praktisch und grundsätzlich
Achtung - ebenso gabs den Vortrag zum Rüstungszentrum - siehe dort
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Die BIFA bereitet Workshop beim BUKO35 (alter Link weg?)vor:
Friedensaktive suchten und fanden immer wieder Unterstützung in der Friedensforschung, auch wenn inzwischen klar ist, daß sich große Teile der staatlich finanzierten Friedensforschung in Richtung „etablierte Politikberatung“ bewegten.
Es war jedenfalls „gut gemeint“, als bei der „Friedenskonferenz“ in München "Friedenslogik statt Sicherheitslogik" mit Hanne-Margret Birckenbach zum Thema gemacht wurde (Februar 2013). Bei näherem Hinsehen erscheint uns vieles dabei als hilflose Kritik an der herrschenden Politik. Es werden Lösungsansätze angeboten, die in Appellen an den Staat eher an Wunschdenken als an Analyse erinnern.
von der österreichischen "Solidar-Werkstatt": George Orwell charakterisierte in seinem berühmten Roman „1984“ die Propagandafloskeln autoritärer Regime: „Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei und Unwissenheit ist Stärke.“ Seit heute kann man ergänzen: „Und der Militärpakt EU ist eine Friedensmacht“.
Die Vergabe des Friedensnobelpreises an die EU weist mindestens ebensolche Orwell´schen Dimensionen auf wie im Jahr 2009 die Vergabe dieses Preises an US-Präsident Obama, der den Krieg der USA gegen Afghanistan und Pakistan intensivierte, gemeinsam mit EU-Mächten Libyen zerbombte und unter dem die Rüstungsausgaben auf ein Allzeithoch hinauswuchsen. Der „Friedensnobelpreis“ für die EU ist von einer ähnlich zynisch-grausamen Dimension.
Die Geburtsurkunde des „Friedensnobelpreisträgers“: Völkerrechtswidriger Angriffskrieg ... dort gehts weiter
Schon länger ist dieses Thema bei der BIFA "zu Hause", kleine Erinnerung: So 2005 und noch hier, dazu der knappe Vortrag von 2007.
Die Einleitung soll zeigen, warum diese neue IMI-Studie gerade bei der BIFA sehr willkommen ist:
Angesichts der ziemlich (nicht ganz - immerhin!) gleichgeschalteten Medienlandschaft ist die Argumentation der Friedensbewegung wichtig wie eh und je, aber natürlich weder einfach noch selbstverständlich.
gemeint ist hier: Wie in Tunesien und Ägypten (mit zunächst ungeahnten Erfolgen), gilt das massenhafte Engagement auf der Strasse als große Erungenschaft, und dem sehen wir uns solidarisch verbunden.
Nur: Anders als in den beiden Fällen wurde in Libyen die 'Revolution' von NATO-Staaten 'gekidnappt', der Bürgerkrieg eskaliert, das Land mit militärischer Übermacht brutal verwüstet, die Zahl der Opfer vervielfacht, und so ist zu befürchten, die Perspektive entscheidend verdunkelt.
Solidarität muß hier vor allem heißen: Protest gegen die Ursurpation durch "den Westen", Verantwortliche für die Opfer zur Rechenschaft ziehen, Wiedergutmachung ...
Zunächst - wo informieren?
Hier - auf Englisch - eine praktische Liste ("US Congressional Service"):
Use of US Armed Forces Abroad 1798-2010 PDF 356k
Mehr dazu: A Century of US Military Interventions
So ziemlich alle Befürchtungen mit denen wir uns gegen die westliche Militärintervention wandten haben sich bewahrheitet - schlimm.
Bei der Artikelsammlung beim Friedensbündnis kam ich bald nicht mehr nach, aber die wichtigsten Sachen dort bleiben gültig.
Die RATIONALGALERIE greifts grad wieder auf - Sarkasmus ist auch ein Versuch ...
Eine wichtige Veranstaltung ist Anlaß dies erneut aufzugreifen:
Die GEW München (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) hat Michel Schulze von Glaßer eingeladen, uns dazu auf dem Laufenden zu halten, und hier ist ein jüngerer Text von ihm bei der IMI:
http://imi-online.de/download/MSG_Jugendoffiziere_Studie.pdf
hier bei der BIFA gibts dazu auch einiges ..
Sehen wir uns:
Donnerstag, 4. März 2010, 19 Uhr, DGB-Haus
Thema/Referent s.o.
GEW, Schülerinitiative München und weitere Partner ..
dazu bei der GEW "Informationen zur Meinungsvielfalt":
Die Schüler_innen und Student_innen lernen schnell - das schöne Motto zeigt es:
Bildungsdemo München
Am kommenden Wochenende finden parallel zwei inhaltlich wichtige Veranstaltungen statt. Leider gleichzeitig - man muß sich entscheiden. Unsere Empfehlung - die BIFA ist bei beiden vertreten!
von Claus Schreer
Der Bundesausschuss Friedensratschlag erklärte zum Abschluss der Ostermärsche:
„Bei den meisten Rednern gab es vorbehaltlose Zustimmung zu Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt“. Der Bundesausschuss bezeichnete die Initiative Obamas als „Geschenk an die Friedensbewegung“, die jetzt von unten unterstützt werden müsse. Der Bundessprecher DFG-VK zeigte sich „hocherfreut“. „Der US-Präsident folgt der Aufforderung der Deutschen Friedensgesellschaft“ lautete die Überschrift einer Presseerklärung am 6.4.2009. „Eine historische Chance, ein window of opportunity ist da“ erklärte Reiner Braun auf der Ostermarschkundgebung in München. Er fügte allerdings hinzu: „Diese Welt ohne Atomwaffen… werden wir erkämpfen müssen, gegen den härtesten Widerstand des rüstungsmilitärischen Komplexes und vieler seiner nicht nur konservativer Unterstützer“.
Trotzdem stellt sich die Frage, ob mit Obamas Initiative die Chancen zur Abschaffung aller Atomwaffen heute größer sind als in den letzten 20 oder 30 Jahren.
Barak Obamas Botschaft, Amerika strebe „nach einer Welt ohne Atomwaffen“ ist bei genauem Hinsehen und in Kenntnis der aktuellen US-Politik nichts anderes als ein medienwirksam inszeniertes Täuschungsmanöver. Es geht in Wirklichkeit überhaupt nicht um die Abschaffung aller Atomwaffen.
I.
Die globale Null-Lösung steht gar nicht auf der Agenda der US-Politik. In seiner Prager Rede erklärte Obama: „Solange diese Waffen existieren, werden wir ein sicheres und effektives Arsenal unterhalten um jeden Feind abzuschrecken, und wir werden unseren Verbündeten diese Verteidigung garantieren“. Obama kündigte lediglich einen neuen Vertrag mit Russland an, mit dem Ziel „die Zahl unserer Gefechtsköpfe und unsere (Atom) Arsenale zu verkleinern“.
Zur Debatte steht ein Nachfolgeabkommen für den START I Vertrag von 1991, in dem die Zahl der amerikanischen und russischen Atomwaffen auf jeweils 6000 Gefechtsköpfe und 1600 strategische Trägerwaffen begrenzt wurden. Dieses Abkommen läuft am 05.12.2009 aus und wird inzwischen von beiden Seiten als erfüllt angesehen
Einsatzbereite Strategische Sprengköpfe: USA: 5576, Russland: 3909; Strategische Atomwaffenträger: USA: 1198, Russland: 814
Andere Quellen nennen folgende Zahlen:
Einsatzbereite Strategische Sprengköpfe: USA: 2200, Russland: 3113 Strategische Atomwaffenträger: USA : 851, Russland 685
(Quellen: Nuclear Notebook, britische Regierung SIPRI in SZ vom 07.04.2009)
Die anvisierten 1000 Sprengköpfe entsprechen einer Zerstörungskraft von mindestens 300 Megatonnen TNT. Dieses Atompotential würde genügen, dass jede Seite in der Lage wäre alle mittleren und größeren Städte auf dem Erdball vollständig zu vernichten und den Globus unbewohnbar zu machen
Die USA und Russland verfügen über 95% des gesamten Atomwaffenpotentials (www.ippnw.de).
II.
Mit der Verkleinerung der Atomwaffenarsenale wird die Atomkriegsgefahr keineswegs reduziert, im Gegenteil: In Kombination mit dem US-Raketenabwehrsystem (NMD National Missile Defense) würde sich die Erstschlagsfähigkeit der USA wesentlich verbessern. Denn je geringer die Anzahl der gegnerischen Atomwaffen, desto effektiver schützt die Raketenabwehr vor einem Gegenschlag und macht die USA unverwundbar. Die Raketenabwehr ist damit das entscheidende Hindernis für eine substantielle atomare Abrüstung.
Entgegen allen offiziellen Erklärungen der US-Regierung dient die Raketenabwehr nicht dem Schutz vor einem Atomangriff. Kein Land, auch keines der sogenannten Schurkenstaaten bedroht die USA oder einen ihrer Verbündeten. Atomangriffe von Seiten Nordkoreas oder des Iran – selbst wenn sie mit einer Handvoll Atomwaffen die Fähigkeit dazu hätten – wären glatter Selbstmord. Sie würden – und das gilt auch für China – die totale Vernichtung ihres Landes durch die USA heraufbeschwören.
Gegen einen Angriff Russlands ist die Raketenabwehr jedoch völlig nutzlos. NMD könnte, selbst wenn es einmal voll funktionsfähig ist, nur einen Bruchteil der russischen Atomsprengköpfe abfangen.
Zweck der Raketenabwehr ist ausschließlich die Abwehr eines Gegenschlags, die eigene Unverwundbarkeit und damit die Freiheit zum Angriff gegen jeden denkbaren Gegner. Im Verhältnis zu Russland würde mit Hilfe der Raketenabwehr das bisher geltende Prinzip der gesicherten gegenseitigen Vernichtung (wer als erster schießt stirbt als zweiter) außer Kraft gesetzt werden. Ein Atomerstschlag gegen Russland würde dann wieder zu einer realistischen Option, die Reduzierung der Atomwaffen würde diese Option begünstigen. Russische Militärexperten befürchten zu Recht, dass es den USA darum geht „über den Verhandlungsprozess die russischen Atomwaffen auf ein Niveau zu reduzieren, das vom amerikanischen Raketenabwehrsystem neutralisiert werden kann“
In Prag hat Obama die Raketenabwehr mit keinem Wort erwähnt. Sollte er weiterhin daran festhalten, dann werden substanzielle Fortschritte bei der atomaren Abrüstung mit Sicherheit nicht zu erreichen sein.
III.
Ein weiteres Hindernis, das meist ignoriert wird, ist die unumschränkte, globale militärische Überlegenheit der USA und ihrer NATO-Verbündeten in der sogenannten konventionellen Kriegsführung.
Die Kriege gegen Jugoslawien, Afghanistan und den Irak haben vorexerziert, dass die NATO – Mächte ihre Wirtschafts- und Vorherrschaftsinteressen nicht nur mit politischer und ökonomischer Erpressung, sondern auch mit Aggressionskriegen durchsetzen. Staaten, die sich von einem Angriff der USA und NATO existentiell bedroht sehen und der stärksten Militärmaschinerie der Welt hoffnungslos unterlegen sind, werden deshalb wohl kaum auf atomare Abschreckungswaffen verzichten. Xanthe Hall vom IPPNW-Deutschland sagt: „ Es wird keine Beseitigung aller Atomwaffen geben, solange USA und NATO ihre militärische Dominanz im konventionellen Bereich aufrechterhalten“
Obama erklärte in Prag: „Die Vereinigten Staaten werden konkrete Schritte zu einer Welt ohne Atomwaffen unternehmen“. Aber die USA selbst untergraben jeden dieser Schritte. Obamas proklamiertes Ziel erweist sich so als Friedensrhetorik und Zweckpropaganda.
IV.
Der eigentliche Kern in Obamas Botschaft und auch das aktuelle Ziel US-amerikanischer Außenpolitik ist die Errichtung eines effektiven Regimes gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen, das über Befugnisse verfügt Strafmaßnahmen und Sanktionen gegen diejenigen durchzusetzen, die sich den US – Vorstellungen nicht fügen.
Gleich zu Beginn seiner Abrüstungsbotschaft in Prag machte Obama die eigentlichen Ziele seiner Initiative deutlich:
„Es ist eine seltsame historische Wendung, dass die Gefahr eines Atomkrieges gesunken, aber das Risiko eines Atomangriffs gestiegen ist. Die Waffentests sind weitergegangen… Die Technologie zum Bau einer Bombe hat sich verbreitet… Unsere Bemühungen, diese Gefahren einzudämmen, konzentrieren sich auf das globale Nichtverbreitungsregime, aber wenn mehr Menschen in Nationen die Regeln brechen, könnten wir an den Punkt kommen, wo das nicht mehr ausreicht.“
Im Klartext heißt das: Die Bedrohungen gehen nicht von denen aus, die wie die USA über die größten Atomarsenale verfügen und zudem mit dem Atomwaffenersteinsatz drohen, sondern von Staaten die bisher gar keine Atomwaffen besitzen und auch niemanden militärisch bedrohen.
Zweck von Obamas Initiative ist es ganz offensichtlich, mit der Verkleinerung der eigenen Atomwaffenarsenale die Kritik der Nichtatomwaffenstaaten zu entschärfen, dass nämlich die großen Atommächte ihrer im Atomwaffensperrvertrag festgelegten Abrüstungsverpflichtung bisher nicht nachgekommen sind. Damit soll, so Obama, ein neues Abkommen möglich gemacht werden „das die Herstellung von Brennstoffen zur Verwendung für Nuklearwaffen überprüfbar beendet.“ Mit einem verschärften Nichtverbreitungsvertrag (NPT) – so das Ziel der US-Regierung – soll ein effektives Instrument geschaffen werden, ausgestattet mit der Autorität, Regelverletzungen zu bestrafen, Sanktionen zu verhängen und durchzusetzen. Obama: „ wir brauchen mehr Mittel und Autorität… Wir brauchen wirkliche und unmittelbare Konsequenzen für Länder, die beim Regelbruch erwischt werden oder den Vertrag grundlos verlassen wollen.“
Die Grundaussagen Obamas entsprechen fast wörtlich der Position von Henry Kissinger, George Schultz, William Perry und Sam Nunn, die in früheren US-Regierungen hochrangige Posten inne hatten und heute noch zu den tonangebenden Militärstrategen zählen. Schon seit längerem treten sie als Befürworter der atomaren Abrüstung auf, erklären jedoch wie Obama, die Verbreitung der Atomtechnologie und die Fähigkeit zur Herstellung von Atomwaffen zum heute „überragenden Problem“
Henry Kissinger am 16.02. 2009 in Newsweek: „Aber das Ende des Kalten Krieges hat zu einem paradoxen Ergebnis geführt. Die Gefahr eines Atomkriegs zwischen den Supermächten ist im wesentlichen verschwunden. Aber die Ausbreitung der Technologie – insbesondere der Technologie zur Produktion friedlicher Atomenergie – hat weithin die Fähigkeit zur Erlangung der Atomwaffen-Fähigkeit gesteigert. (…) Die Verbreitung (Proliferation) von Atomwaffen ist zum überragenden strategischen Problem der Welt der Gegenwart geworden.“
(zitiert nach Kurt Mellenthin in seiner Analyse Obamas „Reine Zweckpropaganda“, junge welt 09./10.04.2009)
Im Mittelpunkt von Obamas Initiative steht also nicht die Welt ohne Atomwaffen. Alle, die sich das erhoffen werden auf den St. Nimmerleinstag vertröstet. Im Zentrum stehen Instrumente der Erpressung gegen diejenigen Länder die nicht zum Club der Atommächte gehören. Die Forderung von „wirklichen und unmittelbaren Konsequenzen“ bedeutet schlimmstenfalls Krieg.
Schlussfolgerungen: