donald Trump will dem in den USA verurteilten und inhaftierten Juan Orlando Hernández (JOH) "vollständige und uneingeschränkte Begnadigung" gewähren. Hernández, von 2014 bis Januar 2022 Präsident von Honduras, wurde im März 2024 wegen Waffen- und Drogenhandel zu einer 45-jährigen Haftstrafe verurteilt. Gerüchte, wonach Hernández angeblich schon am Freitag aus der Haft freikam, wurden aber am Abend dementiert.
Die Mitteilung von Trump kam zwei Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Honduras und zwei Tage nachdem der US-Präsident im honduranischen Wahlkampf eine Empfehlung für den Kandidaten Nasry "Tito" Asfura ausgesprochen hatte. Asfura kandidiert für die Nationale Partei, der auch Hernández angehörte.
"Ich werde dem ehemaligen Präsidenten Juan Orlando Hernández eine vollständige Begnadigung gewähren, der nach Ansicht vieler Menschen, die ich sehr schätze, sehr hart und ungerecht behandelt wurde. Das darf nicht hingenommen werden, insbesondere jetzt, nach dem Wahlsieg von Tito Asfura, wo Honduras auf dem Weg zu großem politischem und wirtschaftlichem Erfolg sein wird. Wählen Sie Tito Asfura zum Präsidenten und gratulieren Sie Juan Orlando Hernández zu seiner bevorstehenden Begnadigung", schrieb Trump in einem Beitrag auf Truth Social.
Nach Medienberichten nannte Trump noch keine Details zur geplanten Begnadigung. La Prensa zitiert in einem Artikel "einen ansässigen Anwalt und internationalen Analysten, der anonym bleiben wollte." Dieser bestätigte, dass eine Begnadigung rechtlich möglich ist. "Wenn Präsident Trump Lust hat, steht er morgens auf und unterschreibt das Dokument für jede Person, die ein Bundesverbrechen begangen hat (...) Niemand kann ihn zu irgendetwas zwingen."
Die Nachricht von der möglichen Freilassung beherrschte am Freitagabend honduranische Medien. Rixi Moncada, Präsidentschaftskandidatin der Regierungspartei Libre, schrieb auf Facebook: "Das Volk weiß, dass das Zweiparteiensystem mit seinen Putschplänen, dem Drogenhandel und dem Betrug besiegt ist. Meine Stärke liegt in meinem Gewissen und dem mobilisierten Volk. Heute versuchen jene im Ausland, Kriminelle wieder an die Macht zu bringen und den Befreiungsprozess zu stoppen, der als Reaktion auf den Staatsstreich vom 28. Juni 2009 begann. Die Finanzeliten, die unser Volk ausbeuten und in Washington die Fäden ziehen, sind Heuchler; ihnen ist Gerechtigkeit gleichgültig, geschweige denn Demokratie."
In Tegucigalpa war kurz nach Bekanntwerden der Nachricht am Freitagabend Feuerwerk zu hören. Dabei soll es sich um Freudenbekundungen von Anhängern der Nationalen Partei gehandelt haben. René Hernández von der Partei Libre bezweifelt gegenüber amerika21 dennoch, dass Trump mit der Entscheidung der Nationalen Partei einen Gefallen getan hat. "Fuera JOH (JOH raus) war eine zentrale Forderung der Proteste gegen die Nationale Partei, dies wurde bis in Kreise der gehobenen Mittelschicht geteilt, ganze Fußballstadien haben Fuera JOH gerufen. Trump hat offenbar keine Ahnung von der politischen Lage und den sozialen Kämpfen in Honduras."
la prensa hn telemundo la prensa hn