Kriminelles Netzwerk hinter dem Mord an Juan López vermutet. Prozess gegen Unternehmer Lenir Pérez wegen illegalen Bergbaus und Umweltdelikten erneut vertagt
Von Anna Rösch amerika21San Pedro Sula. Der jüngst abgewählte Bürgermeister der Kreisstadt Tocoa im Aguán-Tal im Norden von Honduras, Adán Fúnes, muss sich als mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an dem bekannten Umweltaktivisten Juan López vor Gericht verantworten. Der Aktivist, Stadtrat und katholische Laienprediger wurde von einem mittlerweile geständigen Auftragsmörder am 14. September 2024 erschossen (amerika21 berichtete).
Gemeinsam mit zwei Mitangeklagten steht Fúnes in Kürze vor Gericht. Gegen ihn und zwei mutmaßliche Komplizen wurde Mitte Mai Untersuchungshaft angeordnet und Anklage erhoben. Adán Fúnes, Héctor Méndez und Juan Ángel Ramos wird vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gebildet und den Mord an Juan López in Auftrag gegeben zu haben. López deckte Korruption im Rathaus von Tocoa auf. Zudem setzte er sich zehn Jahre lang gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Komitees für die Verteidigung der Gemeingüter aus Tocoa gegen die von Fúnes geförderten Bergbau- und Energieprojekte nahe der Ortschaft Guapinol ein. Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die vorliegenden Beweise auf eine organisierte Struktur hindeuten, die das Verbrechen an dem Umweltschützer geplant, ermöglicht und ausgeführt haben soll.
Ismael Moreno (Padre Melo) von der jesuitischen Denkfabrik ERIC-SJ erklärte dazu: "Der Mord an Juan López ist Teil eines komplexen kriminellen Netzwerks. Es gibt einen ersten Strang: die Täter, deren Prozess im Juni stattfinden wird. Einen zweiten: diejenigen, die die Auftragskiller bezahlt haben, worum es in dieser Anklage geht. Aber es existiert noch ein dritter Strang: Welchen Zusammenhang gibt es mit den vielfachen Anzeigen von Juan López gegen den illegalen Bergbau im Nationalpark Carlos Escaleras, wo die Unternehmen Inversiones Los Pinares und Ecotek tätig sind, die Lenir Pérez gehören?"
Am 25. Mai sollte in der Hauptstadt Tegucigalpa die Beweiserhebung gegen den Unternehmer Lenir Pérez wegen illegaler Ausbeutung von Bodenschätzen und schwerer Umweltschäden im Nationalpark Carlos Escaleras in der Bergkette über dem Aguán-Tal beginnen. Die Verhandlung wurde jedoch zum wiederholten Mal vertagt.
Pérez hatte sich jahrelang in den USA aufgehalten, bis am 13. Januar 2026 ein internationaler Haftbefehl gegen ihn aufgehoben wurde und er nach Honduras zurückkehrte. Er ist gemeinsam mit seiner Ehefrau Ana Facussé, einer Tochter des verstorbenen Palmölmagnaten Miguel Facussé, Eigentümer von Inversiones Los Pinares, einem Zweig der EMCO-Holding. Das Unternehmen hatte in einem Wasserschutzgebiet zwei Eisenerztagebaue installiert, die Trinkwasserquellen und Flüsse gefährdeten. Der Bau einer Zufahrtstraße führte zu massiven Abholzungen und Erosionsschäden in diesem sensiblen Teil des Mesoamerikanischen Biosphärenreservates.
Zum gleichen Projekt der EMCO-Holding gehören unweit der Ortschaft Guapinol auch eine Eisenerz-Pelletieranlage des Unternehmens Ecotek, eine Erdölkoksanlage zur Energiegewinnung, mehrere Brunnen und ein Wasserkraftwerk. Insgesamt zwölf Staatsbedienstete und Angestellte des Unternehmens stehen in diesem Fall von schwerer Umweltkriminalität, die auch Dokumentenfälschung, Betrug und illegale Betriebsgenehmigungen umfasst, seit Langem vor Gericht (amerika21 berichtete). Einzig gegen Lenir Pérez ist es bisher nicht zur Beweisaufnahme gekommen. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn begann im September 2024, neun Tage nach der Ermordung von Juan López.
Beobachter:innen in Honduras vermuten, dass die rechtskonservative Regierung von Präsident Nasry Asfura Interesse daran haben könnte, Adán Fúnes hinter Gittern zu sehen, weitere Ermittlungen in Richtung einer möglichen Beteiligung des Unternehmers Pérez aber verhindern zu wollen. Pérez pflegt gute Verbindungen zu Wirtschaft und Politik in den USA. In Deutschland ist er über das Unternehmen PIA, das ebenfalls zur EMCO-Holding gehört, Partner des Münchner Flughafens (amerika21 berichtete).
Die EMCO-Gruppe soll inzwischen ihren Einfluss auch im honduranischen Kongress weiter gefestigt haben. Mit dem liberalen Abgeordneten Fernando Castro ist ein wichtiger ehemaliger Mitarbeiter von EMCO nun Mitglied des Ausschusses für Bergbau und fossile Energien. Umweltorganisationen warnen, dass der Kongress bald das Gesetzesdekret 18-2024 aufheben könnte, das den Bergbau in Schutzgebieten verbietet. Es sind Juan López und das Komitee für die Verteidigung der Gemeingüter aus Tocoa, die dieses Gesetz wesentlich vorangebracht hatten.
radioprogresohnVerbrechen in einer Region mit Landkonflikten. UN-Menschenrechtsbüro und lokale Gruppen fordern Aufklärung und Schutz. Regierung kündigt mehr Polizei im Aguán-Tal an.
Von Daniela Dreißig in amerika21Im Laufe des Vormittags ereignete sich ein weiteres Massaker in der Stadt Omoa in der nördlichen Grenzregion zu Guatemala, bei dem mindestens fünf Polizeikräfte der Spezialeinheit gegen Bandenkriminalität und drei Zivilist:innen erschossen wurden. Laut honduranischen Medien handelte es sich um eine geplante Hausdurchsuchung gegen einen Drogenhändler, bei der die Polizisten jedoch von mehreren Kriminellen überwältigt und verschleppt worden seien. Ihre Leichen wurden in der Nähe von Omoa aufgefunden und wiesen Spuren von enormer Brutalität und Folter auf. Die Täter sind möglicherweise nach Guatemala geflohen.
Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte und nationale Menschenrechtsorganisationen fordern von den Behörden "eine schnelle, umfassende, unabhängige und unparteiische Untersuchung der Vorfälle, die Festnahme und Bestrafung der Verantwortlichen, sowie die Aufdeckung und Zerschlagung der in der Aguán-Region operierenden kriminellen Strukturen und Gewaltnetzwerke". Weiterhin fordern sie wirksame Schutzmaßnahmen für die Überlebenden, die Angehörigen der Opfer, betroffene Gemeinschaften und Menschenrechtsverteidiger:innen der Region.
Präsident Nasry Asfura versprach, dass diese Verbrechen nicht straflos bleiben würden. Gleichzeitig kündigte er an, Polizei und Militärpolizei in das Aguántal zu entsenden und deren Präsenz im Laufe der Ermittlungen noch zu verstärken.
Innenminister Gerson Velásquez sagte in einer Pressekonferenz: "Das Massaker in Colón weist Merkmale einer Hinrichtung auf, die mit kriminellen Strukturen in Verbindung steht und nicht mit einem Agrarkonflikt." Zudem schloss er vorläufig eine Beteiligung staatlicher Akteur:innen aus und erklärte, dass erst die technischen und wissenschaftlichen Ermittlungen den Sachverhalt aufklären und die Verantwortlichen ermitteln würden.
In einer Pressemitteilung der Agrarplattform (Plataforma Agraria), einem Zusammenschluss von bäuerlichen Genossenschaften, wird erklärt, dass seit Mai 2025 eine Welle der Gewalt ausgebrochen sei, die sie den bewaffneten Gruppen zuschreibt: der "Gruppe der Acht" und den "Canechos", zu deren Hauptopfern Bauern:innen aus den Dörfern Panamá und Rigores zählen. "Beide Gruppen haben sich darauf spezialisiert, die Bauerngenossenschaften zu erpressen und zu vertreiben", erklärt die Agrarplattform.
Gegenüber Radio Progreso äußert Jhony Rivas, Sprecher der Agrarplattform, dass die Eskalation der Gewalt im Aguán-Tal mit der Tendenz einhergehe, die Bauern:innen zu kriminalisieren, die ihr legitimes Recht auf Land einfordern. Er fügt hinzu, dass sie die Darstellung beunruhige, die die derzeitigen Behörden im Zusammenhang mit dem Schutz des Landes verbreiten. "Vor drei Tagen verbreiteten Medien die Nachricht, dass Menschen, die auf den Grundstücken der Genossenschaft Paso Aguán leben, ermordet worden seien; wir haben uns vor Ort umgehört, aber nichts weiter erfahren und es kam zu diesem Massaker. Es herrscht eine Atmosphäre großer Angst", sagt Rivas.
Tage vor dem Massaker wurde ebenfalls bekannt, dass die Bauern:innen von Angehörigen der Polizei schikaniert worden seien. Diese hätten auf sie geschossen, ihr Eigentum verbrannt und gestohlen sowie Drogen unter ihre Habseligkeiten gelegt. Laut eines Artikels in Prensa Libre und Informationen in sozialen Netzwerken sollen die Täter des Massakers zum Teil Polizeiuniformen getragen haben.
Auch die Vorsitzende des honduranischen Rates der Privatwirtschaft (Cohep), Anabel Gallardo, zeigte sich wegen der Gewalt und Landbesetzungen besorgt. Ihre Sorge galt allerdings in erster Linie der Beschädigung des Ansehens Honduras' gegenüber der internationalen Gemeinschaft und ausländischen Investoren und richtete ihren Fokus auf die Landbesetzungen. "Grundstücke mit gültigen Dokumenten, die sich in produktiven Zonen befinden, werden von Personen besetzt. Gefordert ist ein Handeln von Staatsanwaltschaft und Polizei, damit das Gesetz mit aller Härte durchgesetzt wird, um diese Grundstücke zu räumen."
Der Jesuitenpater Ismael Moreno sieht in den Verbrechen eine Verbindung zu den Aussagen des ehemaligen Präsidenten Juan Orlando Hernández, die kürzlich durch die Audios veröffentlicht wurden (amerika21 berichtete). "Die Gewalt, die in den Audios angekündigt und entfesselt wurde, ist keineswegs eine Fälschung, sondern eine blutige Spur", schrieb Moreno in seinem X-Account. In den Audios sagt Hernández im März 2026 zum Kongressvorsitzenden Tomás Zambrano: "In Honduras braucht es Gewalt, es braucht Logistik, es braucht Blut. Wenn du die Menschen kontrollieren willst, musst du sie unterdrücken. Sie ausbeuten. Gewalt mit Gewalt bekämpfen."
Der Anwalt und Menschenrechtsverteidiger Victor Fernández erklärt gegenüber amerika21: "Das Verbrechen kann nicht als gewalttätiger Disput zwischen Gruppen abgetan werden, denn der Staat hat eine klare Verantwortung darin. Die unklare Eigentumslage, das Fehlen eines verfassungsrechtlich vorgeschriebenen Landreformprozesses und die Bevorzugung mächtiger Wirtschaftsgruppen sind die strukturellen Ursachen dieses Verbrechens. Seit Beginn dieser Regierung ist ein Diskurs zu beobachten, der das Leben und den Kampf der Bauern:innen verachtet."
Das Aguán-Tal fällt seit Jahrzehnten durch Gewalt gegen Bauern:innen auf. Großgrundbesitzer:innen und agrarindustrielle Unternehmen, befördert durch eine Gesetzesreform im Jahr 1992, haben sich immer mehr Land angeeignet, um Ölpalmplantagen anzulegen, deren Früchte zur Produktion von Agrosprit verwendet werden. Nach dem Militärputsch im Jahr 2009 kam es zu einer massiven Militarisierung der gesamten Region. Immer wieder kam es zu Morden an den Mitgliedern der Bauernkooperativen. Auch der Ausnahmezustand unter der Vorgängerregierung Castro hat nicht zu einer Verbesserung der Gefahrenlage für die Bauern:innen geführt. Dazu kommt, dass in der Region kriminelle Banden agieren, die Drogen schmuggeln.
Verurteilter Ex-Präsident als Vermittler für US-Interessen. Auch Israel erwähnt. Plan gegen Mexiko und Kolumbien
Von Johannes Schwaebl in amerika21Thema der Audios sind auch die Ausbreitung der Privatstädte (Zedes), der Aufbau einer Militärbasis und die Verabschiedung eines Gesetzes im Sinne der Interessen von KI-Konzernen. All das in Absprache mit dem US-Präsidenten und mit Unterstützung des israelischen Premierministers Benjamín Netanyahu. Auch die Regierung von Argentiniens Präsident Javier Milei sowie rechtskonservative Kreise in Mexiko werden in den Tonaufnahmen erwähnt.
Neben Hernández sind in den Audios unter anderem auch der aktuelle Präsident von Honduras, Nasry Asfura, die Vizepräsidentin María Antonieta Mejía und mehrere Mitglieder des Kongresses zu hören. Sie alle handeln laut den Aufnahmen auf Anweisung von Hernández, der laut den Aufnahmen die Kontrolle über die Staatsmacht zurückerlangen will.
Authentizität der Audios
Laut Hondurasgate wurden die 37 Aufnahmen aus Chats in WhatsApp, Signal und Telegram vor ihrer Veröffentlichung einer strengen forensischen Authentifizierung mit dem Programm Phonexia Voice Inspector unterzogen. Dabei wurde jede Datei mit einer Wahrscheinlichkeit der KI-Synthese von unter zehn Prozent und mit über 80 Prozent als authentische menschliche Sprache eingestuft. Das vollständige technische Dossier und die Originaldateien wurden öffentlich zugänglich gemacht, so dass jede Datei heruntergeladen und unabhängig verifiziert werden kann.
Weitere forensische Analysen zur hundertprozentigen Echtheit der Gesprächsaufzeichnungen stehen noch aus, weshalb diese in unterschiedlichen Kreisen angezweifelt werden. Wegen des brisanten Inhalts und des Profils der beteiligten Personen stellt sich auch die Frage, wer hinter dem Leak steckt und über die dafür notwendigen technischen und logistischen Kapazitäten verfügt.
Die Vorgänge der letzten Monate in Honduras stimmen allerdings mit den Tonaufnahmen überein. Unter diesem Blickpunkt erscheinen die geleakten Informationen wie eine Anleitung und Wegbeschreibung, die die Ereignisse in Honduras und Lateinamerika verbindet und eine koordinierte Operation der Reaktionären Internationale nachvollziehbar macht.
Die Begnadigung von Hernández durch Trump und die mutmaßliche Rolle von Israel
Ausgangspunkt der Vorgeschichte ist der November 2025. Nur wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Honduras verkündete Trump die Begnadigung von Hernández. Dieser war 2024 in den USA wegen Kokainschmuggels und der Annahme von Geldern von Joaquín "El Chapo" Guzmán zur Finanzierung von Wahlbetrug zu 45 Jahren Haft verurteilt worden. Die US-Staatsanwaltschaft warf Hernández vor, Honduras als "Drogenstaat" geführt und so die Einfuhr von mehr als 500 Tonnen Kokain in die USA ermöglicht zu haben. Mit der Begnadigung zeigte die Regierung Trump, dass sie ohne Skrupel mit verurteilten Drogenbossen kooperiert, sobald dies ihren Interessen entspricht.
In einer Sprachnachricht vom 14. März hört man Hernández, der sagt, dass seine Begnadigung von einer "Gruppe von Rabbinern und Personen, die Israel unterstützten", bezahlt worden sei. In einer weiteren Nachricht am 20. Januar versichert er, die Unterstützung des israelischen Ministerpräsidenten auch für die Zukunft zu haben: "Der israelische Premierminister wird uns unterstützen. Wir sind ihm sehr dankbar, sie hatten viel damit zu tun. Eigentlich hatten sie sogar vollständig mit meiner Freilassung und den Verhandlungen zu tun." Neben den Fragen nach der Beteiligung und den Interessen Israels stellt die Aufnahme die Begnadigung Hernández als einen Akt der Korruption dar.
Das investigative journalistische Portal Reactionary International schreibt: "Ein Mann, der wegen der Einfuhr von tonnenweise Kokain in die Vereinigten Staaten verurteilt worden war, kam nicht etwa wegen einer Neubewertung des Urteils frei, sondern weil eine ausländische Regierung seine Freilassung bezahlte. Die Begnadigung – eines der mächtigsten Instrumente der Exekutive im amerikanischen Verfassungssystem – war laut diesen Aufnahmen eine reine Transaktion."
Auch die Tatsache, dass der erste offizielle Besuch von Nasry Asfura im Januar, noch bevor er sein Amt als Präsident antrat, Israel galt, sei laut Reactionary International bezeichnend für die Rolle, die dieser Staat in Honduras spiele. Er traf sich dort mit Israels Präsident Isaac Herzog, Premierminister Benjamin Netanyahu und Außenminister Gideon Sa'ar. Anschließend reiste Asfura nach Washington, wo er mit US-Außenminister Marco Rubio, US-Handelsminister Howard Lutnick und anderen hochrangigen Vertretern der Trump-Regierung zusammentraf.
Der umstrittene Wahlsieg von Asfura
In Honduras konnte die nationale Partei, der Hernández angehört, durch die Begnadigung kurz vor den Präsidentschaftswahlen wichtige Stimmen gewinnen. Zudem sprach sich Trump auf seinem digitalen Netzwerk Truth Social ausdrücklich für den Kandidaten der nationalen Partei, Nasry "Tito" Asfura, aus und drohte mit der Einstellung von Hilfszahlungen, sollte dieser nicht gewählt werden. Asfura wurde schließlich mit weniger als einem Prozent Unterschied am 24. Dezember 2025 zum Gewinner erklärt. Wahlbeamte wie auch die scheidende Regierung unter Xiomara Castro zweifelten die Ergebnisse an (amerika21 berichtete).
Obwohl Asfura während des Wahlkampfes erklärte, er habe keine Verbindung zu Hernández, ermahnt dieser in einer Aufnahme vom 10. März Asfura mit den folgenden Worten: "Ich bin überzeugt, sie werden mich nicht im Stich lassen. Dank mir sitzen Sie auf diesem Stuhl. Präsident werde ich sein. Und ich erwarte Ihre Unterstützung. Denn genau so haben wir das mit Präsident Trump besprochen."
Kahlschlag gegen korruptionskritische Staatsfunktionäre
Um seine Rückkehr zu ermöglichen, weist Hernández in mehreren Nachrichten eine Vertreibungskampagne gegen politische Gegner an. Seit der Machtübernahme von Asfura Ende Januar 2026 wurden mehrere hohe Staatsbedienstete aus ihren Ämtern entfernt. Am 16. April entließ der Kongress mit 88 Ja-Stimmen den Leiter des nationalen Wahlrats, Marlon Ochoa, sowie Mario Morazán, Lourdes Maribel Mejía und Gabriel Gutiérrez aus dem Wahlgericht. Ochoa hatte Unregelmäßigkeiten im Wahlprozess von 2025 angeprangert. Zuvor, am 25. März, hatte die Säuberungswelle bereits Generalstaatsanwalt Johel Zelaya erreicht, und die Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Rebeca Raquel Obando, trat unter Druck zurück.
In einer Sprachnachricht vom 18. März übermittelt Hernández an Tomás Zambrano, den Präsidenten des Kongresses: "In Honduras braucht es Gewalt, es braucht Logistik, es braucht Blut. Wenn du die Menschen kontrollieren willst, musst du sie unterdrücken. Sie ausbeuten. Gewalt mit Gewalt bekämpfen. So lautet die Devise von Präsident Trump."
In einer Aufnahme vom 25. März bittet Hernández den ehemaligen Chef der Streitkräfte Romeo Vásquez Velásquez um eine Liste, um Personen zu lokalisieren. Vásquez, der 2009 den zivil-militärischen Putsch gegen Präsident Manuel Zelaya anführte, antwortet, dass er eine Gruppe in den Streitkräften hat, die bereit ist, eine Jagd zu beginnen.
Mehr Privatstäten, neue Militärbasis und KI-Geschäfte für US-Konzerne
In einer Sprachnachricht vom 10. Februar erklärt Asfura an Hernández: "Wir hatten bereits eine vertrauliche Sitzung mit Investoren, die die Erweiterung des Zede-Projektes in Roatan und in Comayagua sehr positiv sehen. Ein weiteres Projekt wie Palmerola2 werden wir in Roatan vorantreiben, in der Nähe von Prospera, eine Militärbasis, das ist schon vereinbart. Auch den interozeanischen Korridor werden wir an General Electric übergeben."
Die Zedes (Sonderzonen für Beschäftigung und Entwicklung), auch als Modell- oder Privatstädte bekannt, sind spezielle Zonen, die von privaten Unternehmen und Investoren verwaltet werden. Diese übernehmen unter anderem Aufgaben der Verwaltung, Sicherheit und Rechtsprechung. Hernández war einer der politischen Förderer der Zedes. Unter seinem Vorsitz setzte der Kongress 2012 vier Richter des Obersten Gerichtshofes ab, die das Projekt als verfassungswidrig einstuften, und verabschiedete 2013 das Gesetz der Zedes. Unter der Regierung Castros wurde das Projekt erneut als verfassungswidrig eingestuft, da es gegen die Souveränität des Landes verstoße (amerika21 berichtete).
Die am weitesten fortgeschrittene Zede ist Próspera auf der Insel Roatán. Investor ist unter anderem der Multimilliardär Peter Thiel, Begründer von PayPal und Palantir und enger Unterstützer von Donald Trump und des US-Vizepräsidenten J. D. Vance. Palantir hat millionenschwere Verträge mit dem Pentagon, dem US-Heimatschutzministerium und der Einwanderungsbehörde ICE abgeschlossen. Auch der Staat Israel soll Palantir-Software im Gazastreifen nutzen, um Informationen zu sammeln und militärische Ziele zu identifizieren.
Neben der Erweiterung der Zedes und dem Bau einer neuen US-Militärbasis soll laut Diario Red zudem in Honduras ein Gesetz zur Förderung von Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) verabschiedet werden. Aufträge sollen direkt an private US-amerikanische Unternehmen vergeben werden.
Als Gegenleistung für die Unterstützung Trumps soll Honduras in eine strategische Zone für US-amerikanische und israelische Militär-, Logistik- und Wirtschaftsoperationen umgewandelt werden, so Diario Red.
Über Jahrzehnte galt Honduras als wichtiges Operationszentrum der USA in Mittelamerika. Hernández setzte diese Politik, zuerst als Vorsitzender des Kongresses (2010 bis 2013) und später als Präsident (2014 bis 2022), fort, und war ein wichtiger Verbündeter Washingtons und Tel Aviv. 2015 erklärte Hernández: "So lange ich Präsident sein werde, wird Honduras Israel unterstützen." Im Jahr 2019 eröffnete seine Regierung ein Handels- und Diplomatenbüro in Jerusalem, und im Jahr 2021 verlegte die Regierung Hernández die honduranische Botschaft offiziell von Tel Aviv nach Jerusalem. Die Regierung von Xiomara Castro unterbrach diese Politik (amerika21 berichtete), stellte sich dem Einfluss der USA entgegen und kritisierte den durch Israel verübten Völkermord in Palästina.
Mexiko und Kolumbien ins Visier
Internationale Brisanz gewinnen die von Hondurasgate und Diario Red veröffentlichten Informationen, da in ihnen vom Aufbau eines Kommunikationsteams die Rede ist, um die progressiven Regierungen von Mexiko und Kolumbien anzugreifen. Laut aufgezeichneten Nachrichten zwischen Hernández, Asfura und Vizepräsidentin María Antonieta Mejía soll dies mit honduranischen Staatsgeldern und Zuwendungen der argentinischen Regierung von Javier Milei in Höhe von über einer halben Million Dollar finanziert werden. Das Ziel seien Medienkampagnen und die Streuung von Falschinformationen gegen die Ex-Präsidentin Castro, sowie ihren Ehemann, den ehemaligen Ex-Präsidenten Zelaya in Honduras, wie auch gegen die Regierungen von Gustavo Petro in Kolumbien und Claudia Sheinbaum in Mexiko.
Sowohl Sheinbaum als auch Petro haben zu den Veröffentlichungen Stellung bezogen. Sheinbaum machte auf das internationale Netzwerk der Rechten und deren Strategie der gezielten Verbreitung von Falschmeldungen aufmerksam und betonte, dass diese Art von Medienoperationen in Mexiko aufgrund der Volksnähe der Regierung keinen Erfolg haben werde. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro äußerte sich kritisch gegenüber dem israelischen Premierminister. "Welchen Grund hat Herr Netanjahu, den ehemaligen Präsidenten von Honduras, einen bedeutenden Drogenhändler, freizukaufen, nur um die Regierungen Kolumbiens und Mexikos zu zerstören?"
Reaktionen der Presse und in der honduranischen Politik
Während alternative und investigative Medien den Fall weiter untersuchen und verbreiten, behandeln große Medien die Veröffentlichung weiter mit Vorsicht. El País und DW berichteten. Die etablierten US-Medien haben bisher fast vollständig geschwiegen oder nur am Rande berichtet. Auch in Honduras verschweigen die auflagenstärksten und der Oligarchie nahestehenden Medien bisher das Thema oder spielen es herunter.
Die nationale Partei in Honduras wies die Vorwürfe kategorisch zurück und spricht von Fälschungen und einer Desinformationskampagne der internationalen Linken. Der honduranische Kongress ordnete indes eine Untersuchung der Nachrichten durch ein Labor in den USA an, um deren Fälschung zu beweisen.
Das "Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz" bereitet im Wesentlichen die ensprechenden Aktionen vor, d.h. es ist außerhalb dieser Kampagne in der Regel nicht eigenständig aktiv - dazu gibt es Andere, z.B. das Münchner Friedensbündnis und Partner- bzw. Mitgliedsgruppen oder unsere Unterstützer. Also für Aktuelleres in der Zwischenzeit am Besten dort schauen...